Der Senftenberger Sebastian Semisch war seit November 2003 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Sein Berufswunsch: Mediengestalter. Rund 60 Bewerbungen hat er in der Region, aber auch in ganz Deutschland, verschickt. "Davon habe ich vielleicht zehn Antworten bekommen", sagt er. Ein Ausbildungsvertrag ist für ihn nicht herausgesprungen, trotz eines Notenschnitts von 2,3. Seit April 2004 war er zu Hause. "Ich habe dann beim Arbeitsamt nachgefragt, ob ich nicht zumindest ein Praktikum bekommen kann", erzählt er. Seit Mitte Dezember hat er seine Chance – beim Förderverein integrative Sozialarbeit "Regine Hildebrandt" (FiS) in Senftenberg. Die Einstiegsqualifizierung macht es möglich. Nun stellt er Touren für die Senftenberger Tafel zusammen, erstellt Spendenbescheinigungen für den Verein und schnuppert bis Ende Juli in den Beruf des Bürokaufmanns hinein.

Auch die 18-jährige Claudia Zernick aus Saalhausen (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) suchte viele Monate vergebens: "Ich möchte Bürokauffrau werden, habe etwa 50 Bewerbungen abgeschickt." Doch in der Region hatte die junge Frau keine Chance – es hagelte Absage um Absage. Sie möchte in der Lausitz bleiben, wegen ihres Freundes, der Familie und den Bekannten. Vier mögliche Interessenten für eine Einstiegsqualifizierung hat sie gefunden – beim FiS hat es schließlich geklappt. Zurzeit bringt sie den Internet-Auftritt des Vereins auf Vordermann und arbeitet an einer neuen Ausgabe der Vereinszeitung. Ebenso wie ihr Kollege Sebastian Semisch kann Claudia Zernick erste Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Ob sie sich danach eine Chance auf eine Azubi-Stelle ausrechnet? Sie zweifelt. "Ich mache erstmal diese sieben Monate. Dann schaue ich mal."

Renate Thiel, ihre Chefin beim FiS, ist mit den beiden zufrieden: "Sie waren vom ersten Tag an motiviert und wollten gleich loslegen." Insgesamt arbeiten bei dem Senftenberger Verein fünf junge Leute, die die Möglichkeit der Einstiegsqualifizierung wahrnehmen. Der Lohn ist allerdings nicht gerade üppig. 192 Euro bekommen die Fünf jeweils pro Monat.

Was bei den Südbrandenburgern scheinbar reibungslos funktioniert, ist woanders ein Problem, sagt Anke Schuldt, Leiterin des Bereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK Cottbus: "Wir haben die Rückmeldung von vielen Firmen, dass die Motivation derer, die sich vorstellen, recht gering ist." Einige angekündigte Jugendliche seien überhaupt nicht zu den Vorstellungsgesprächen erschienen. "Jetzt müssen wir ergründen, wo die abgeblieben sind", so Anke Schuldt. 380 Plätze für dieses zunächst bis 2006 begrenzte Programm existieren seitens der Arbeitgeber, 139 sind laut IHK-Statistik bislang vergeben. Im Arbeitsbereich der IHK Dresden lagen zum Stichtag 15. Dezember 340 Verträge bei 1008 Stellen vor.

Nach dem ersten halben Jahr der Einstiegsqualifizierung offenbaren sich für die IHK jedoch die ersten Kinderkrankheiten: "In manchen Fällen gab es nicht so tolle Übereinstimmungen in Angebot und Nachfrage", sagt Anke Schuldt. Vor allem in ländlichen Gebieten seien etliche Stellen unbesetzt geblieben, weil viele Interessenten keine Möglichkeit haben, die Arbeitsorte täglich zu erreichen. "Dabei lernen wir fürs nächste Jahr", sagt die IHK-Frau. Trotzdem zieht Anke Schuldt ein positives Fazit: Die IHK rechnet mit weiteren Vertragseingängen und hofft, dass auch die Firmen vermehrt Angebote machen. "In der Regel braucht so etwas immer ein wenig Zeit."

Für Sebastian Semisch könnte sich der Schritt zur Einstiegsqualifizierung in den kommenden Monaten lohnen. Womöglich winkt ihm ein Ausbildungsplatz als Mediengestalter in Cottbus. Sicher sein kann er sich jedoch nicht: "Ich bewerbe mich trotzdem weiter", sagt er.
..............................................................................................................................................................................
Hintergrund: Einstiegsqualifizierung

Im Ausbildungspakt ist vereinbart, dass ab dem Ausbildungsjahr 2004/2005 bundesweit neben 30 000 neuen Lehrstellen auch 25 000 Plätze zur betrieblichen Einstiegsqualifizierung geschaffen werden. Dafür entfällt im Gegenzug die angedrohte Ausbildungsplatzabgabe.

Die Einstiegsqualifizierung soll Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben, die Möglichkeit bieten, für sechs bis zwölf Monate in einen Beruf hineinzuschnuppern. So hat auch der Betrieb die Chance, den Jugendlichen langfristig zu testen.

Mehr dazu im Internet: www.cottbus.ihk.de
..............................................................................................................................................................................