ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:38 Uhr

Stadtgeschichte
Einst gab es drei Färbereien mit dem Namen Nitschmann

 In der Taubenstraße befand sich die Färberei Nitschmann. Weitere Nutzungen des Geschäftes folgten.
In der Taubenstraße befand sich die Färberei Nitschmann. Weitere Nutzungen des Geschäftes folgten. FOTO: archiv
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt anhand einer alten Postkarte von Hans Krause die Geschichte über die Färberei Nitschmann. Von Dora Liersch

Es ist immer wieder erstaunlich, wie Cottbuser Gewerbetreibende mit Ansichtskarten ihrer Geschäftshäuser auf sich aufmerksam machten – auch wenn so ein Haus noch so unscheinbar aussah. Werbung ist eben alles, auch schon vor 90 Jahren. Der Färbermeister Julius Nitschmann gründete seinen Betrieb im Jahre 1890 in seinem alten Haus in der Roßstraße 1.

In seiner Färberei arbeitete auch Franz Nitschmann als Färbergeselle. Wir heutigen Cottbuser kennen dieses Anwesen nicht mehr. Mehrere kleine Gebäude standen auf diesem Grundstück, das Julius Nitschmann um 1901 an die Stadt verkaufte. Diese vermietete die Räumlichkeiten, zuletzt an den Tierschutzverein, der eine kostenlose Geflügelschlachtstelle in einem der Gebäude einrichtete.  1936 wurden alle Gebäudeteile der Roßstraße 1 abgerissen.

Wer unter dem Begriff „Färberei“ sucht, muss diese unterteilen in Färbereien für den Hausgebrauch und Färbereien für die Industrie. Nitsch­mann arbeitete für den Hausgebrauch. Zum Anfang des vorigen Jahrhunderts gab es in Cottbus sogar drei selbstständige Färbereibetriebe mit dem Namen Nitschmann: der Färbermeister Julius, der von der Roßstraße 1 in die Roßstraße 34 gezogen war, Franz, der sich in der Taubenstraße 36 niederließ, und Rudolf, der sich im hinteren Grundstück der damaligen Moltkestraße 42 (heute Lausitzer Straße 42) von der Baufirma Hermann Pabel & Co. 1902 eine Färberei und eine Wäscherei errichten ließ.

Uns interessiert aber nur das Gebäude in der Taubenstraße von Franz Nitschmann, das auch unsere Ansichtskarte zeigt. Die Taubenstraße 36 (alte Nummer 35) war als reines Mietshaus erbaut worden, in dem bis zu elf Mietsparteien wohnten. Das änderte sich erst, als Franz Nitschmann das Haus zum Anfang des vorigen Jahrhunderts kaufte und seine Firma darin einrichtete. Dazu gehörte natürlich auch der Ausbau eines Ladens. Es gibt in Cottbus viele Häuser, die durch Ladeneinbauten zu Geschäftshäusern wurden. Franz Nitschmann übernahm zu seiner Färberei auch noch eine chemische Reinigungsanstalt. Anfang der 1930er-Jahre setzte sich Franz Nitsch­mann zur Ruhe und übergab seine Firma an E. und Carl Wagner. Aus dieser Zeit mag unsere Ansichtskarte stammen.

1940 lebte Franz Nitschmann in seinem Haus als Privatier. Es bestanden noch die Färberei und chemische Reinigung von Wagner, allerdings gab es inzwischen einen Geschäftsführer namens Kurt Frenzel. Der Laden in der Taubenstraße 36 könnte uns noch viele Geschichten aus den letzten Jahren seiner Nutzung erzählen, in dem auch einige Zeit die Porzellanmalerei von Gustav Stein untergebracht war.

 So präsentiert sich heute die Adresse in der Taubenstraße.
So präsentiert sich heute die Adresse in der Taubenstraße. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch