Die RUNDSCHAU stellt in loser Folge die beteiligten Künstler mit jeweils einem ausgewählten Foto vor.

Im Juni und Juli 2005 bereiste Robert Knoth die Region Tschernobyl und dokumentierte die Spätfolgen eines der gravierendsten Unfälle der Industriegeschichte in eindringlichen Schwarzweißbildern.

Tschernobyl ist ein kleines Dorf im Norden der Ukraine direkt an der Grenze zu Weißrussland, 130 Kilometer nördlich der heutigen Hauptstadt Kiew. Acht Kilometer von Tschernobyl am Flüsschen Pripjat wurden in den siebziger Jahren die Atomreaktoren sowie eine Stadt für Arbeiter und ihre Familien gebaut. Die Reaktoren gehörten zu einer russischen Baureihe, in der man relativ leicht Plutonium für Atombomben anreichern konnte. Insgesamt sollten dort zehn Kraftwerke entstehen. Vier Atommeiler waren bereits in Betrieb, zwei weitere im Bau, als in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 kurz nach ein Uhr der Reaktor 4 in Tschernobyl explodierte: Der Supergau, der nicht mehr zu beherrschende Unfall in einem Atomkraftwerk, war eingetreten.

Eine erste radioaktive Wolke zog über Polen nach Skandinavien. Am 28. April 1986 wurde im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark der automatische Alarm ausgelöst. Zunächst vermutete man dort einen Unfall. Erst später erfuhr die Weltöffentlichkeit von einem der gravierendsten Unfälle der Industriegeschichte in Tschernobyl.

Die radioaktive Belastung in Weißrussland, der Ukraine und Russland ist nach wie vor verheerend: Ganze Landstriche sind auf Jahrhunderte für die Produktion von Nahrungsmitteln verloren, die meisten Anwohner dort sind heute krank. Von den jungen Menschen, die zu Aufräumarbeiten im verstrahlten Gebiet gezwungen wurden, sind bis 2002 nach ukrainischen Angaben bereits 15 000 gestorben.

Eine Führung im Dkw gibt es am Dienstag, 5. August, 16.30 Uhr.