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Einblick ins Depot des Brandenburgischen Landesmuseums

Das Stillleben von Heinz-Karl Kummer hing jahrelang in einem Büro. Nun gehört es dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst.
Das Stillleben von Heinz-Karl Kummer hing jahrelang in einem Büro. Nun gehört es dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Das Depot ist das Herzstück eines jeden Museums. "Normalerweise darf hier niemand rein", erklärt Jörg Sperling vom Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst. Jenny Theiler

Für die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour wurde am Mittwoch eine Ausnahme gemacht.

Im Juli fusionierte das Kunstmuseum Dieselkraftwerk mit dem Jungen Museum Frankfurt Oder. Die weitläufigen Räumlichkeiten des neuen Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst bilden einen erstaunlichen Kontrast zu der vergleichsweise kleinen Kammer, die knapp 35 000 Kunstwerke verwahrt.

Plakate, Drucke, Zeichnungen, Malereien und Plastiken werden bei 20 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von ungefähr 25 Prozent gelagert. Ein röhrenförmiges Belüftungssystem durchzieht den gesamten Raum. Die Raumluft wird gefiltert, um Staubablagerungen zu vermeiden. Obwohl ein Großteil der Kunstwerke in robusten Metallschränken aufbewahrt wird, befinden sich die großen Gemälde auf frei hängenden Ziehwänden. Auf Holzschränke wird zur Aufbewahrung der Werke verzichtet, denn Holz enthält die Säure Lignin, die Papier und Leinwände schädigen kann. "Das gilt auch für unsere eigenen Finger", erklärt Jörg Sperling. Denn die Haut sondert spezielle Säuren ab, die sich beispielsweise auf Ledereinbänden bei Büchern bemerkbar machen können. Deshalb ist der Griff zu den weißen Archivar-Handschuhen für jeden Mitarbeiter Pflicht.

"In den alten Räumlichkeiten in der Spremberger Straße waren wir sehr beengt", erklärt Jörg Sperling. "Das Dieselkraftwerk bietet uns deutlich bessere Bedingungen, die auch einen internationalen Standard gewährleisten", so der Sammlungsverantwortliche. Ein genauerer Blick auf die Gemälde transportiert tatsächlich einen Hauch von internationaler Kunst. Unterschiedliche Stile und Farbgebungen beeindrucken die Besucher. Ein Auszug aus den vielseitigen Epochen der Kunstgeschichte regt die Vorstellungskraft an und versetzt die Besucher in Staunen. Denn was so international wirkt, stammt zu einem großen Teil aus Brandenburg. 80 Prozent der Kunstwerke sind in der DDR entstanden und haben trotz ihrer ursprünglichen Kritik am System kaum an Aktualität eingebüßt. So entlocken die Malereien von Günther Friedrich so manchem Besucher ein Schmunzeln, wenn Jörg Sperling ergänzend feststellt: "Dass der Brandenburger nicht so eine Frohnatur wie der Rheinländer ist, sehen wir in Friedrichs Werken." Der Cottbuser Künstler fängt das brandenburgische Lebensgefühl ein, ohne zu beschönigen. Selbst das wohltemperierte Werk "Zum Beispiel Sandow", das einen nachdenklichen Jungen auf dem Balkon einer uniformen Plattenbausiedlung zeigt, könnte aus der Gegenwart stammen.

Die Inventarisierung der Werke ist abgeschlossen. Neben handschriftlich geführten Büchern und Karteikarten ist das Museum aber auch bemüht, jedes Stück digital zu erfassen. Dafür erhielt die Einrichtung circa 45 000 Euro, die für die Reproduktion von 800 Werken verwendet wurden.

Die knapp 5000 Fotografien werden in einem gesonderten und kühleren Raum bei circa 18 Grad Celsius gelagert. "Hoffentlich haben Sie Ihre Pelzmäntel dabei", scherzt Jörg Sperling, als er die Türen zum Fotoarchiv öffnet. Lange Zeit wurde das Genre nicht als Kunstform gesehen. Die brandenburgische Kunstsammlung begann bereits in den 70er-Jahren, Fotografien auszustellen. Die Restaurierung ist aufwendig und teilweise nicht möglich.

Als eine Besucherin nach Werken von Elisabeth Wolf fragt, kann Jörg Sperling ein Beispiel für gelungene Restaurierungsarbeit zeigen. Jahrelang wurde das Bild "Am Sanzeberg" auf die 50er-Jahre datiert. Wie sich herausstellte, stammt es aus dem Jahr 1905. "Wir sind sehr stolz, dass wir das rausgefunden haben, weil das Bild den Geist dieser Zeit atmet", so Jörg Sperling.