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| 02:34 Uhr

Ein Wochenende für die Festtracht

Zum Festival in Jänschwalde gehört de r große Festumzug mit insgesamt 48 Bildern: Die Gruppe aus Tauer zeigt auf ihrem Wagen historische Schulutensilien aus der Heimatstube. Der Schriftsteller und Lehrer Fryco Rocha hatte die Kinder von 1891 bis 1915 in wendischer Sprache unterrichtet.
Zum Festival in Jänschwalde gehört de r große Festumzug mit insgesamt 48 Bildern: Die Gruppe aus Tauer zeigt auf ihrem Wagen historische Schulutensilien aus der Heimatstube. Der Schriftsteller und Lehrer Fryco Rocha hatte die Kinder von 1891 bis 1915 in wendischer Sprache unterrichtet. FOTO: Hirche/jul1
Jänschwalde. In Jänschwalde war am Wochenende alles zu erleben, was die Niederlausitzer Region einmalig macht: Lieder, Tänze, die Sprache und das Brauchtum der Wenden. Gleich vier Jubiläen wurden gefeiert: 70 Jahre Domowina in Brandenburg, die Ersterwähnung des Ortes vor 670 Jahren, 20 Jahre Wendisch-Deutsches Heimatmuseum und zehn Jahre Partnerschaft zwischen Jänschwalde und dem polnischen Ilowa. Marion Hirche / jul1

Das Wendisch-Deutsche Heimatmuseum gehört zu den Perlen der Südbrandenburger Museumslandschaft. Die frühere Kindereinrichtung wurde im Februar 1996 zur 120-jährigen Fastnacht als Museum eröffnet. Kommunalpolitiker, Domowina-Mitglieder und aktive Jänschwalder haben sich für diese Einrichtung eingesetzt und viel heimatgeschichtliches Material zusammengetragen. Die Stiftung für das sorbische Volk hat unterstützt. Im Museum sind zahlreiche sorbisch-wendische Trachten zu sehen. Stetig wurde dieses Jänschwalder Kleinod erweitert. Eine weitere Ausstellungsetage kam dazu, 1999 die 1846 erbaute Pfarrscheune und 2009 das Stallgebäude auf dem Pfarrhof. In dem Museum erfährt der Besucher alles über das Jänschwalder Christkind. Imposantestes Ausstellungsstück ist ein historischer Leichenwagen, der 1964 letztmalig fuhr. Die geschichtsträchtigen 600 Quadratmeter wurden durch Bürgermeister Helmut Badtke vor zahlreichen Gästen gewürdigt. Die Sonderschau mit Fotografien des Slowenen Karl Vouk, eine Gastausstellung des Wendischen Museums Cottbus, wurde eröffnet.

Ursula Starick freute sich: "Ich habe hier so viele freiwillige Stunden verbracht." Die 85-jährige Liesbeth Möschk trug ihre Festtagstracht und erklärte interessierten Gästen, wie sie sie anzieht: "Ich stecke alles vorher am Rock fest, nur die Ecke hinten kriege ich nicht allein hin, da bitte ich dann jemanden, wenn meine Tochter nicht da ist." Liesbeth Möschk war eine der Mitbegründerinnen des Jänschwalder Frauenchors. Besonders hoch schlug ihr Herz am Sonntag im Gottesdienst, als ein neues sorbisch-wendisches Gesangbuch vorgestellt wurde.

Am Sonnabendnachmittag wurden die Erntebräuche vorgestellt. "Ich bin hergekommen, weil mich das interessiert. Außerdem kennen wir ja nur das Hahnrupfen. Hier werden auch das Johannis- und Stollenreiten, das Hahnschlagen und das Kranzreiten gezeigt", so Gudrun Starke aus Jänschwalde.

Der absolute Höhepunkt war der Festumzug am gestrigen Sonntag. Um da auch mit einem interessanten Umzugswagen dabei sein zu können, eilte Manfred Hoblisch aus Bärenbrück bereits nach der Museumsfeier nach Hause. "Ich muss noch unseren Wagen schmücken. Wir wollen die Wurzeln unseres Ortes darstellen, also unsere Bärenbrücker Teiche." Julia Kahl, Tourismuschefin des Amtes Peitz, selbst Jänschwalderin und auch in Tracht, war vom Wochenende begeistert: "Es hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie reich unsere Kultur hier ist."