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Ein Stück Stadtentwicklung aus Bürgerhand

Auch wenn es die Schneedecke im Moment verhüllt: Cottbus ist eine ausgesprochene grüne Stadt. Park- und Grünflächen, Rad- und Wanderwege entlang der Spree geben unserer Stadt ein unverwechselbares Flair. Maßgeblichen Anteil am Entstehen der grünen Lunge hatte der Verschönerungsverein Cottbus. Eine Ausstellung im Rathaus-Foyer erinnert an den wichtigen Beitrag des Vereins zur Stadtentwicklung. Von Bernd Schlue

Die Gründung des Cottbuser Verschönerungsvereins im Jahre 1872 fiel in eine Zeit des wirtschaftlichen, politischen und sozialen Wandels, ist den Tafeln zu entnehmen. Die aufkommende Massenproduktion löste die weniger effiziente Manufakturarbeit ab. Der industrielle Boom bescherte der Tuchmacherstadt auch einen kräftigen Einwohnerschub. Die Arbeiter suchten erholsamen Ausgleich in der spärlich bemessenen Freizeit, nur fehlte es am behaglichen Umfeld.
Das erstarkende Bürgertum rief den Magistrat auf, zu reagieren. Die Stadt mühte sich, kam mit ihren Aktivitäten aber nicht schnell genug nach. So nahmen die Bürger das Zepter in die Hand: Dem Gründungsaufruf vom 6. Mai 1872 schlossen sich 45 Persönlichkeiten an, unter ihnen der damalige Oberbürgermeister Leopold Jahr und Generalmajor von Puttlitz. Der Aufruf gilt zugleich als Gründungsdatum des Cottbuser Verschönerungsvereins. Zu den ersten Aktivitäten gehörte die Gestaltung des Luckauer Walls, der heutigen Puschkinpromenade. Bis zur Jahrhundertwende entstand unter Einsatz des Vereins und unter Leitung des Gartendirektors Julius Kurfeß der Stadtpark (später Goethepark), erfolgten Baumpflanzungen an der Wachsbleiche und die Verschönerung der Museumsinsel. Bis 1904 folgten so wichtige Projekte wie der Gerichtsberg, Neustädter und Kaiser-Wilhelm-Platz (heute Brandenburger Platz). Von Kurfeß und seinen Mitarbeitern stammen auch die Anlagen des Außenparks (Eliaspark), die Gestaltung des Schillerplatzes ums Stadttheater, des Spreedammes bis zur Markgrafenmühle, das Ufergelände vor dem Groß en Spreewehr oder die Anlagen am Krankenhaus. 1925 enden die Aufzeichnungen. Während der Nazizeit war der Verein nicht aktiv, genaue Angaben fehlen.
Nach Gründung der DDR trug insbesondere Gartenbauingenieur Joachim Scherzer zum Gedeihen der Stadt bei. Unter seiner Ägide erblühten originell gestaltete, mit großer Artenfülle bestückte Park- und Schmuckanlagen um die Cottbuser Altstadt, der so genannte „Grüne Ring“ . Cottbus machte republikweit als „Grüne Stadt“ mit gepflegten Grünflächen von sich reden.
Die Ausstellung des Fördervereins Kulturlandschaft Niederlausitz wartet mit mancher Überraschung auf - und der Erkenntnis: Fast alle lieb gewonnenen Oasen in unserer Stadt gehen auf das Wirken des Verschönerungsvereins und seiner Nachfolger zurück.

service Aufruf zur Neugründung
 Der Verschönerungsverein soll im Jubiläumsjahr wieder auferstehen. Dazu organisiert der Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz am 27. April, um 18 Uhr, im Stadthaus eine Auftaktveranstaltung, moderiert von Steffen Krestin, Leiter der Städtischen Sammlungen. Informationen vorab unter Telefon 0355 22148.