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Luisenstraße in Cottbus
Ein Stück Brunschwiger Geschichte

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Diese alte Ansichtskarte erzählt ein Stück Geschichte des Ortes Brunschwig, der nördlich von Cottbus lag. Seine Größe ließe sich heute noch auf einem Stadtplan von Cottbus aus den 1860er-Jahren, aber auch in den Unterlagen des Katasteramtes ermitteln, denn wer im Norden von Cottbus ein Grundstück besitzt, weiß, dass zwischen der Altstadt von Cottbus und dem Ort Schmellwitz sein Grundstück unter Brunschwig, Flur verzeichnet ist. Dora Liersch / dli9

Brunschwig bestand ursprünglich aus Brunschwig am Berge, Brunschwig in der Gasse und dem Rittergut Brunschwig. Da die Stadt Cottbus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus allen Nähten platzte, konnte man nur mit Eingemeindungen von angrenzenden Ortschaften dem Mangel an Bauland begegnen.

Im Jahre 1871 waren es die Mühleninsel, das Hospitalland am kleinen Spreewehr, das Land mit der Metze (Bautzener Straße/Stadtring) und die Markgrafenmühle mit ihren Ländereien, die zu Cottbus kamen. Ein Jahr später zum 1. Januar 1872 erfolgte die Eingemeindung von Ostrow, Brunschwig am Berge und Brunschwig in der Gasse.

Sandow und das sogenannte Rittergut Brunschwig kamen erst 1904 zu Cottbus. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass die Südseite der einstigen Luisenstraße (In dem Artikel Cottbus früher und heute vom 23. Januar 2017 ist der Straßenname erklärt.) schon 1872 zu Cottbus kam, während die Nordseite der Straße noch bis 1904 zum Rittergut gehörte.

Sehr deutlich sieht man das an der unterschiedlichen Bebauung der Straßenseiten, deren Südseite mit stattlichen Mietshäusern bebaut wurde. Eines der ersten Häuserbauten dürfte die heutige Virchowstraße 9 sein, die der Missionsprediger Heinrich Batsch nach seiner Rückkehr nach über 25 Jahren Indienaufenthalt in den Jahren 1873/74 erbauen ließ.

Von seinen Erben wurde das Haus später an den Spediteur Otto Späth verkauft, an dessen Firma sich noch einige Cottbuser erinnern werden.

Inzwischen ist die ursprüngliche Grundstückseinfahrt zugebaut, das Haus erweitert und umgebaut worden. Es ist allerdings auf dieser Ansichtskarte nicht mehr zu sehen. Auf der linken Straßenseite ist zunächst das Eckhaus mit längerem Seitenflügel der Wallstraße 19 vom Töpfermeister Paul Kulke erkennbar, wir kennen das Haus inzwischen unter dem Namen "Foto-Winzer", auch wenn sich das Fotogeschäft inzwischen in anderen Händen und in der Bahnhofstraße 51 befindet. Nach einer Grundstückseinfahrt kam die Luisenstraße 1, ein Mietshaus mit Parterre, erster und zweiter Etage, das etwa 1893/94 von dem Ackerbürger Adolf Klaschke in Auftrag gegeben worden war.

Ausgerechnet dieses Haus ging in den letzten Kriegstagen im April 1945 in Flammen auf. Einige Jahre stand noch die Ruine, in der in einer Fensterhöhle ein Käuzchen seinen Schlafplatz fand. Eine kleine Sensation für die Kinder im Umfeld. Heute steht an dieser Stelle ein interessantes Architektenhaus. Die folgenden Häuser sind Nr. 2, um 1907/08 ebenfalls für Adolf Klaschke, Nr. 3 um 1896/97 für den Bauunternehmer August Waschnig, Nr.4 um 1897 ebenfalls für August Waschnig, Nr. 5 um 1895 für Dierbach, Nr. 6 um 1891 für Mattuschka, Nr. 7 für den Malermeister Max Wegehaupt und Nr. 8 um 1926/27 für den Bauunternehmer Max Pilan erbaut worden.

Auf der rechten Straßenseite ist das Giebelhaus der einstigen Wallstraße 20 zu sehen. Es gehört zur älteren Brunschwiger Bebauung und war bereits 1891 Eigentum des Böttchermeister Hermann Böttcher. Entlang der Luisenstraße zogen sich seine Werkstattgebäude hin. Um 1902 verkaufte die Witwe Böttcher das Anwesen an den Fleischermeister Gustav Bielitz. Seit dem gibt es in diesem Hause eine Fleischerei! Anfang der 1930er-Jahre übernahm der Fleischermeister Max Richter Haus und Geschäft. Seit 1968 ist Familie Speer, inzwischen in dritter Generation, als Fleischermeister in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße 20 für ihre Kunden da.

Natürlich sind inzwischen die Produktionsräume und auch das Geschäft den gestiegenen Ansprüchen gemäß umgebaut und modernisiert worden. Die Luisenstraße/Virchowstraße war immer eine "grüne" Straße. Zur Zeit der alten Postkarte waren es stattliche Birken, die Schatten spendeten. Heute sind es Baumhasel und nordamerikanische Amberbäume, die dieser Straße ein besonderes Gesicht geben.

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