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| 19:42 Uhr

Cottbus früher & heute
Stadtgeschichte aus Backsteinen

Der damalige Kaiser-Wilhelm-Platz wurde vor mehr als 100 Jahren von prägenden Bauten umrahmt.
Der damalige Kaiser-Wilhelm-Platz wurde vor mehr als 100 Jahren von prägenden Bauten umrahmt. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Stadthistorikern Dora Liersch erzählt die Geschichte der alten Feuerwache am Kaiser-Wilhelm-Platz anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora und Heinrich Liersch

Diese alte Ansichtskarte, die 1904 verschickt wurde, zeigt ein altes Stück von Cottbus zwischen der Altstadt und der Neustadt mit dem Blick auf den Schlossturm mit seiner gotisierenden Haube, dem hochstehenden Landgerichtsgebäude. Zu Füßen stehen die Reste der alten Bebauung rund um das nicht mehr vorhandene Mühlentor. Weiter nach rechts ist das 1903 in Betrieb genommene Elektrizitätswerk mit dem Schornstein zu sehen.

Davor stehen ein weiterer Schornstein und ein markantes Fabrikgebäude. Das war die Lohnfärberei von Emil Kronberg Kaiser-Wilhelm-Platz 40, an der Ecke zum Ostrower Damm. Diese einmalig schöne Fabrik, direkt am Mühlgraben war von dem Vorbesitzer Hermann Salm, der schon viele Jahre an dieser Stelle eine Färberei betrieb und immer wieder anbaute, endlich durch einen prächtigen Neubau, den der Architekt und Baumeister Ewald Schulz entwarf und baute, 1891/92 fertig gestellt. Der Färbereibesitzer verstarb bereits 1895 und die Witwe verpachtete zunächst die Färberei und verkaufte diese 1905 an den bisherigen Pächter Emil Kronberg. Bedauerlicherweise ist dieser Musterbau an Industriearchitektur zu DDR-Zeiten abgerissen worden. Ein Vergleichsfoto lässt sich heute nicht direkt machen, nicht nur weil das Färbereigebäude fehlt, sondern weil die inzwischen neu gepflanzten Linden die Sicht verdecken.

Die Grundstücke auf der linken Seite der Ansichtskarte gehörten zur Burgstraße, obwohl noch die Stadtmauer dazwischen stand. Ganz links sieht man ein besonderes Gebäude. Es ist das Spritzenhaus mit dem Steigerturm, heute wieder als Gemälde an der Wand des Parkhauses zu bewundern. Bevor es eine „richtige“ Feuerwehr in Cottbus gab, waren die Bürger verpflichtet, Brände zu bekämpfen. Dazu brauchte man auch Löschgeräte und Fahrzeuge und diese brauchten Unterstellmöglichkeiten. So wurde der Cottbuser Bau- und Maurermeister Friedrich Wilhelm Kahle von der Stadt beauftragt, ein Spritzenhaus am Neustädter Platz zu errichten. Man schrieb das Jahr 1837. So geht es aus den Rechnungen der Stadt- und Kämmereikasse hervor. Dieses Bauwerk stand also an der Stadtmauer. Als man einen Steigerturm benötigte, sowie mehr Platz für die Gerätschaften, bewilligte die Stadt nach längerem Zögern diese Bauten, inzwischen schrieb man das Jahr 1868. Wie weit das Kahlesche Spritzenhaus in die Bauten mit einbezogen wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls bekamen die Cottbuser Feuerwehrleute ihre erste Feuerwache aus Hartbrandziegeln mit einem in Fachwerkbauweise errichteten Steigerturm. Diese Anlage reichte für Jahrzehnte. Ein Feuerwehrdepot für den größer werdenden Fuhrpark, ein Rohziegelbau, wurde 1882/1883 auf dem städtischen Grundstück mit der Turnhalle in der damaligen Tumstraße, heute Friedrich-Ludwig-Jahn- Straße, erbaut.

Nach dem Bau der neuen Feuerwache mit Steigerturm in der Ewald-Haase-Straße, wurde der alte Steigerturm am Neustädterplatz 1931 abgerissen. Die weiteren Gebäude blieben aber erhalten und wurden weiter genutzt. Erst beim Abriss der alten Geräteschuppen 2002 kamen Teile der mitbenutzten Stadtmauer zum Vorschein. Seit 2017 erinnert ein Wandbild am Parkhaus an das Spritzenhaus mit dem ersten Steigerturm der Freiwilligen Turnerfeuerwehr.

Die Geschichte der weiteren lückenhaften Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern an dieser Seite des Neustädter Platzes wäre einen besonderen Artikel wert. Aber gibt es gerade von dieser Seite, vom Neustädter Tor bis zur Gertraudtenstraße eine ältere Ansichtskarte? Zuschriften an cottbus@lr-online.de

Der Schlossturm steht noch, die Feuerwehr links nicht mehr.
Der Schlossturm steht noch, die Feuerwehr links nicht mehr. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch