128 Seiten waren geplant. 156 Seiten umfasst der "Stog", den der Förderverein Heimatgeschichte herausgegeben hat. In deutscher Übersetzung bedeutet der wendische Titel Heuschober. Ein solcher schmückt auch das Titelblatt. Der Cottbuser Fotograf Gerd Rattei hat vor spreewaldtypischem Hintergrund die Kahnfährfrau Sieglinde Fischer beim Äpfelpflücken beobachtet. Auch bei der Buchpräsentation war die Lübbenerin in schmucker wendischer Arbeitstracht ein beliebtes Fotomotiv.

Unter dem Hochglanzcover sind 42 Beträge und 135 Abbildungen von 46 Text- und Bildautoren versammelt. Den Kalenderteil hat der Zahsower Fotograf Rudolf Fischer mit wunderschönen Tieraufnahmen illustriert. Der Hauptteil ist an Vielfalt kaum zu überbieten. Jubiläen wie "700 Jahre Ruben" oder "100 Jah re Bismarckturm" wurden ebenso thematisiert wie die 130-jährige Geschichte des Fotohauses Steffen oder "55 Jahre Junge Fotoreporter an der Oberschule Burg".

Über den Bismarckturm auf dem Burger Schlossberg hat Edeltraud Radochla allerhand Interessantes herausgefunden. So hatten rund um das Bauwerk des bekannten Jugendstil-Architekten Bruno Möhring während des Faschismus "Sonnenwendfeiern im Stile schein-germanischer Blut- und Boden-Ideologie" stattgefunden. 1944 erhielt der obere Treppenaufgang eine Artillerie-Beobachtungseinheit, und 1951 wurde das Bauwerk in Turm der Jugend umbenannt. Dass es noch heute zu einem Rundblick über den Spreewald einlädt, verdankt es engagierten Burger Handwerkern und Gewerbetreibenden, die wiederholte Abrisspläne vereitelten.

Mit der Briesener Kirche als vorreformatorischen Kirchenbau hat sich der in diesem Jahr verstorbene Theologe Reinhard Schötzig beschäftigt. Sein Vorschlag, die berühmten Malereien in der Kirche als "ein korrigierendes Update für das damalige turbulente Zeitgeschehen" zu verstehen, bietet jede Menge Gesprächsstoff.

Erinnert wird im "Stog" aber auch an den bekannten Volkskundler Willibald von Schulenburg sowie an den Buchhändler und Verleger aus Dissen, Roland Quos, dessen Todestag sich 2017 zum zehnten Male jährt.

Welche Auswirkungen der Ausbruch des Vulkans Tambora vor gut 200 Jahren auf die Menschen im kleinen Dorf Suschow bei Vetschau hatte, hat Bernd Marx recherchiert. Helmut Jentsch geht der Geschichte des Spreewälder Meerrettichs nach, und Evelyne Lungwitz hat die Ereignisse des Kriegsjahres 1917 im Wochenblatt für Lübbenau und Umgegend recherchiert.

Gleich zwei Beiträge sind der Spreewaldbahn gewidmet - eine spannende Lektüre nicht nur für Eisenbahnfans. Außerdem wird unter anderem an das Volks- und Trachtenfest in Vetschau im Jahr 1930 und an die Tradition der Sühnekreuze im Spreewald erinnert. Schließlich lassen die Autoren Kerstin Möbes und Stefan Staindl die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2015 zwischen Amt Burg, Lübbenau, Vetschau und Lübben Revue passieren. Alles in allem spannender Lesestoff für die länger werdenden Herbst- und Winterabende.

"Stog - Der Schober 2017", ISBN 978-3-938555-42-2, Preis: sechs Euro