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Ein Schimmer Hoffnung

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Ein Mann wird verraten und verhöhnt, gepeinigt und qualvoll zu Tode gebracht. Der morgige Karfreitag erinnert an eine Schreckenstat vor nunmehr fast zweitausend Jahren. Martin Herche, Generalsuperintendent im Sprengel Görlitz

Damals wurde Jesus, der von vielen Zeitgenossen verehrte Sohn eines Zimmermanns, auf Betreiben seiner Gegner gekreuzigt. Er hatte Aufmerksamkeit durch seine sehr unkonventionelle Art gefunden. Er begegnete seinen Mitmenschen mit großer Empathie, war ein Freund der Kinder und achtete auch die Menschen am Rande der Gesellschaft. Er tröstete und ermutigte und warb konsequent für ein friedliches Miteinander. Er konnte schweigen und offenbar fantastisch und mitreißend reden. Er nahm sich viel Zeit zum Gebet und konnte bei anderen die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben wecken. Und wenn er von Gott sprach, dann zeigte das eine ungeheure Wirkung. Er war wie ein helles Licht am Horizont der zukünftigen Welt, in der es kein Leid und keine Tränen, keine Gewalt und keinen Tod mehr gibt. Und dann nimmt er den Weg ans Kreuz als seine Bestimmung an - und stirbt. Im besten Alter. Der von vielen geliebte und verehrte Hoffnungsträger!

Es haben sich seitdem viele gefragt: Warum? So, wie wir wohl immer fragen, wenn Unfassbares geschieht. Ich frage das auch. Die Antwort, die mir am meisten einleuchtet, heißt: damit uns noch etwas bleibt in dieser Welt der Tränen, wenigsten ein Schimmer Hoffnung, wenn die Grenze des Zumutbaren überschritten ist und uns die Abgründe menschlicher Gemeinheit, der Tod und das Nichts begegnen. Ich glaube, dieser Hoffnungsschimmer fällt von Ostern her auf das Kreuz Jesu und alles Leid der Welt.