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| 19:06 Uhr

Cottbus früher und heute
Ein schickes Dach über dem Kopf für die Cottbuser Turner

Die Städtische Turnhalle bot einst den Turnern in der Stadt ein Dach über dem Kopf. Das auffällige Gebäude steht an der Zimmerstraße.
Die Städtische Turnhalle bot einst den Turnern in der Stadt ein Dach über dem Kopf. Das auffällige Gebäude steht an der Zimmerstraße. FOTO: Hans Krause
Cottbus. Stadthistorikern Dora Liersch erzählt die Geschichte der Städtischen Turnhalle Cottbus anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora und Heinrich Liersch

Der Direktor der städtischen Knabenmittelschule, Paul Benno Hüttig (1832 – 1887), war ein

begeisteter Turner und gleichzeitig der Turnwart des TVC 1861. Den Sommer über konnten die Turner im Freien auf genehmigten Plätzen ihre Turngeräte aufbauen und ihre Turnübungen machen. Schwieriger war es aber im Winter.

Der Besitzer des Schießhauses, des Schützenhauses in Sandow, konnte zeitweise Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Das befriedigte aber nicht, zumal für die Schüler des Gymnasiums, bei denen bereits Turnen als Unterrichtsfach genehmigt war, nur sogenannte Vorturner zu den Übungsstunden in das Schützenhaus gehen durften. Sie hatten später die Aufgabe, ihren Mitschülern die erlernten Turnübungen vorzuturnen.

Auch heute noch zieht die Halle die Blicke der Passanten auf sich.
Auch heute noch zieht die Halle die Blicke der Passanten auf sich. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch

An den Cottbuser Schulen gab es keine Turnhallen. Selbst als 1865 bis 1867 das neue Gymnasium an der damaligen Promenade erbaut wurde, war der Bau einer dazugehörigen Turnhalle von der Stadt abgelehnt, beziehungsweise auf später verschoben worden.

Wie wir heute wissen, ist dieses Später nie gefolgt. Doch genehmigten die städtischen Behörden wenige Jahre darauf einen Turnhallenbau nach den damaligen geltenden preußischen Vorschriften auf einem Grundstück gegenüber dem Zimmermeister Carl Sirnon an der Zimmerstraße.

Der Entwurf wurde im städtischen Bauamt gefertigt. Der Cottbuser Maurermeister Carl August Ackermann und der Ratszimmermeister Grünenthai erhielten die Leitung für den Turnhallenbau. Am 7. Mai 1873 fand die feierliche Übergabe der städtischen Turnhalle statt.

Außer den Schülern des Gymnasiums turnten in der schlichten Halle mit einem Fußboden aus mit Holzspänen aufgefülltem Lehmstampfboden auch die Turner des TVC 1861. Nutzer der Halle waren besonders die Turner der Feuerwehr und der später gegründete „Arbeiterturverein“. Die Straße vor der Turnhalle erhielt den Namen Turnstraße – heute Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße. (Der Besitzer des Schützenhauses ließ sein Turnhallengebäude, da es nicht mehr gebraucht wurde, zu einem Wohnhaus umbauen.)

In den Jahren 1883/1884 erfolgte für die Cottbuser Feuerwehr der Bau einer zweiten Wache auf dem Grundstück der Turnhalle. Es ist ein Rohziegelbau mit flachem Dach, das im rechten Winkel zur Turnhalle mit der Schmalseite zur Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße steht und am westlichen Ende eine Aufstockung für eine Wohnung hat.

Als 1888 für alle Schulkinder in den Gemeinde- und Volksschulen Turnen als Unterrichtsfach eingeführt wurde, reichte die Turnhalle nicht mehr aus. So wurde eine gleiche Turnhalle in den Jahren 1889/1890 spiegelgleich an das vorhandene Gebäude angebaut. Geschickt wurden dabei die Formsteinelemente des älteren Turnhallenteils nun bei dem Anbau Richtung Norden mit eingesetzt.

Beide Gebäude sind mit einem gemeinsamen Segmentbogengiebel zusammengefügt. Es ist schon schwierig, festzustellen welches der ältere und welches der jüngere Gebäudeteil ist.

Der große Hof vor der Turnhalle wurde natürlich ebenfalls zum Turnen, für Leichtathletik und für Ballspiele genutzt. Der gesamte Gebäudekomplex wurde in den Jahren 2003/2004 saniert. Die ehemalige Feuerwache und die Turnhalle wurden dabei mit einem Funktionsgebäude verbunden. Die neu gestaltete Freifläche ist natürlich auch wieder für Ballspiele gedacht. Ein hoher Schutzzaun verhindert nun, dass ein Ball auf die Straße fallen kann. Eine niedrige Mauer, ebenfalls ziegelsichtig, und dahinter eine grüne Hecke geben dem Ganzen ein gefälliges Aussehen.