In dem Buch "Cottbus 1914 bis 1936, Aus dem Entwicklungsgang einer deutschen Mittelstadt" schreibt der Verfasser Robert Kalwa zu den "Städtischen Werken Cottbus": "Das Gaswerk besaß bis 1911 volle Selbstständigkeit und wurde nach dem Tode seines Leiters, Direktor Schneider, dem Leiter des städtischen Elektrizitätswerkes, Direktor Engels, mit unterstellt, das Diensträume im eigenen Betriebsgebäude hatte. Die Verwaltung des mit dem Kanalwerk unter der Bezeichnung Gesundheitswerk zusammengeschlossenen und gemeinsam verwalteten Wasserwerks (Direktor Frömling) war anderweitig (1897 bis 1906 am Gerichtsplatz 3, 1906 bis 1914 in der Sandower Straße 50) untergebracht."

Die Cottbuser Stadtverordnetenversammlung plante deshalb bereits im Jahr 1912 auf dem Grundstück des Gaswerks in der Berliner Straße das vorhandene kleine Verwaltungsgebäude umzubauen und mit einem Erweiterungsbau zu vergrößern. Stadtbaurat Johannes Boldt und das Stadtbauamt lieferten den Entwurf für das Gebäude und sorgten für die Ausführung des Baues. So entstand in den Jahren 1913/1914 das große Haus Berliner Straße 27 als "Verwaltung der Städtischen Werke".

Der Haupteingang befand sich an der Straßenseite. Ihn schmückte rechts und links der Tür je ein polygonaler Wandpfeiler mit Laterne. Die Türüberdachung bildete ein plastischer Korb mit Früchten umgeben von Ranken. Sehr sparsam war die Fassade mit floralen Elementen geschmückt worden. Das galt nicht nur für die Straßenansicht, sondern auch für die übrigen Gebäudeseiten.

Die historischen Ansichtskarte entstand vor 1930. Danach wurde der Eingangsbereich umgebaut. Die Wandpfeiler mit den Laternen wurden durch Rundpfeiler ersetzt. Auch der Fruchtkorb verschwand. Dafür wurde eine hervorstehende Platte auf die Rundpfeiler gelegt, die dem Eingangsbereich mehr Schutz bot. Zwischenzeitlich war der Haupteingang verlegt worden.

Das Gebäude ist auch heute noch - trotz Anbau an der Westseite - ein das Straßenbild prägendes Bauwerk. In den Jahren 1999/2000 ist das Haus komplett zu Bürozwecken umgebaut worden. Erhalten geblieben ist im Inneren die Treppenanlage aus der der Erbauungszeit. Die Stadtwerke Cottbus haben ihren Sitz heute in der Karl-Liebknecht-Straße 130.