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Wendisches Leben in der Lausitz
Ein neuer Schatz fürs Wendische Museum

Dieter Schwela blättert gemeinsam mit Christina Kliem vom Wendischen Museum durch ein Album voller Fotografien und Dokumente von Gotthold Schwela. Im Vordergrund liegt sein Porträtbild von Maler Fritz Lattke.  
Dieter Schwela blättert gemeinsam mit Christina Kliem vom Wendischen Museum durch ein Album voller Fotografien und Dokumente von Gotthold Schwela. Im Vordergrund liegt sein Porträtbild von Maler Fritz Lattke.   FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Dieter Schwela übergibt dem Wendischen Museum zahlreiche Fotografien und Dokumente aus dem Nachlass seines Großvaters - dem einflussreichen wendischen Pfarrer und Sprachforscher Gotthold Schwela.

Christina Kliem hängt an den Lippen von Dieter Schwela. Der Essener Physiker hat sein ganzes Leben dem Umweltschutz gewidmet, arbeitete zuletzt für die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen und die Europäische Union. Er ist ein spannender Gesprächspartner über die Zukunft. Doch nach Cottbus hat ihn die Vergangenheit geführt. Er ist der Enkelsohn von Gott­hold Schwela, dem bedeutenden wendischen Pfarrer, Sprachforscher und Volkskundler. Am Montag überreicht er der Kuratorin des Wendischen Museums ein dickes Album. Darin stecken Fotografien und Dokumente. Zu jedem einzelnen teilt der 76-Jährige seine Erinnerungen, hat Zahlen und Namen parat.

Christina Kliem ist sichtlich glücklich. „Museen leben von Originalen. Deshalb ist das ein großer Schatz“, sagt sie. Mit der Schenkung an das Cottbuser Museum sichert Dieter Schwela, dass der Nachlass seines Großvaters der Öffentlichkeit zugänglich bleibt und nicht im Privaten verschwindet und dort möglicherweise sogar in Vergessenheit gerät. Denn während sein Vater Martin Schwela noch Wendisch sprach, lernte Dieter Schwela die Sprache nicht mehr. Die Familie verschlug es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Nordrhein-Westfalen. Damals war Dieter Schwela selbst noch ein Kind. „Meine Kinder und Enkelkinder haben gar keine Beziehung zum Wendischen“, sagt Dieter Schwela.

Er hat seinen Großvater nur zweimal in seinem Leben getroffen. „Damals besuchte er uns in Lippstadt“, erinnert er sich. „Er war ein sehr gütiger und sehr weiser Mann.“ Seinen Enkel Dieter bedachte Gotthold Schwela mit liebevoll geschriebenen Postkarten. Auch diese finden sich in der Sammlung, die nun in Cottbus ein neues Zuhause findet.

Kuratorin Christina Kliem ist sich sicher, dass die neuen Dokumente die Forschung bereichern werden. In dem Album findet sich unter anderem die Kopie eines Schreibens des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung aus dem Jahr 1940. Darin ist von der „endgültigen Lösung des Wendenproblems“ die Rede. Demnach sollten einflussreiche Wenden - also Lehrer und Pfarrer – nach Westdeutschland umgesiedelt werden. „Für meinen Großvater war das das Ende. Er zog sich zurück, durfte nicht mehr predigen.“ Kuratorin Kliem ergänzt: „Das Original liegt in Potsdam im Archiv. Viele Menschen glauben nicht, dass das tatsächlich so geschrieben steht. Es ist ein aufschlussreiches Dokument.“

2018 jährt sich der Tod von Gott-hold Schwela zum 70. Mal. Dazu plant das Sorbische Institut im Mai eine Schwela-Konferenz. Den Termin schreibt sich der Enkelsohn gleich in seinen Kalender. Und er macht Christina Kliem Hoffnung: „Die Dokumente habe ich aus vielen Kisten und Kartons zusammengetragen. Ich habe noch nicht den gesamten Nachlass durchgeschaut. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich noch Einiges finden wird.“

Ein Porträt des Großvaters von Maler Fritz Lattke hat Dieter Schwela dem Museum bereits im vergangenen Jahr überlassen. Es wird in der neuen Dauerausstellung seinen Platz finden, versichert die Kuratorin Christina Kliem. 

Zur Schenkung gehört Schwelas Führerschein, ausgestellt 1911 in Weißwasser.
Zur Schenkung gehört Schwelas Führerschein, ausgestellt 1911 in Weißwasser. FOTO: Peggy Kompalla / LR