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Ein neuer Ehrenbürger für Peitz

Hans-Wilhelm Blume trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Peitz ein.
Hans-Wilhelm Blume trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Peitz ein. FOTO: Marion Hirche/jul1
Peitz. Peitz hat einen neuen Ehrenbürger. Es ist erst der zweite nach 1945. Diese höchste Auszeichnung für einen Bewohner der Fischer- und Festungsstadt erhielt jetzt Hans-Wilhelm Blume. Der Senior wird heute 90 Jahre alt und gilt als Vater des Fischerfestes. Marion Hirche / jul1

Bei der Feierstunde war der Jubilar völlig überrascht: "Meine Tochter hat mich zu einem Ausflug eingeladen", erzählte er. Sichtlich gerührt fügte er an: "Diese hohe Ehrung macht mich stolz." Der Peitzer und neue Ehrenbürger schrieb sich aus diesem Anlass ins Goldene Buch der Stadt ein.

Den Ehrenbürger-Titel erhält er auf Initiative des Peitzer Fischerfestvereins und der Schützengilde Peitz. Dem wollte auch das Stadtparlament nicht widersprechen. Am 14. September sprachen sie sich einstimmig für diese Ehrung aus.

Bürgermeister Jörg Krakow (SPD) skizzierte in der musikalisch von Kantor Dietmar Schoene umrahmten Feierstunde im Peitzer Rathaus das Leben des in Oberschlesien geborenen Hans-Wilhelm Blume. Vater und Großvater hatten ihn schon in der Kindheit mit dem Fischerberuf vertraut gemacht. Als halbes Kind zog er mit 16 Jahren als Flakhelfer in den Krieg. Vier Jahre später kehrte er aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Seine Eltern waren da schon in Rietschen zu Hause.

Hans-Wilhelm Blume begann die Fischerausbildung in Königswartha, die er im Jahr 1951 abschloss. Bereits zwei Jahre später übernahm er die Betriebsleitung des VEB Binnenfischerei Peitz. In den Folgejahren qualifizierte sich der Neu-Peitzer zum Fischzuchtmeister und Fischzuchtingenieur. Zusammen mit Professor Wilhelm Schäperclaus revolutionierte er die Fischzucht. Er sanierte die Peitzer Teichflächen, führte die Nutzung von Warmwasserbecken am Kraftwerk ein und ist für zahlreiche Arbeitserleichterungen für seine Mitarbeiter und Neuerungen in der Entenmast verantwortlich. Hans-Wilhelm Blume machte nicht nur Karriere im Fischereibetrieb, dem er bis zur Rente treu blieb. Er setzte sich auch für seine neue Heimatstadt ein.

Zusammen mit dem damaligen Bürgermeister von Peitz, Kurt Knobloch, initiierte er im Jahr 1954 das erste Fischerfest. Seine Ideen, wie der Fischzug, das Angeln im Volkspark und der Fischmarkt sind bis heute wichtige Bestandteile des weit über die Region bekannten Festes.

Hans-Wilhelm Blume erinnerte sich: "Die schlimmsten vier Jahre meines Lebens, die Kriegsgefangenschaft, haben mein Leben geprägt. Als ich danach hierher kam, war ich beseelt von dem Gedanken, so viel wie nur möglich gegen Hunger und Krieg zu tun. Ich wusste, wie man Lebensmittel produziert. Deshalb habe ich meine Arbeit mit voller Energie verrichtet. Ich bin stolz darauf, dass es meinen Mitarbeitern gut ging. Und ich finde es gut, dass wir mit dem Fisch und dem Fest nicht nur national, sondern auch international Aufmerksamkeit erzielt haben." So seien etwa der Besitzer der größten Entenfarm aus den USA in Peitz zu Gast gewesen und der ungarische Fischsuppen-Kochmeister. Bescheiden wie immer bedankte sich Hans-Wilhelm Blume mit warmen Worten: "Ohne Euch hätte ich das alles nicht geschafft. Vor allem meiner Frau Vera sage ich danke." Nach der Zeremonie schüttelten viele seine Hand. Den meisten war die große Emotionalität anzumerken.

Heute wird es Hans-Wilhelm Blume ähnlich gehen, schließlich feiert er seinen 90. Geburtstag. Ein unbezahlbares Geschenk hat ihm seine Heimatstadt bereits gemacht.