Ralph Bogacz ist Klassenlehrer der 6a an der Christoph-Kolumbus-Grundschule in Sandow. Seit vielen Jahren betreut er die Klasse und hat mit den Kindern immer wieder Begegnungen mit Stadtgeschichte organisiert. Mal hat er mit den Kindern die Altstadt erforscht, dann wieder Kontakte zum Seniorenverband geknüpft und Zeitzeugenaussagen des Bombenangriffs vom 15. Februar 1945 untersucht. Besonders folgenreich war offenbar die Auseinandersetzung mit eben diesen Zeitzeugenberichten. Ralph Bogacz: "Wir konnten genau vor einem Jahr als erste Schulkasse überhaupt das damals noch in der Entwicklung befindliche Stadtmuseum besuchen und im Nachbau eines Luftschutzkellers arbeiten." Der Besuch damals hat den Kindern dermaßen gut gefallen, dass sie eine Wiederholung einforderten. Jetzt war Bogacz, inzwischen Mathelehrer der Klasse, wieder mit den Kindern im Museum -und wieder hat der Besuch tiefen Eindruck auf die Kinder gemacht. Der RUNDSCHAU haben die Sechstklässler, alle zwischen 11 und 12 Jahre alt, erzählt, was sie im Stadtmuseum erlebt haben.

Florian hatte die Aufgabe, im ersten Stock des Museums einen Luftschutzhelm zu finden. "Ich musste schon sehr genau gucken, um ihn zu finden. Anhand der Stichworte auf den Vitrinen musste ich dann das Wichtigste über diesen Helm aufschreiben und später meinen Mitschülern erklären." Mit seinem Großvater hatte er bereits über den Krieg gesprochen und brachte einiges an Vorwissen mit.

Luca sollte in eine gänzlich andere Zeit eintauchen: Seine Aufgabe war es, Informationen über einen Mammutknochen zu sammeln. "Es ging um einen Oberschenkelknochen, der im früheren Tagebaugebiet von Jänschwalde gefunden wurde. Der Knochen ist etwa 10 000 Jahre alt, war aber längst nicht der einzige Fund aus dieser Zeit."

Emely hatte eine besonders schwere Aufgabe, bekam neben einem Foto noch ein paar weitere Angaben, die ihr helfen sollten, eine Schleife aus dem Stoff "Präsent 20" aufzuspüren. "Der Stoff war sogar ganz hübsch", sagt sie. "Unser Lehrer hat uns erzählt, dass sein Jugendweihe-Anzug aus diesem Stoff geschneidert war, das hat uns allen gefallen."

Celine und Vivien durften gemeinsam den Cottbuser Mohrenköpfen nachspüren. Sie erinnern an den großen Stadtbrand von 1671, der in der Klosterstraße zum Stehen gekommen ist. Beide waren begeistert. "Es war toll, so viele Dinge von früher zu sehen, die wir noch nicht kannten", sagt Celine. Und Vivien ergänzt: "Ich würde gern mal mit meiner Familie ins Museum gehen und an meiner Station erklären, was wir alles herausgefunden haben."

Genau das ist es, was Lehrer Ralph Bogacz und Museumspädagoge Robert Büschel mit Projekten wie diesem erreichen wollen. "Die Kinder sehen ihre Stadt plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel, erfahren Details aus den unterschiedlichen Jahrhunderten und kommen mit ihren Familien darüber ins Gespräch."