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| 14:12 Uhr

Bierfest in Cottbus
Ein Jahr Labieratorium Cottbus

Feierstimmung beim 1. Brauereifest des Cottbuser Labieratoriums: Drei Bands sorgten auf der Bühne für Stimmung: Michas Spaß- und Blasmusik aus Cottbus, danach Strongbow mit Musikern aus Dresden und Leipzig (Foto) und am Abend dann als Lokalmatadoren die Band F.B.I. (Frei Bier Ideologen). „Regionalität ist unser Konzept“, sagte Anja Braun, Geschäftsführerin der Labieratorium GmbH. „Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz der Besucher.“
Feierstimmung beim 1. Brauereifest des Cottbuser Labieratoriums: Drei Bands sorgten auf der Bühne für Stimmung: Michas Spaß- und Blasmusik aus Cottbus, danach Strongbow mit Musikern aus Dresden und Leipzig (Foto) und am Abend dann als Lokalmatadoren die Band F.B.I. (Frei Bier Ideologen). „Regionalität ist unser Konzept“, sagte Anja Braun, Geschäftsführerin der Labieratorium GmbH. „Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz der Besucher.“ FOTO: Ingrid Hoberg
Cottbus. Anja Braun und Olaf Wirths haben die Tradition des Bierbrauens nach Cottbus zurückgebracht – mit eigenem Stil und vier internationalen Preisen. Von Beate Möschl

Zum einjährigen Bestehen der Brauerei haben am Samstag beim 1. Brauerei-Fest Fans aus nah und fern auf die neue, kreative und ausgesprochen kommunikative Bierseele der Stadt angestoßen. Dafür haben sich die waschechte Cottbuserin Anja Braun, die einst in der Kohle gelernt, Jura studiert und als Kommunikationstrainerin gearbeitet hat, und der Wahl-Cottbuser Olaf Wirths ordentlich ins Zeug gelegt: Sie gründeten 2015 ihre eigene Firma, das Labieratorium, und eröffneten die Bierbar „Labyrinth“. Sie absolvierten zertifizierte Lehrgänge und sind inzwischen gefragte Bier-Sommelière. Seit Sommer 2017 brauen sie in Cottbus Bier – mit Charakter. Acht Arbeitsplätze sichert ihr Engagement. In fünf Jahren wollen sie die Gewinnschwelle (Break-Even-Point) erreichen, also erstmals Kosten und Erlös in der Waage halten.

„Unsere Anlage ist derzeit für 2400 Hektoliter Jahresproduktion ausgelegt. Wir rechnen damit, bis Ende 2018 50 Prozent Auslastung zu erreichen. Im Moment liegen wir knapp darunter, aber es kommt ja auch noch Weihnachten, und wir hoffen, dass die regionale Anerkennung weiter steigt“, sagt Olaf Wirths. „Wir werden national gut anerkannt, haben internationale Craft-Bier-Preise gewonnen für vier Biere aus hauseigener Produktion, als einzige Brauerei im Land Brandenburg. Da wundert es uns schon, dass wir in Cottbus nicht eingeladen wurden zu öffentlichen Veranstaltungen. So stand in diesem Jahr beim Jahresempfang der Stadt Cottbus unser Cottbuser Bier nicht mit auf dem Tisch. Das ist schade. Für Cottbus. Zumal die Biersteuer eine Landessteuer ist. Sie fließt dorthin, wo die Brauerei ihren Sitz hat“, sagt Anja Braun. So sind neben der Liebe zum handwerklich gebrauten Bier nach individuellen Rezepturen und mit eigenständigem Geschmacksprofil (typische Craft-Biere) vor allem die Anerkennung rundherum und die Auszeichnungen Ansporn, aus dem sie immer wieder Energie und neue Ideen schöpfen. „Craft-, Keller- und Landbiere sind die einzigen, die kräftig zulegen beim bundesweiten Bierabsatz“, berichtet Olaf Wirths. Und dazu tragen auch die inzwischen 17 verschiedenen Kreationen aus Cottbus bei. „Immer im Angebot sind unser Cottbuser Pils, das Rotbier und das Hell, und im Brauhaus reifen schon die nächsten neuen Kreationen heran.“

Die preisgekrönte Kreativität der Cottbuser hat Folgen: Anja Braun ist als Richterin eingeladen, in die Jury des „World Beer Award 2018“ und wird schon morgen, am 3. Juli, in Hamburg ihre Wertung abgeben für in Deutschland gebraute Biere. Die World Beer Awards sind die globalen Auszeichnungen für die besten international anerkannten Biersorten. Die Stil- und Landesgewinner sowie alle Medaillengewinner werden nach der Endrunde in London am 15. August vorgestellt. „Für so eine Aufgabe kann man sich nicht bewerben, dazu wird man eingeladen. Das ist eine ganz besondere Anerkennung“, sagt sie stolz.

Klar im Geschmacks- und Wissensvorteil sind unterdessen die Cottbuser, die sich längst auf die ureigenen Bierstile des Labieratoriums eingelassen haben. Einige gehören schon zu den Stammkunden. „Für das Gladhouse brauen wir eine eigene Haus-Marke. Das Sorat-Hotel hat uns von Anfang an unterstützt. Auch der Kreis der Gastwirte, die unsere Biere anbieten, wächst. Und wir haben Glück, dass wir in Cottbus aufgeschlossene Einzelhändler haben, die Wert auf regionale Produkte und Frische legen. Dadurch sind wir auch bei Rewe, Edeka und Marktkauf zu finden“, so Olaf Wirths.

Auch weit über den regionalen Markt hinaus sind die Labieratorium-Spezialitäten begehrt. „Wir liefern nach Berlin, Dresden, Leipzig, in die urbanen Zentren in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Wir exportieren nach Österreich. Auch mit polnischen Brauern sind wir im Gespräch. Die Aufgeschlossenheit im Osten ist groß. Das macht natürlich auch Spaß“, berichtet Olaf Wirths und sagt: „Wir machen das hier aus Überzeugung. Wir glauben an die Chance des Neu-Erfindens der Region. Das Potenzial ist groß. Wenn nicht mit den Institutionen, dann machen wir es mit den Menschen. Lassen Sie uns drüber reden, beim Bier.