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| 18:17 Uhr

Erinnerungen
Ein Leben in drei Teilen

„Heimkehrer“ Gundolf Pahn berichtet in der Drewitzer Kirche über sein Leben.
„Heimkehrer“ Gundolf Pahn berichtet in der Drewitzer Kirche über sein Leben. FOTO: Georg Zielonkowski
Drewitz. Gundolf Pahn erzählt in Drewitz über seine Arbeit als Professor, als Ingenieur und als Vize-Präsident des FC Energie.

Zum dritten Mal hatte Pfarrer Ingolf Kschenka in die Drewitzer Dorfkirche geladen, um einen früheren Einwohner des Ortes vorzustellen, der nach seinen Kindertagen erfolgreich „in die Welt“ hinauszog. So kam am Samstag der inzwischen in Klein Gaglow lebende Prof. em. Dr.-Ing Gundolf Pahn an den Ort seiner Kindheit, um dort den erschienenen Besuchern über die drei wesentlichen Teile seines jetzt 65 Jahre währenden Lebens zu berichten.

So erfuhren die Zuhörer, dass der Wissenschaftler an den Cottbuser Hochschulen (HfB, FHL, BTU) nicht nur 32 Jahre lang Bau-Ingenieure ausgebildet hat, sondern in der Einrichtung auch vier Jahre lang als Dekan gewirkt hat. „Einer groben Rechnung zufolge, denke ich schon, dass es sogar 2000 Menschen gewesen sein müssten, die ich begleiten durfte“, sagt Pahn, der sein berufliches Leben an der Cottbuser Ingenieur-Hochschule begonnen hatte und dort auch promovierte.

Gespannt lauschte das Vortrags-Publikum auch Pahns Ausführungen zu den Planungsaufgaben, die er als Leiter seines 1990 gegründeten Ingenieurbüros zu erledigen hatte. Unbekannt war bis dahin den meisten Gästen geblieben, dass es das Pahn-Büro war, das die Statik für das Cottbuser Vorzeigebauwerk, das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum an der BTU-Cottbus IKMZ, berechnet hatte. „Mit meinen Mitarbeitern bin ich damals mehrfach zu den beiden weltweit bekannten Architekten des Gebäudes, Jaques Herzog und Pierre de Meuron in die Schweiz geflogen, um dort Absprachen zu treffen,“ erinnert Gundolf Pahn an die späten 90er Jahre. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung zeigte sich Prof. Pahn besonders darüber erfreut, dass die Zukunft des Büros bei seinen Söhnen Prof. Dr. Ing Matthias Pahn und Dr. Ing. Thomas Pahn in guten und fähigen Händen liegt.

Von den Zuhörern mit besonderer Spannung erwartet waren die Ausführungen zu den Lebensjahren, in denen Hobbyfußballer Gundolf Pahn dem Präsidium des FC Energie Cottbus angehörte. Beginnend 2001 war er 15 Jahre Mitglied des FCE-Präsidiums, nachdem er Jahre zuvor die Leitung des „Energieclub 90“ inne hatte. Interna zum Thema Energie Cottbus mochte er nicht ausplaudern, manch lustige Anekdote dagegen schon. So sprach er von der China-Reise 2007. Die Initiative ging vom DFB aus, doch China hatte ausdrücklich den FC Energie angefordert, weil Nationalheld Jiayi Shao hier unter Vertrag stand. „So flogen wir also mit 40 Leuten, einschließlich einiger DFB-Köpfe dorthin. Die Resultate, ein 1:1 und ein 2:0-Sieg waren ok, aber beinahe nebensächlich. Die ganze chinesische Welt war uns allen neu, so auch die landestypischen Gewohnheiten. Als uns unser Shao zu einem Essen eingeladen hatte, nahmen wir an runden Zehnertischen Platz, auf denen in der Mitte in drehbarer Teller die einzelnen Köstlichkeiten präsentierte. Auch ein Frosch lag da zum Verzehr parat. Am Spielertisch haben sich die Jungs einen Spaß gemacht und dem Flaschendrehen gleich den Frosch samt Tischplatte gedreht. Derjenige, vor dem das Tier zu liegen kam, musste den Frosch essen. Tapfer hat ‚Thiele’ (Ronny Thielemann) die Tortur ertragen, natürlich unter dem Gebrüll seiner Teamkollegen.“ Im Gedächtnis ist dem damaligen Vizepräsidenten des FCE auch geblieben, dass für einige DFB-Verantwortliche das Wichtigste war, beim Shopping Markenwaren günstig einzukaufen.

In seinem Vortrag machte Pahn sehr deutlich, dass neben derartigen Höhepunkten und dem Fußball an sich ca. 90 Prozent der Präsidiumssitzungen vom harten Tagesgeschäft geprägt waren, die nichts mit dem Geschehen auf dem Rasen zu tun hatten. Es waren Probleme zu lösen wie der Umgang mit den Finanzen, der Nachwuchsarbeit, den Fans, den Mitgliedern, Personalfragen, Umgang mit den Medien und der Politik, Personalfragen, Rechtsstreitigkeiten, oder auch der Traditionspflege. Diese Aussagen riefen doch Erstaunen hervor, weil dies in Öffentlichkeit so nicht wahrgenommen wird.