| 02:33 Uhr

Ein großes Projekt für die Zeit nach der Kohle

Cottbus. In Deutschland machen sich etliche Städte warm, um sich als Europäische Kulturhauptstadt 2025 zu bewerben. Dann ist Deutschland wieder an der Reihe, eine Stadt zu benennen. Bodo Baumert

Warum hat eigentlich noch niemand Cottbus vorgeschlagen?

Mindestens neun Städte haben bereits Interesse daran bekundet, 2025 für Deutschland anzutreten. Das geht aus einer dpa-Umfrage hervor. Unter anderem wollen sich Nürnberg, Dresden, Chemnitz, Magdeburg, Halle an der Saale und Hannover bewerben. Warum nicht auch Cottbus?

Der Zeitpunkt dafür ist doch ideal. Die Lausitz befindet sich mitten im Strukturwandel. Es braucht ein großes Projekt für die Zeit nach der Kohle. 2025 wird der Ausstieg noch nicht abgeschlossen, aber mitten im Gange sein. Das Ruhrgebiet könnte als großes Vorbild dienen. 2010 hat die Region mit Essen als Kulturhauptstadt unter dem Motto "Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel" spektakulär gezeigt, wie sich Strukturwandel und Kultur verbinden lassen.

Das kann die Lausitz auch. Die Cottbuser Kulturszene ist verglichen mit der Größe der Stadt reich und vielschichtig. Staatstheater, Kunstmuseum dkw, dazu die zahlreichen Angebote im weiteren Umfeld bis zum Amphitheater in Großkoschen bei Senftenberg. Die Landschaft ist mit dem wachsenden Seenland, dem Parkverbund und den Tagebaufolgelandschaften spektakulär. Auch die Internationale Naturausstellung (INA) in der Lieberoser Heide könnte dazu passen. Zudem kann die Region auf das Erbe der Internationalen Bauausstellung (IBA) zurückgreifen und die Verbindung von Technik und Kultur beispielhaft aufzeigen.

Ist Cottbus zu klein für eine europäische Kulturhauptstadt? Nein. Da reicht ein kurzer Blick auf andere Städte. Paphos auf Zypern, im kommenden Europäische Kulturhauptstadt, hat gerade ein Drittel der Einwohner. Leeuwarden in Holland (2018) ist genau so groß wie Cottbus. Weimar war 1999 kleiner, Pilsen (Tschechien) und Mons (Belgien) 2015 nicht viel größer.

2025 wäre die Chance für die Lausitz. 2018 soll das nationale Auswahlverfahren beginnen. Federführend ist die Kultusministerkonferenz. Da sitzen Bundes- und Länderregierungen drin. Auf die kann die Lausitz jetzt Druck machen. Nach dem Motto: Wenn ihr die Energiewende wollt und uns die Tagebaue dafür dichtmacht, gebt uns im Ausgleich was dafür. Hilfe hat die Bundesregierung ja schon zugesagt. Hier könnte sie eine gewähren, die nicht teuer wird. Das machen Politiker besonders gerne.

Europäische Kulturhauptstadt waren aus Deutschland bislang 2010 Essen mit dem Ruhrgebiet, 1999 Weimar und 1988 Berlin. In dieser Reihe könnte Cottbus gut stehen. Bleibt die Frage, ob es die Lausitz schafft, rechtzeitig eine Bewerbung aufzustellen, die der Konkurrenz gewachsen ist. Magdeburg und Dresden sind weiter, haben schon eigene Büros ins Leben gerufen. Andere wie Halle fällen gerade Stadtratsbeschlüsse.

In Deutschland hat die Kultusministerkonferenz Anfang Juni die Grundzüge des nationalen Auswahlverfahrens festgelegt. Ende 2018 soll die öffentliche Ausschreibung beginnen. Die Bewerbungsphase soll mindestens zehn Monate dauern. Die erste Auswahlsitzung der zwölfköpfigen europäischen Jury soll 2019 einige Städte aussortieren. Die abschließende Auswahlrunde soll es 2020 geben.

Die Lausitz könnte also noch auf den Zug aufspringen. Und selbst wenn's nicht klappt, könnte man auf die Erfahrungen aufbauen und beim nächsten Mal wieder ins Rennen gehen. Irgendwann um das Jahr 2040 wäre Deutschland wieder dran.