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| 17:42 Uhr

Ewig verheiratet
Ein Geheimnis, das gar keines ist

Cottbus. „Irgendwas mit Liebe“ lautet der Titel der neuen Serie der RUNDSCHAU-Volontäre. Ausgefallen, konservativ, anders? Facetten der Liebe stehen im Fokus. Der vierte Teil steht unter dem Vorzeichen „Ewig verheiratet“. Dazu hat Jenny Theiler Ingrid und Dieter Konnopka nach dem Erfolgsrezept für eine glückliche Ehe befragt, denn die beiden feiern am heutigen 13. September die Diamantene Hochzeit.

In der Ströbitzer Gartenanlage „Frischer Wind“ ist in den Sommermonaten auch am Vormittag schon einiges los. Hier haben auch Ingrid (82) und Dieter Konnopka (81) ihren Garten. Seit den frühen 70er-Jahren genießt das Ehepaar die Gartenroutine und arbeitet noch immer fleißig an Blumen- und Gemüsebeeten. „Wenn man seinen Garten genießen will, muss man eben auch einiges dafür tun“, sagt Ingrid Konnopka. Genauso ist es auch in der Ehe.

Paare, die im Laufe eines ganzen Lebens allen Widrigkeiten der Partnerschaft trotzen und sich für Lösungen ohne Scheidungsrichter entscheiden, sind mittlerweile zur Seltenheit geworden. Im Jahr 1958 haben sich im Großraum Cottbus 766 Paare das Ja-Wort gegeben. Einen richtigen Heiratsboom erlebt die Stadt noch mal 1988 mit 906 Eheschließungen. Nach der Wende geht die Welle der Heiratswilligen allerdings rapide zurück, und so haben sich 50 Jahre später im Jahr 2008 nur noch 300 Paare vor den Traualtar getraut.

„Wir haben an einem 13. September um 13 Uhr geheiratet, und wir waren 13 Paare an diesem Tag“, erinnert sich Dieter Konnopka. „Die 13 ist in den vergangenen 60 Jahren offenbar unsere Glückszahl gewesen“, ergänzt Ingrid Konnopka mit einem nostalgischen Lächeln, denn die beiden Lausitzer feiern in diesem Jahr die Diamantene Hochzeit – ein Jubiläum, das fast ein ganzes Leben umfasst.

Glück ist jedoch nicht die einzige Voraussetzung für eine gute Partnerschaft. Dazu gehört auch immer harte Arbeit und ein wenig Schicksal. „Kennengelernt haben wir uns 1957 auf einem Polterabend“, erinnert sich Dieter Konnopka. Der gebürtige Kolkwitzer war schon in jungen Jahren ein leidenschaftlicher Sportler und hat in der Sportgemeinschaft „Traktor Kolkwitz“ Tischtennis gespielt. „Ein Sportfreund von mir hatte seinen Polterabend und seine Verlobte war die Arbeitskollegin meiner Frau“, sagt er.

Da Dieter Konnopka allerdings am nächsten Tag ein wichtiges Turnier hatte, musste er die Feier frühzeitig verlassen. Das hat auf Ingrid Konnopka, geborene Meinke, keinen guten Eindruck gemacht. „Ich habe damals gesagt, dass ich niemals jemanden heiraten würde, der den Sport mir vorziehen würde“, sagt sie und lacht. Dennoch hat die junge Laborantin aus Schipkau an dem angehenden Bauleiter Gefallen gefunden, denn ein paar Tanzabende später wurde Dieter Konnopka Ingrid Meinkes Eltern vorgestellt. „Im Sinne der alten Schule hab ich ihren Vater dann gefragt, ob ich seine Tochter heiraten darf, und ich durfte“, erzählt der Kolkwitzer mit einem schelmischen Lächeln.

Kurz vor der Hochzeit beziehen die frisch Verlobten eine Wohnung in der Cottbuser Parzellenstraße. „Wir waren so stolz auf unsere erste eigene Wohnung. So einen großen Schritt gemeinsam zu gehen, hat uns noch mehr zusammengeschweißt“, sagt Ingrid Konnopka. 1961 kommt der gemeinsame Sohn zur Welt.

Die kommenden Jahre sind von ständigen beruflichen Um- und Neustrukturierungen geprägt. Dieter Konnopka arbeitet als Bauleiter in Lübbenau und erhält 1961 eine Stelle im Bezirksbauamt Cottbus. „Beruflich hat sich bei uns immer irgendetwas ergeben. Wenn ich den einen Job nicht mehr hatte, wusste ich, dass ich sofort wieder etwas Neues finden würde“, sagt Dieter Konnopka. Das Bewusstsein keine Angst haben zu müssen, jemals in finanzielle oder soziale Not zu geraten, hat den Eheleuten jahrelangen Halt gegeben und gleichzeitig die Basis für ein harmonisches Zusammenleben gebildet.

„Wir hatten nie große Krisen“, betont Ingrid Konnopka. „Ich gebe zu, dass ich hin und wieder tücksch sein kann und das dann auch aussitze, aber ich habe großes Glück, dass mein Mann das nicht kann“, erzählt die Rentnerin. Dieter Konnopka vertritt die Philosophie, dass man nie böse aufeinander schlafen gehen sollte.

„Mir ist es wichtig, immer über alles zu sprechen. Kommunikation ist in jeder Partnerschaft das Allerwichtigste, ebenso wie Aufrichtigkeit und vollstes Vetrauen“, betont Dieter Konnopka. Ein gehütetes Ehegeheimnis sei dies allerdings nicht, sondern vielmehr eine notwendige Selbstverständlichkeit – darin sind sich beide einig.

Darin sehen die Eheleute auch das Problem in der heutigen Zeit. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich die jungen Paare heute gar nicht mehr aussprechen, weil ihnen das Vertrauen fehlt“, bedauert Ingrid Konnopka. Dennoch zeigen sich die Eheleute verständnisvoll gegenüber der jungen Generation. „Man kann das nicht mehr mit damals vergleichen. Die Probleme, mit denen die jungen Leute heute zu tun haben, hatten wir nicht. Wir hatten nie Existenzängste“, sagt Dieter Konnopka. Auch nicht nach der Wende.

„Es ging uns sicherlich deutlich besser als manch anderen in den frühen 1990ern. Aber wir haben auch immer die Ärmel hochgekrempelt, weitergemacht und optimistisch in die Zukunft geblickt“, erzählt Ingrid Konnopka. Das Bewusstsein, sich alles selbst erarbeiten zu müssen, gekoppelt mit einer inneren Genügsamkeit und der Bereitschaft, gegebenenfalls auch mal Opfer zu bringen, ist der Schlüssel für Wohlstand und Harmonie. Dieter Konnopka ist deutschlandweit als Bauleiter tätig und gründet zwischenzeitlich sogar ein eigenes Shuttle-Unternehmen „Cottbuser Transfer Service“. 1999 geht er in Rente. Nach 36 Jahren als Laborantin beim gewerbeärztlichen Dienst kann auch Ingrid Konnopka im Jahr 2000 ihr Berufsleben hinter sich lassen.

Trotz des wohlverdienten Ruhestandes sind die Eheleute noch immer sehr aktiv, gehen gemeinsam zum Sport, unternehmen Reisen und arbeiten gern in ihrem Garten. „Wer in Bewegung bleibt, hält auch seinen Geist jung“, sagt Dieter Konnopka schmunzelnd. Das gilt wohl auch für die Liebe, die sich in den sorgfältig gesäten Blumenbeeten, dem gepflegten Rasen und der weißen Gartenbank widerspiegelt, die Dieter Konnopka um einen Baum gebaut hat. Wer etwas gemeinsam aufbaut, muss es eben auch gemeinsam pflegen. Darin ist sich das Diamantene Paar einig.

(the)