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Ein einfaches Kreuz zum Gedenken

Der politische Gefangene Werner Greiffendorf zog den Freitod der Unfreiheit im Cottbuser Zuchthaus vor. Dort, wo er sich 1978 bei einem Freigang im Gefängnishof verbrannte erinnert nun ein Gedenkkreuz an ihn.
Der politische Gefangene Werner Greiffendorf zog den Freitod der Unfreiheit im Cottbuser Zuchthaus vor. Dort, wo er sich 1978 bei einem Freigang im Gefängnishof verbrannte erinnert nun ein Gedenkkreuz an ihn. FOTO: rur1
Cottbus. Mit einem Wochenende des Gedenkens ist am Samstag und Sonntag im Cottbuser Menschenrechtszentrum an den Fall der Mauer vor 24 Jahren und an das Ende der politischen Verfolgungen in der DDR erinnert worden. Ronald Ufer / rur1

Ehemalige politische Häftlinge, die am Wochenende zu ihrem Jahrestreffen nach Cottbus gekommen waren, wollten vor allem das Andenken an ihren Mitgefangenen Werner Greiffendorf wachhalten. Der 28-jährige Losverkäufer aus Döbern hatte sich am 19. Oktober 1978 beim Freigang mit Farbverdünner übergossen und in Brand gesetzt. Bevor er in den Flammen zusammenbrach, rief er laut Augenzeugen "Freiheit". Greiffendorf starb an den schweren Verbrennungen drei Wochen später im Bezirkskrankenhaus Cottbus. Die Stasi wollte den Selbstmord geheim halten und setzte Häftlingsfreikäufe aus dem Zuchthaus Cottbus mehrere Monate aus.

Werner Greiffendorf hatte Ende 1976 versucht, über die tschechoslowakische Grenze in die Bundesrepublik zu gelangen. Er war verhaftet und in der DDR zu zwei Jahren und acht Monaten Haft wegen "Republikflucht" verurteilt worden. Um den Freikauf zu forcieren, trat er in Cottbus in den Hungerstreik, schrieb Eingaben und Beschwerden und soll nach Stasiberichten im März 1978 einen Selbstmordversuch vorgetäuscht haben.

"Auch andere Häftlinge haben in Cottbus lieber ihren Leben ein Ende bereitet oder es versucht, als Haft und politische Verfolgungen in der DDR zu ertragen", sagte Dieter Dombrowski, Vereinsvorsitzender des Menschenrechtszentrums, bei der Einweihung des Gedenkkreuzes am Ort der Selbstverbrennung. Dieser Gedenkstättenteil ist noch nicht öffentlich zugänglich.

Bei vielen ehemaligen politischen Gefangenen förderten die Begegnungen mit der einstigen Haftstätte und den Schicksalsgenossen bittere Erinnerungen zutage. Die Gespräche drehten sich um Urteile, die Haftbedingungen und Schikanen, Alias-Namen ehemaliger Schließer, die nach der Wende für ihre Quälereien verurteilt wurden, machten die Runde. Während des Wochenendes des Gedenkens erzählten ehemalige Häftlinge Besuchern von ihrer Haftzeit und führten sie durch die Gedenkstätte. Es gab ein Friedensgebet gemeinsam mit dem Verein Musica Sacra sowie Filmvorführungen.