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| 12:22 Uhr

Cottbus früher und heute
Ein Dorfplatz mitten in der Stadt

Diese historische Postkarte zeigt den Ostrower Platz im Jahr 1903. Damals war der alte Dorffriedhof bereits eingeebnet worden, der sich einst auf dem nördlichen Teil des Platzes befand.
Diese historische Postkarte zeigt den Ostrower Platz im Jahr 1903. Damals war der alte Dorffriedhof bereits eingeebnet worden, der sich einst auf dem nördlichen Teil des Platzes befand. FOTO: Krause Hans / Sammlung Hans Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte des Ostrower Platzes anhand einer historischen Postkarte aus dem Jahr 1903. Sie stammt aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

Noch ist dieser Platz eine große Baustelle, doch in wenigen Monaten wird er zu einem Schmuckstück umgestaltet – der Ostrower Platz. Heute liegt er mitten in der Stadt, doch war er einst der alte Dorfanger des Ortes Ostrow, das damals noch vor den Toren der Stadt lag. Der in seiner Siedlungsform vermutliche Rundling wird in alten Cottbuser Urkunden erstmals im Jahr 1498 genannt. Aus dem Jahr 1500 stammt die Angabe einer „sante babare Kirchen in der Ostrow“. In Ostrow wohnten Bauern, meist jedoch Gärtner, die mit ihren Erzeugnissen die Bewohner der Stadt versorgten.

Eine Auflistung der Bewohner von Ostrow aus dem Jahr 1652 gibt einen guten Überblick. Damals lebten in Ostrow: ein Hüfner (Besitzer eines Bauernhofes), ein Hüfner mit einer dreiviertel Hufe, fünf Halbhüfner, 27 Büdner (Besitzer eines kleinen ländlichen Anwesens), davon einer mit einer viertel Hufe, ein Brauer, zwei Fischer, zwei Leineweber, je ein Malzführer, Müller, Maurer, Spielmann, sechs Tagelöhner, zwei Winzer und ein Zimmermann. Der Dorfplatz war noch bis ins 18. Jahrhundert hinein unregelmäßig von Bauernhäusern umsäumt.

Im Jahr 1782 wird von einer Begräbniskapelle berichtet, die ein Nachbau der einstigen St. Barbarakirche war, die durch ein Feuer zerstört worden war. Nach 1820 entstanden Hofanlagen, die sich vollständig an allen Seiten des Platzes aneinanderreihten.

Bis zur Eingemeindung des Dorfes zu Cottbus im Jahr 1872 gehörte Ostrow zum Amt Cottbus. Bereits am 26. März 1872 wurde die Friedhofskapelle von Ostrow, die inmitten des Friedhofs auf der nördlichen Dorfangerseite stand, zum Abriss verkauft. Nach dem im Jahr 1873 die Häuser auf der Nordseite des Angers abbrannten, entstanden an dieser Seite in den Folgejahren Fabrikbauten und kleinstädtische Wohnhäuser. Der Friedhof selbst wurde im Jahr 1893 eingeebnet. Er befand sich auf der nördlichen Platzhälfte.

Der so vergrößerte Platz eignete sich ideal als Marktplatz und so wurde er auch genutzt. Weiß und rot blühende Kastanienbäume umsäumten den einstigen Dorfplatz. Über die alte Platzbebauung finden sich ausführliche Angaben in der Denkmaltopographie der Stadt Cottbus von Irmgard Ackermann, die im Jahr 2001 herausgegeben wurde.

Veränderungen erlebte der Ostrower Platz durch die Schaffung der Briesmannstaße als Zugang, später in den 1960er-Jahren mit dem Bau einer Heiztrasse, der Anlage des Busbahnhofs sowie der Schaffung von Parkplätzen. Derzeit wird der Platz umgebaut. Er erhält neue Stellflächen, einen Spielplatz, viel Grün und Bäume. Die Arbeiten werden bis in den Herbst dauern.

Der Ostrower Platz gleicht derzeit eher einer Sandwüste. Die Bauarbeiten dauern seit vergangenem Jahr und sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Der Ostrower Platz gleicht derzeit eher einer Sandwüste. Die Bauarbeiten dauern seit vergangenem Jahr und sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. FOTO: Dora Liersch