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Ein Computer für Bayanga

Der Vertreter des Pygmäenvolkes aus der Zentralafrikanischen Republik Richard Moandja, der zusammen mit einer dreiköpfigen Delegation in dieser Woche in Neuhausen weilte, testete die Trommel vom Komptendorfer Spielmannszug.
Der Vertreter des Pygmäenvolkes aus der Zentralafrikanischen Republik Richard Moandja, der zusammen mit einer dreiköpfigen Delegation in dieser Woche in Neuhausen weilte, testete die Trommel vom Komptendorfer Spielmannszug. FOTO: Hirche/jul1
Neuhausen/Spree. Neuhausen und Bayanga in der Zentralafrikanischen Republik liegen mehr als 8000 Kilometer auseinander. Seit vergangener Woche sind sie zusammengerückt, besser gesagt: Es wurde ein Partnerschaftsvertrag zwischen den beiden Kommunen unterzeichnet. Marion Hirche / jul1

Neben Bundesentwicklungsentwicklungsminister Gerd Müller setzten auch die Bürgermeister Justin-Dieudonne Mobanza und Dieter Perko ihre Unterschriften unter dieses besondere Dokument. Vertraglich besiegelte Partnerschaften zwischen Kommunen in Deutschland und Ortschaften in einem Entwicklungsland sind nach wie vor eine Rarität. "Für mich ist das heute ein besonderer Tag, denn ich kann ein Versprechen einlösen", sagte der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei der Begegnung mit der feierlichen Unterzeichnung. Mit einem Film berichtete er von seinen Erlebnissen in Bayanga. Auf den Bildern war das dort befindliche Unesco-Schutzgebiet mit seinen Waldelefanten und Flachlandgorillas zu sehen. Bei seinem Besuch wurde der Wunsch einer Partnerschaft vorgetragen. Und: Die Kinder von Bayanga sind begeisterte Fußballfans und wünschen sich einen Fußballplatz, auch das zeigten die Bilder. "Die Partnerschaft ist besiegelt und wenn der Fußballplatz noch nicht gebaut ist, dann realisieren wir das jetzt mit Neuhausen", sagte der Politiker. Der Bürgermeister aus Bayanga machte neugierig auf seine Heimat: "Wir haben auch Schimpansen, Büffel, eine einmalige Flora auf Grund unserer salzhaltigen Böden und Gold- und Edelsteinvorkommen. Die einzige Schreibmaschine im Büro unserer Naturparkverwaltung stammt allerdings noch aus der Kolonialzeit."

Gastgeber Dieter Perko hat gleich eine Reihe von Ideen für die zukünftige Zusammenarbeit: "Wir können unsere Erfahrungen beim Aufbau von demokratischen Strukturen helfen, wir haben gute Kita-Konzepte, die übertragbar sind. Wir werden aber auch über die unsäglichen kriegerischen Auseinandersetzungen hauptsächlich im Norden des Landes und über Wilderei im Nationalpark in den uns zur Verfügung stehenden Medien berichten. Damit können wir zum Einen auf die Einmaligkeit dieser Region und zum Anderen auf die Probleme in diesem Land aufmerksam machen. Freundschaft ist nicht nur ein kostbares Geschenk, sondern eine anspruchsvolle Aufgabe." Ziel des jetzt unterzeichneten Vertrages ist eine vertrauliche Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung auf ökologischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene. Der Kinder- und Jugendarbeit soll dabei ein ganz besonders großer Raum eingeräumt werden.

Mit dem Vertrag in der Tasche und voll von Eindrücken haben sich die drei Afrikaner aus Bayanga wieder auf den Heimweg gemacht. Aus dem Handgepäck bei der Anreise sind bei jedem zwei Koffer geworden. "Wir haben ihnen Bälle und Trikots mitgegeben. Überall wurde mit großer Herzlichkeit gehandelt bis hin zu unserem Besuch in der Komptendorfer Kirche, wo ihnen der Reisesegen gegeben wurde", informierte Dieter Perko. Vier Tage lang hatten sie Einrichtungen der Gemeinde Neuhausen/Spree und die Heimat der Sorben/Wenden kennengelernt. "Jetzt werde ich die Gemeindevertreter um Mittel für einen Computer bitten. Das ist der größte Wunsch meines Kollegen und für uns ist es der einzige Weg, um mit den Afrikanern vorerst in Verbindung zu bleiben", sagte Dieter Perko nach der Verabschiedung.