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| 19:32 Uhr

Goldenes Buch
Ein Buch, das Geschichte erzählt

Petra Balko und Udo Bauer präsentieren das Goldene Buch der Stadt Cottbus.
Petra Balko und Udo Bauer präsentieren das Goldene Buch der Stadt Cottbus. FOTO: LR / Julian Münz
Cottbus. Im Goldenen Buch der Stadt Cottbus finden sich zahlreiche beeindruckende Persönlichkeiten Von Julian Münz

Um gleich zu Beginn mit einem Irrglauben aufzuräumen: Das goldene Buch muss nicht unbedingt golden sein. Im Falle des Cottbuser Ehrenbuches ist es in edlem weinrot gehalten, lediglich die darauf zu sehende Inschrift wird dem Namen „Goldenes Buch“ gerecht. Dazu zieren vier kupferne Plaketten den Buchtitel, auf denen Sehenswürdigkeiten der Stadt Cottbus abgebildet sind: im linken, oberen Eck das Theater, auf der rechten Seite der Spremberger Turm und unten die Lindenpforte und Branitz.

Seit 1991 ist das nicht gerade handliche Exemplar nun als Goldenes Buch der Stadt Cottbus im Einsatz.

Sein Vorgänger ist deutlich älter, wie Stadtarchivar Udo Bauer weiß. Der allererste Eintrag in ein Goldenes Buch stammt aus dem Jahr 1913, als sich ein bayerischer Prinz, der in Brandenburg ein Infanterieregiment führte, dort verewigte. In den folgenden Jahren trugen sich weitere interessante Gäste der Stadt ein. Etwa die amerikanischen Ozeanflieger Charles A. Levine und Clarence D. Chamberlin, die 1927 auf dem Weg nach Berlin in Klinge notlanden mussten. Der damalige Cottbuser Oberbürgermeister Dr. Erich Kreutz erkannte das Werbepotenzial der wagemutigen Piloten und lud sie kurzerhand in die Stadt ein. Zwei Jahre später fand der ägyptische König Fuad I. bei einer Deutschlandreise den Weg nach Cottbus und trug sich in das Buch ein.

Nachdem Cottbus in der Nachkriegszeit lediglich ein Ehrenbuch unterhielt, wurde 1991 schließlich das heutige Goldene Buch eingeführt. Die aktuelle Ausgabe kann dabei mit vielen illustren Gästen aufwarten.

Fast jeder, der in der Bundespolitik etwas auf sich hält, hat bereits eine Seite im Goldenen Buch der Stadt Cottbus ausgefüllt. So stammt schon der erste Eintrag im Buch vom ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, im Februar 2008 verewigte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie Innenminister Horst Seehofer (CSU) sind ebenfalls im Goldenen Buch vertreten.

Abgesehen von der großen Politik haben sich vor allem Botschafter, zahlreiche Cottbuser Olympiasieger, und die Gewinner der jährlich im November vergebenen Ehrenmedaille im Goldenen Buch eingetragen. Der FC Energie Cottbus ist gleich vier Mal vertreten. So haben sich die Mannschaft, die 1997 das DFB-Pokalfinale erreichte, die Bundesligaaufsteiger von 2000 und 2006 sowie das Team, dem in diesem Jahr die Rückkehr in den Profifußball gelang, eine eigene Seite gesichert.

Die Inschriften werden im Vorfeld individuell von einem Kalligraphen angefertigt, manchmal finden sich neben Unterschriften jedoch auch Grußbotschaften der Geehrten. „Ich bin weit gereist, bin lange weg gewesen, um zu sagen: Die Zukunft liegt im Osten“, schrieb etwa der Wissenschaftler und Leibniz-Preisträger Prof. Dr. Jörg Vogel zu seiner Eintragung.

Viele Seiten sind nicht mehr frei, auch wenn die Stadt seit 2009 eine Ehrenchronik unterhält, in der unter anderem erfolgreiche Meisterschaftssportler oder 1,0-er Abiturienten verewigt sind. „Die Anschaffung eines neuen Buches wird schon geplant“, verrät Petra Balko. Spätestens bis zu den Olympischen Spielen 2020 soll das neue Goldene Buch seinen Dienst antreten.