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Ein Berliner macht die Lausitz wieder fit

Christian Seifert leitet die mit rund 120 Mitarbeitern größte ambulante Reha-Klinik in Südbrandenburg.
Christian Seifert leitet die mit rund 120 Mitarbeitern größte ambulante Reha-Klinik in Südbrandenburg. FOTO: Zeidler
Cottbus. Christian Seifert will das Reha Vita in Cottbus um ein Kindertherapiezentrum erweitern, die Eröffnung ist für 2018 geplant.

"Lebensqualität durch Gesundheit", nach dieser Philosophie führen Annett und Christian Seifert das Reha Vita in Cottbus - die Nummer eins in Sachen Rehabilitations- und Gesundheitsleistungen in Südbrandenburg. Im Interview mit der RUNDSCHAU verrät der 51-jährige Christian Seifert seine anfängliche Skepsis gegenüber der Region und erzählt von seinen weiteren Plänen für die ambulante Reha-Klinik.

Herr Seifert, Sie sind in Berlin geboren und aufgewachsen, haben in Leipzig Sport studiert. Warum dann der Schritt von der Großstadt in die Lausitz?
Seifert Nach meinem Studium habe ich zunächst in mehreren Reha-Kliniken in Berlin gearbeitet. Aber ich war dort nicht zufrieden. Schon damals war ich sehr zielstrebig und ehrgeizig. Ständig hatte ich diesen einen Gedanken im Kopf: Das könntest du besser machen. Der Schritt in die Selbstständigkeit erfolgte dann aber erst 1996 durch einen Kommilitonen aus dem Studium. Er kam aus Hoyerswerda, hatte Kontakte vor Ort und sah eine Lücke in der ambulanten Rehabetreuung. Nach mehreren Anläufen hat er uns dann schließlich überredet bekommen, und zusammen mit meiner Frau Annett habe ich die Klinik gegründet.

Von der Altbauwohnung in Berlin Pankow nach Hoyerswerda - das war sicher ein ziemlicher Kulturschock, oder?
Seifert Ja, das war es wirklich. Mein Kommilitone hatte uns damals mit den vielen Seen und der Landschaft gelockt. Trotzdem haben meine Frau und ich unseren Freunden in Berlin damals nicht erzählt, dass wir eine Reha-Klinik in Hoyerswerda eröffnen. Der Ort war vielen durch die Hochhausbrände in Erinnerung, und daher haben wir immer gesagt: Wir ziehen in die Lausitz, in die Nähe von Dresden, aber den Ort kennt ihr sowieso nicht.

Wie lief die Klinik mit Ihrem Kommilitonen in Hoyerswerda dann?
Seifert Zunächst wirklich sehr gut. Wir haben mit drei Mitarbeitern angefangen, und ständig wurden neue eingestellt. Aber nach eineinhalb Jahren haben wir festgestellt, dass wir einfach nicht zusammenpassen. Wir hatten fachliche Differenzen und waren uns auch bei der Personalführung nicht einig. Schließlich haben wir uns im Guten getrennt.

Danach folgte die Gründung von Reha Vita zusammen mit ihrer Frau. Warum gerade in Cottbus?
Seifert Daran ist der FC Energie schuld. Ich habe den Profispieler Holger Fraedrich in unserer Reha-Klinik in Hoyerswerda betreut. Der damalige Mannschaftsarzt Dr. Hardtmann unterstützte unseren Gedanken, eine Niederlassung in Cottbus zu eröffnen. Schließlich sei Cottbus eine Sportstadt und hat einen Olympiastützpunkt. Ich habe dann später auch mit einigen niedergelassenen Ärzten und der Klinik gesprochen. Auch sie sahen einen Bedarf, und so ging es dann los.

Welchen Eindruck hatten Sie damals von Cottbus, und wann gab es die ersten Berührungspunkte mit der Stadt?
Seifert Das erste Mal war ich 1984 in Cottbus. Ich absolvierte damals eine Ausbildung zum Baufacharbeiter mit Abitur. Wir sollten von unserer Berufsschule aus an der Technischen Uni Cottbus Bauingenieurwesen studieren. Daher waren wir zu einem Schnuppertag an der Uni. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie heiß es damals war. Wir sind durch die Stadt und über den Campus gelaufen, und es war trostlos. Cottbus hat mich einfach nicht angesprochen, ich fand es uninteressant. Das Bauwesen hat mich auch nicht angesprochen, ich wollte schon damals Sport studieren. Die Ausbildung zum Baufacharbeiter habe ich auch nur gemacht, um mein Abitur zu bekommen.

Trotzdem zog es Sie später genau in diese Stadt. Wann hat sich Ihr Bild von Cottbus gewandelt?
Seifert Der zweite Besuch war im Sommer 1997. Der war ganz anders. Damals befanden wir uns mit dem Reha-Zentrum in Hoyerswerda noch in der Aufbauphase. Wir waren frisch selbstständig, viel Freizeit gab es damals nicht. Meine Frau hatte unser erstes Kind bekommen, und an einem freien Wochenende sind wir zu dritt nach Cottbus in den Branitzer Park gefahren. Dort gingen wir dann zum Schloss und haben uns auf die Treppe neben die Löwenstatue gesetzt. Beim Blick über die Gartenlandschaft kam uns beiden das Gleiche in den Sinn: "Hier ist es schön. Hier müsstest du leben."

Dieser Gedanke wurde später Realität. Leben Sie nicht heute sogar mit Ihrer Familie in Branitz?
Seifert Genau. Sogar nur in 500 Meter Luftlinie vom Branitzer Schloss entfernt. Erst heute Morgen bin ich durch den Branitzer Park gejoggt. Fast könnte man an Fügung oder Schicksal glauben.

Haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit jemals bereut?
Seifert Nein, wirklich nie. Wir konnten uns mit Reha Vita gut selbst verwirklichen, und auch die Lebensqualität ist in Cottbus viel größer als in Berlin. Wir haben Naherholungsgebiete direkt um die Ecke, es gibt viele Sportmöglichkeiten, die Wege sind kurz, und ich stehe nie im Stau. Außerdem funktioniert die Vernetzung gut. Man kennt sich in Cottbus eben.

Hat Ihnen diese gute Vernetzung bei der Gründung von Reha Vita geholfen?
Seifert Es läuft alles ein bisschen familiärer in Cottbus, und ich denke, dadurch konnte sich Reha Vita schnell einen guten Ruf aufbauen. 1998 haben wir auf 870 Quadratmetern und mit sechs Mitarbeitern angefangen. Wir waren eigentlich nicht viel mehr als eine große Physiotherapie. Heute beschäftigen wir um die 120 Mitarbeiter und bieten auf 4200 Quadratmetern Therapie, Training und Wellness unter einem Dach.

Ihre Klinik gilt als die Nummer eins in Südbrandenburg und wurde vielfach ausgezeichnet. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Seifert Eine Zutat sind meiner Meinung nach die Komplexität und die Vielfalt unserer Angebote. Wir wollten von Anfang an nicht nur auf einen Bereich setzen, sondern sehen uns eher als ein "Gemischtwarenladen". Zwar ist die ambulante Reha unser Hauptstandbein, aber wir haben auch immer nach links und rechts geschaut und versucht, diese Angebote qualifiziert anzubieten. Also egal, ob Aquafitness für Schwangere, Reha nach einem Unfall oder bei Altersbeschwerden, Seniorensport oder Zumba - wir machen jeden wieder fit. Getreu unserem Motto: "Lebensqualität durch Gesundheit".

Sie wurden bereits mehrfach als "Deutschlands Bester Arbeitgeber" ausgezeichnet. Warum liegen Ihnen Ihre Mitarbeiter so am Herzen?
Seifert Wir haben zwei Oberziele bei Reha Vita: eine hohe Patientenzufriedenheit, aber auch eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit. Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen, also hängt unser Erfolg entscheidend von den Mitarbeitern ab. Sind sie unzufrieden, merken das auch die Patienten.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne für Reha Vita aus?
Seifert Trotz des Erfolgs lehnen wir uns nicht zurück. Dafür sind wir zu ehrgeizig und perfektionistisch. Als Sternzeichen Jungfrau habe ich immer die Unruhegeister in mir. Ständig fragen wir uns: Was könnte noch besser gemacht werden? Aus diesem Grund denken wir aktuell über einen Erweiterungsbau nach. In einem mehrgeschossigen Neubau möchten wir gerne Ende 2018 ein Kindertherapiezentrum eröffnen. Das Grundstück haben wir bereits vor ein paar Jahren erworben. Aber noch befinden wir uns in der Planung.

Ein weiterer Grund für den Neubau sind Platzprobleme. Denn jährlich bekommen bei uns acht bis zehn Mitarbeiter ein Baby. Seit 2005 verzeichnen die Reha Vita-Mitarbeiter 75 Geburten. Danach wollen viele lieber in Teilzeit wieder in den Job einsteigen und nur noch vormittags arbeiten. Das hat Konsequenzen für die Raumplanung, wir brauchen einfach mehr Therapieräume.

Außerdem haben viele Unternehmen mittlerweile erkannt, wie wichtig ein betriebliches Gesundheitsmanagement ist. Immer mehr Unternehmen kommen daher mit ihrer Anfrage auf uns zu. Auch dafür brauchen wir Gymnastik- und Schulungsräume, und die würden ebenfalls in dem Neubau Platz finden.

Mit Christian Seifert

sprach Michèle-Cathrin Zeidler

Alle Interviews können Sie noch einmal nachlesen unter www.lr-online.de/interview

Zum Thema:
Das Reha Vita ist eine medizinische Dienstleistungseinrichtung, in der Gesundheit und Wohlbefinden der Patienten im Mittelpunkt stehen. Auf 4200 Quadratmeter macht die Klinik für Gesundheit und Sport in der Cottbuser Feigenstraße jeden wieder fit. Ganz getreu ihrem Motto: "Lebensqualität durch Gesundheit". So werden in der Ambulanten orthopädischen Rehabilitation unter Leitung von Fachärzten alle orthopädischen und unfallchirurgischen Erkrankungen behandelt. In der Ambulanten neurologischen Rehabilitation sorgen moderne Technik wie Gehbarren, Motomed, Lokomotionslaufband, Hirnleistungskabinett und eine Lehrküche für optimale Therapiebedingungen. Der 51-jährige Christian Seifert ist der Geschäftsführer von Reha Vita. Er hat das Unternehmen 1998 zusammen mit seiner Frau Annett gegründet. Er hat in Leipzip Sport studiert und zahlreiche Weiterbildungen absolviert. Kennen auch Sie Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben? Dann schlagen Sie unsGesprächspartner vor:Lausitzer Rundschau,Straße der Jugend, 54,03050 Cottbus,oder per E-Mail an die Adresse: redaktion@lr-online.de