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| 15:46 Uhr

Cottbus
Professor sieht Branitz in Gefahr

 Helmut Rippl
 Helmut Rippl FOTO: Michael Helbig
Landschaftsarchitekt Helmut Rippl schaltet sich in die Debatte um die Baupläne auf dem Gelände der alten Gärtnerei in der Branitzer Siedlung ein. Er fordert mehr Aufklärung über die Funktionen des Außenparks. Von Peggy Kompalla

Vielen Cottbusern sei nicht klar, was auf dem Spiel steht. Das sagt Helmut Rippl. Der Ehrenprofessor des Landes Brandenburg und hoch angesehene Garten- und Landschaftsarchitekt warnt vor Bauplänen im Außenpark. Sie würden die Pückler’schen Landschaftsgestaltung zerstören und damit erheblichen Schaden für das Gesamtwerk bedeuten. Angesichts der kontroversen Debatte fordert Helmut Rippl mehr Aufklärung. Das hat auch die Stiftung Park und Schloss Branitz erkannt und setzt im nächsten Jahr bei ihren Veranstaltungen einen Schwerpunkt auf den Außenpark.

Die Branitz Garden GmbH will auf dem Gelände der alten Gärtnerei in der Branitzer Siedlung etwa 150 Eigenheime errichten. Das Unternehmen hat das Areal gekauft und will es neu entwickeln. Allerdings liegt es im Denkmalbereich des Branitzer Parks. Die Stadt Cottbus hat bereits mehrmals betont, dass das Gelände nicht für eine Wohnbebauung vorgesehen ist. Bestärkt wird die Stadt in ihrer Haltung sowohl durch die obere Bauaufsichts- als auch die obere Denkmalschutzbehörde. Trotzdem wird die Diskussion kontrovers fortgeführt, auch von einzelnen Abgeordneten.

Allein die Debatte zeige, dass vielen Cottbusern nicht klar sei, was ein Landschaftspark ist. Helmut Rippl erklärt: „Jeder als Kunstwerk deklarierter Landschaftspark besteht aus einem Kernbereich und einem Außenbereich.“ Die künstlerische Aussage beider sei sehr verschieden. „Im Kernpark wird mit Bäumen in unterschiedlichen Ausdrucksformen eine Idee dargestellt. Dem Individuum Baum fällt die Rolle zu, sich völlig frei entfalten zu dürfen. Er wird damit zum Vorbild einer freien Entfaltung des Menschen unter seinesgleichen gemäß den Forderungen der französischen Revolution nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.“ Der Kernpark ist im Außenpark eingebettet. Seine Aufgabe ist es laut Helmut Rippl, einen Kontrast zu schaffen durch die Steigerung der künstlerischen Ausdruckskraft von außen nach innen.

Dieser wichtige Kontrast würde durch Bauvorhaben im Außenpark verloren gehen, warnt der Ehrenprofessor. Dieser Fehler sei beispielsweise im Rousseau-Park in Ermenonville nahe Paris gemacht worden. „Dort sieht man aus dem Kernpark die Blechlawine parkender Autos aus vielen Teilen“, sagt Helmut Rippl. „Das stört den Genuss der idealen Parkbilder empfindlich.“

Im Branitzer Park habe es eine solche Störung auch schon gegeben, als auf den Schmiedewiesen die Pückler-Skulptur des Hallenser Künstlers Moritz Götze aufgestellt war. Dazu wurden zudem Schaf-Skulpturen aufgestellt. „Für weit gereiste Fachleute war es damals unmöglich, pücklertypische Fotos zu machen“, sagt Rippl.

Der Landschaftsarchitekt macht deutlich, welche Bedeutung Fürst Pückler selbst dem Außenpark zukommen ließ. „Die als unkünstlerisch bezeichneten Außenparkflächen verschlangen zu Pücklers Zeit sieben Prozent des Parketats“, sagt er. Demnach verschönerte Pückler den Außenpark mit Solitäreichen in großen Abständen. Diese hätten längst nachgepflanzt werden müssen. Der Park vertrage – oder brauche vielleicht sogar – hin und wieder pücklertypische Inszenierungen, wie sie einst der viel zu früh verstorbene Stiftungsdirektor Berthold Ettrich zeigte. Dabei leuchtete er auf der Schmiedewiese nur Bäume an, die Pücklers Pflanzideen hervorragend zur Geltung brachten. Deshalb fordert Helmut Rippl: „Branitz muss wesentlich besser und verständlicher in parktypischen Bildern zur Ansicht gebracht werden.“ Es seien die Bäume, die den Wert von Branitz ausmachten. Es deutlich mehr Aufklärung notwendig. „Es gibt sehr viele gute Fotos. Sie zur Geltung zu bringen, wie die Stadtbilder der Heimatforscherin Dora Liersch, ist allem Anschein nach dringend notwendig“, sagt der Landschaftsarchitekt. „Denn Branitz ist der ideenreichste und ausdrucksstärkste Landschaftsgarten weit und breit.“