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Durch den wilden Osten

Neuhausen. Zu den Radebeuler Karl-May-Festtagen reist Frank Krüger aus Neuhausen mit dem Planwagen. Heute Vormittag begibt sich der 53-Jährige auf das zehntägige Abenteuer. Jenny Theiler

Komfortables und vor allem zügiges Reisen ist den meisten Menschen ebenso wichtig wie der Urlaub selbst. Im Zeitalter moderner Infrastrukturen scheint der absichtliche Verzicht auf jeglichen Reisekomfort besonders verwunderlich. Frank Krüger aus Neuhausen hat sich bei seiner bevorstehenden Reise ins sächsische Radebeul ganz bewusst gegen das Auto entschieden. Zusammen mit seiner Hündin Emma wird der gelernte Dachdecker heute mit einem Planwagen Richtung Dresden reisen. Vier Tage wird er unterwegs sein.

Der Unternehmer bietet bereits seit Jahren Kutschfahrten zu verschiedenen Anlässen an. Was als Hobby begann, ist unter dem Namen "Spreepferde" mittlerweile ein gefragter Nebenerwerb geworden.

Ziel der ungewöhnlich langen Kremserfahrt sind die alljährlichen Karl-May-Festtage im 130 Kilometer entfernten Radebeul. Zum Winnetou-Autor hat Frank Krüger zwar keine besondere Beziehung, dafür aber zum Reiten, zu den Pferden und zur Natur. Vor 35 Jahren entdeckte er das Reiten für sich und unternimmt seither regelmäßig Ausflüge durch verschiedene Regionen. Jedes Jahr plant er Wanderritte, die mit Campingaufenthalten verbunden sind. Seit drei Jahren werden diese Wandertouren mit dem Planwagen begleitet.

Aus den Medien erfuhr Frank Krüger von den Karl-May-Festtagen und beschloss, seine diesjährige Tour mit dem bekannten Festival zu kombinieren. Schließlich stellt die Planwagenreise einen ausgezeichneten Bezug zum Wilden Westen her. Die unkonventionelle Anreise musste Frank Krüger beim Veranstalter ankündigen, um das Sternreitercamp in Radebeul-Wahnsdorf nutzen zu können, denn die beiden Stuten Lisa und Daphne müssen auch untergebracht werden. Wer den längsten Weg zu Pferde zurücklegt, wird von Old Shatterhand oder Winnetou ausgezeichnet. Angesichts der zahlreichen Westernfans, die aus ganz Deutschland anreisen werden, betrachtet Frank Krüger seine Chancen auf einen Sieg recht nüchtern. "Es geht ja nicht ums Gewinnen, sondern um den Spaß an der Sache", sagt der Dachdeckermeister.

Ihm geht es um das Vergnügen, die Schönheit der Lausitz zu erleben. Spremberg, Hoyerswerda, Kamenz, Pulsnitz und Radeberg sind die wichtigsten Stationen des Vierergespanns. Samstag und Sonntag sind als Erholungstage eingeplant, bevor am Montag die Heimreise angetreten wird. Das Tagespensum liegt bei circa 30 Kilometern, die auf ganz unterschiedlichen Straßen zurückgelegt werden. Aber Lisa und Daphne seien mit dem ständigen Wechsel zwischen steinigen Feldwegen und asphaltierte Landstraßen bereits bestens vertraut, so Frank Krüger.

Der Höhepunkt der Reise sei für den Neuhausener die traumhafte Kulisse Südbrandenburgs und Nordsachsens - weite Felder, grüne Wiesen und dichte Wälder. Um diese Natürlichkeit in vollen Zügen genießen zu können, verzichtet Frank Krüger auf Hotelunterkünfte, denn geschlafen und gegessen wird im Planwagen. Die abenteuerliche Planwagenfahrt durch die Lausitzer Prärie legt nahe, dass bei dieser Reise der Weg das Ziel ist.