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| 15:42 Uhr

Jazz im Obenkino
Duo beeindruckt im Obenkino.

 Nach anderthalb Stunden konzentrierter Duo-Abeit: Julie Sasson (Piano) und Willi Kellers (Schlagzeug/Perkussion) im Obenkino.
Nach anderthalb Stunden konzentrierter Duo-Abeit: Julie Sasson (Piano) und Willi Kellers (Schlagzeug/Perkussion) im Obenkino. FOTO: Ingrid Hoberg
Cottbus. Das Publikum bangt um die Zukunft weiterer Veranstaltungen der Jazz-Reihe. Von Ingrid Hoberg

Die Namen der beiden Künstler, die am Montagabend in der Konzertreihe im Obenkino angekündigt sind, haben einen herausragenden Klang in der Jazzszene. Julie Sassoon ist bekannt dafür, dass sie scheinbar verborgene Klänge aus ihrem Flügel herausholt. „Willi Kellers hat sie nun überzeugt, auch auf dem Piano zu spielen“, kündigt Jürgen Dulitz das Duo an. Dem Klavier im Obenkino geht sie gleich zum Anfang perkussiv zu Leibe. Willi Kellers versinkt am Schlagzeug in meditative Stimmung und nimmt den Faden auf.

Eine Vielfalt an Klängen ist im Raum, erzeugt nicht nur mit Klavier und Schlagzeug, sondern auch mit Steeldrum, Kalimba und anderen Objekten – und mit den Stimmen der beiden – alles verwoben mit allem. Und manchmal ist ein ganz leises Pfeifen zu hören. Wo kommt es her, wo geht es hin? In einem Set nehmen sie für eine Stunde die Zuhörer mit in ihre Klangwelt zwischen Improvisation und Komposition. Sie stellen ihre gemeinsame aktuelle Doppel-CD „Waves“ vor, die beim Label Jazzwerkstatt erschienen ist. „Das ist unser ,Baby‘, erst eine Woche alt“, sagt Julie Sassoon nach der fast halbstündigen Zugabe und entlässt die Zuhörer in die Welt der Veranstalter-Realität.

Noch ganz in die musikalische Begegnung vertieft, kommen die Mitteilungen von Organisator Jürgen Dulitz besonders hart an. Dieses Konzert könnte das Ende der Jazz-Reihe, die ja in der jüngsten Vergangenheit schon löchriger geworden ist, bedeuten. Es gebe Finanzierungprobleme, in Aussicht gestellte Fördermittel stünden gegenwärtig nicht zur Verfügung. Auch über das von Ulli Blobel, Veranstalter der Jazzwerkstatt, initiierte Projekt Jazzland Brandenburg sei in diesem Jahr nichts zu erwarten. Jürgen Dulitz geht dennoch davon aus, dass das für den 7. Oktober geplante Konzert mit einem Trio um den Schlagzeuger Christian Lillinger stattfinden wird. Und im Dezember werde in Kooperation mit der Jazzwerkstatt das Konzert mit Sängerin Uschi Brüning sowie Jan Roder (Bass) und Michael Griener (Schlagzeug) veranstaltet.

Hendrikje Eger, Werkleiterin des Glad-Hous Cottbus, bestätigt auf Rundschau-Nachfrage, dass in diesem Jahr kein Geld mehr für Jazzkonzerte zur Verfügung stehe. „Gemeinsam mit dem Förderverein sind wir auf der Suche nach weiteren Mitteln“, erklärt sie und will nicht von einem endgültigen Aus für diese Facette im kulturellen Angebot des Hauses sprechen. Die Veranstaltungsreihe Jazz & Cinema hatte es seit 2006 gegeben, erstmals am 22. April. Damals lief der Film „Tiny & Ruby: Hell Divin‘ Women“, im Konzert waren Michael Heupel und Uwe Kropinski zu hören. Acht Konzerte waren im Jahr geplant – in Zusammenarbeit mit Programm-Manager Peter „Jimi“ Metag. Als er am Sonntag, dem 12. Mai 2013 , im Alter von 62 Jahren starb, stand Jazz & Cinema 143 am 13. Mai mit „Bauer 4“ ganz im Zeichen der Erinnerung an sein Wirken in der Szene.

Günter „Baby“ Sommer trommelte dann im Mai 2015 den Abgesang der regelmäßigen Konzerte – nach mehr als 200 Veranstaltungen mit Free Jazz und improvisierter Musik. Jürgen Dulitz, seit Ende März 2018 als Leiter des Kulturzentrums im Ruhestand, begleitet bisher die noch verbliebenen Konzerttermine.

 Nach anderthalb Stunden konzentrierter Duo-Abeit: Julie Sasson (Piano) und Willi Kellers (Schlagzeug/Perkussion) im Obenkino.
Nach anderthalb Stunden konzentrierter Duo-Abeit: Julie Sasson (Piano) und Willi Kellers (Schlagzeug/Perkussion) im Obenkino. FOTO: Ingrid Hoberg