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| 19:29 Uhr

Dürresommer in der Lausitz
Bäumen am Straßenrand droht der Hitzetod

 Nicht mehr zu retten: Straßenbäume an der B169.
Nicht mehr zu retten: Straßenbäume an der B169. FOTO: Bischoff Albert
Cottbus/Drebkau. In Brandenburg ist der Boden bis in eine Tiefe von über einem Meter ausgetrocknet. An der B 169 zwischen Drebkau und Leuthen sind Dutzende Ersatzpflanzungen aufgrund der anhaltenen Trockenheit, fehlender Technik und fehlendem Personal abgestorben. Von Andrea Hilscher

Es ist ein Bild des Jammers: Mehrere Dutzend Jungbäume an der B 169 werfen ihre längst vertrockneten Blätter ab, sind kaum noch zu retten. Die wertvollen Ersatzpflanzungen waren erst im Winter in die Erde gekommen. So wie sie sterben in Brandenburg nach Expertenschätzungen in diesem Sommer mehrere hundert Jungbäume. Sie halten den Wetterextremen nicht mehr stand.

Einwohner sind erschüttert

Lieselotte und Albert Bischoff waren entsetzt, als sie vor einigen Tagen den Zustand der Alleebäume zwischen Drebkau und Leuthen bemerkten. „Mein Mann hat extra angehalten und Fotos gemacht, um den Schaden zu dokumentieren“, sagt Lieselotte Bischoff. Sie und ihr Mann haben rund 70 Bäume gezählt, die – zumindest dem Augenschein nach – vertrocknet sind. „Wir hatten uns so sehr gefreut, als die Bäume gepflanzt wurden“, erinnert sich Lieselotte Bischoff. „Es steckt viel Arbeit in den Pflanzungen, auch der finanzielle Aufwand war sicher groß.“ Es sei schade, dass nun die künftigen Sauerstoffspender für die Umwelt verloren seien.

Baumpflanzung als Ersatzmaßnahme für den Straßenbau

Die Pflanzmaßnahme, so teilt der Landkreis Spree-Neiße mit, sei eine  Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für einen Straßenbau.   An der Drebkauer Strecke (einschließlich K 7150) wurden demnach 48 Hain-Buchen, 15 Rot-Buchen, 19 Silber-Linden, 17 Feld-Ulmen und 112 Rot-Eichen gepflanzt. Nach einer öffentlichen Ausschreibung, so der Landkreis, habe eine örtlich ansässige Firma den Zuschlag für die Pflanzung erhalten.

 Jedes Jahr werden in Deutschland rund 500 Millionen Bäume gepflanzt.
Jedes Jahr werden in Deutschland rund 500 Millionen Bäume gepflanzt. FOTO: Bischoff Albert

Matthias Händler von der Pressestelle des Kreises: „Für die Pflanzung ist eine Gesamtpflegezeit von fünf Jahren vereinbart worden.“ Die Endabnahme der gesamten Pflanzung soll 2023 sein.

Die Kontrolle über die Leistungen übt der Landesbetrieb Straßenwesen in Cottbus aus. Die zuständige Mitarbeiterin ist nach Auskunft des Kreises regelmäßig vor Ort und hat den aktuellen Pflegerückstand gegenüber der ausführenden Firma angezeigt, dokumentiert und zur Beseitigung der Schäden aufgefordert. „Aufgrund der gegenwärtigen Trockenheit konnte der Pflegerückstand allerdings noch nicht behoben werden.“

Hunderte Straßenbäume sterben wegen der Trockenheit

Andreas Rosenow vom Landesbetrieb Straßenwesen kennt das Problem. „Wir haben in dem Bereich leider viele Abgänge“, sagt er. Das allerdings sei kein Einzelfall. „In ganz Brandenburg sterben hunderte von Straßenbäumen in diesem Sommer, weil sie der Hitze und der Trockenheit nicht gewachsen sind.“

Es fehle überall an Technik und an Personal, um alle Bäume ausreichend zu wässern, sagt Rosenow. Und: „Oft wissen die Leute nicht mal mehr, wo sie noch Wasser in ausreichender Menge herbekommen sollen.“ Viele Straßenmeistereien hätten sich in der Vergangenheit aus öffentlichen Gewässern bedient. „Aber da das momentan in vielen Landkreisen verboten ist, wird das Gießen ein echtes Problem.“

Trockenheitsschäden auch in Wäldern befürchtet

Nicht nur Straßenbäume leiden, auch in den Wäldern drohen enorme Trockenheitsschäden. In Brandenburg ist der Boden bis in eine Tiefe von über einem Meter komplett ausgetrocknet. Flachwurzler, wie etwa Birken, müssen sich daher komplett aus Oberflächenwasser versorgen. Bei den geringen Niederschlagsmengen der letzten Wochen reicht das nicht zum Überleben.

Die finanziellen Schäden sind enorm, pro Straßenbaum rechnen Experten mit rund 1000 Euro inklusive der Pflanzmaßnahmen. „Die abgestorbenen Bäume an der B 169 werden aber ersetzt“, verspricht Andreas Rosenow.