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| 19:01 Uhr

Cottbus
Druck für neue Straßenbahnen

Cottbus. Cottbusverkehr will gemeinsam mit Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel neue Fahrzeuge bestellen. Doch plötzlich wird es eng mit dem Geschäft. Von Peggy Kompalla

Die Verkehrsbetriebe von Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel gehen ungewöhnliche Wege, damit die Städte trotz schmaler Kassen an neue Straßenbahnen kommen. Sie bestellen gemeinsam neue Fahrzeuge. Doch das lang vorbereitete Geschäft droht auf den letzten Metern zu platzen. Cottbus muss sich sputen, um den Zug nicht zu verpassen.

Die SPD-Fraktion kritisiert, dass die Zeit knapp wird und sieht eindeutig die Verwaltung in der Bringschuld. Denn das Stadtparlament muss spätestens im April über den Kauf der Straßenbahnen entscheiden. Ansonsten ist Cottbus aus dem Geschäft raus. Frankfurt und Brandenburg würden es allein durchziehen. Der Grund sind Fristen. Doch eine entsprechende Beschlussvorlage über die Millionen-Investition liegt den Abgeordneten noch immer nicht vor, obwohl im Finanzdezernat seit Monaten daran gearbeitet wird.

Tatsächlich wird es eng. Das bestätigt Cottbusverkehrchef Ralf Thalmann mit Sorge gegenüber der RUNDSCHAU. Demnach warten die beiden Partner mit dem Geschäft maximal bis Ende nächsten Monats auf Cottbus. „Frankfurt hat eine Finanzierungszusage, die aber nur bis Ende November gilt“, erläutert Thalmann am Mittwoch am Rande der Stadtparlamentssitzung. „Die Einspruchsfristen und Verhandlungszeit eingerechnet, muss die EU-weite Ausschreibung also spätestens im Mai rausgehen. Selbst das ist knapp.“

Für Cottbus geht es um den Fortbestand des öffentlichen Nahverkehrs, wie er derzeit existiert – mit der Straßenbahn als Rückgrat. Die 20 Bahnen sind 31 Jahre alt und nur bedingt barrierefrei. Selbst die aufwendig überarbeiteten Langläufer sind demnächst wieder mit einer Überholung an der Reihe. Der Straßenbahnfuhrpark entspricht damit nur eingeschränkt den technischen Ansprüchen und denen der Kunden. Zumal Cottbusverkehr bereits heute zu Spitzenzeiten an Kapazitätsgrenzen gerät. Eine Erneuerung des Straßenbahnfuhrparks ist damit überlebenswichtig.

Cottbusverkehr will laut Thalmann sieben neue Fahrzeuge bestellen, 13 weitere als Option. „Damit wäre ein Drittel des Fuhrparks erneuert. Das ist ein guter Einstieg. Der muss kommen.“ Frankfurt bestellt 13 Bahnen, Brandenburg vier und acht als Option. Damit würden die drei Verkehrsbetriebe den Bau von 24 Straßenbahnen in Auftrag geben. Mit den Optionen umfasst die gemeinsame Bestellung 45 Fahrzeuge. Damit das überhaupt möglich ist, haben die Fachleute der drei Verkehrsbetriebe ein gemeinsames Lastenheft erarbeitet, das 150 Seiten umfasst. Darin sind alle technischen Daten beschrieben, die die neuen Fahrzeuge benötigen, damit sie zu den Bedingungen in den drei Städten passen. 

Eine neue Straßenbahn kostet rund 2,5 Millionen Euro. Für Cottbus bedeutet das für sieben Fahrzeuge eine Investition von 17,5 Millionen Euro. Wie die Stadt und der Verkehrsbetrieb diese Summe stemmen, wird derzeit im Finanzdezernat erarbeitet. Dabei ist nur eine Teilsumme klar: 6,5 Millionen Euro vom Land Brandenburg, die Cottbusverkehr als Förderung zustehen.

Der Finanzbeigeordnete Markus Niggemann (CDU) versichert: „Die Beschlussvorlage ist in der Endabstimmung. In der nächsten Woche geht sie an die Abgeordneten.“ Demnach hatte die Stadtverwaltung die Vorlage ursprünglich im Mai einbringen wollen. Wurde nun aber von Frankfurt und Brandenburg überrumpelt. Kerstin Kircheis (SPD) kritisiert: „Die beiden Städte sind seit Monaten mit ihren Beschlüssen fertig. Ich verstehe nicht, dass es in Cottbus so lange dauert. Es ist wirklich ernst.“

Finanzchef Niggemann sagt: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es mit dem Beschluss im April klappen wird.“ Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) gibt sich als Aufsichtsratsvorsitzende von Cottbusverkehr ebenfalls optimistisch. „Dafür wird es eine Mehrheit geben. Es wäre fatal, wenn wir nicht gemeinsam bestellen.“