Nach dem Erkenntnisstand von gestern Abend wohl auch zu Recht. Denn die CDU hat nicht in erster Linie die Kontakte zur Stasi bewertet, sondern den Umgang mit der Information. Mag die Obst-Beziehung zur Stasi in ihren Folgen tatsächlich so banal gewesen sein wie dargestellt - und das gilt, so lange nichts anderes bewiesen ist -, so hat Ulrich Obst den Umgang mit diesem eher kleinen, aber sensiblen Teil seiner Biografie offenbar heftig unterschätzt. Mag er sich jetzt auch wundern, dass ein Persilschein aus einem Landes-Ministerium nicht ausreicht, um in Cottbus unbelastet Bürgermeister werden zu können.
Cottbus droht nun ein politisches Vakuum. Denn die Suche nach einem neuen, geeigneten und mehrheitsfähigen Kandidaten wird lange dauern. So lange bleibt der wichtigste, umfassendste Bereich im Rathaus führungslos.
Denn die Ressort-Verantwortung lässt sich im Rathaus nicht ständig einfach mal so hin- und herschieben. Genau so wenig darf es jetzt ein Verantwortungsgerangel zwischen Karin Rätzel und den Stadtverordneten geben. Denn die missglückten Vorschläge der Oberbürgermeisterin für ihren ersten Stellvertreter - erst Ferdinand Schwarz, jetzt Ulrich Obst - wurden jeweils von Mehrheiten der Abgeordneten mitgetragen. Zunächst aber muss Karin Rätzel Führungsstärke beweisen, um Handlungsfähigkeit und einen Weg aus der Rathaus-Krise zu zeigen.