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| 20:30 Uhr

Wölfe in der Lausitz
Drei Wolfswelpen in der Fotofalle

Die jungen Wölfe im Wald zwischen Gulben und Zahsow sind der Nachweis dafür, dass in der unmittelbaren Nähe von Cottbus ein Wolfsrudel sesshaft geworden ist. Die Raubtiere haben die Lausitzer Kulturlandschaft nicht nur erstaunlich gut angenommen. Sie rücken den Menschen immer stärker auf den Pelz.
Die jungen Wölfe im Wald zwischen Gulben und Zahsow sind der Nachweis dafür, dass in der unmittelbaren Nähe von Cottbus ein Wolfsrudel sesshaft geworden ist. Die Raubtiere haben die Lausitzer Kulturlandschaft nicht nur erstaunlich gut angenommen. Sie rücken den Menschen immer stärker auf den Pelz. FOTO: Fotofalle
Cottbus/Kolkwitz. Aufnahmen beweisen: Bei Cottbus ist ein weiteres Wolfsrudel sesshaft geworden. Von Kathleen Weser

Eine Fotofalle im Wald zwischen Gulben und Zahsow (Spree-Neiße) hat den Beweis geliefert: In unmittelbarer Nähe der Stadt Cottbus ist ein Wolfsrudel sesshaft geworden. Drei Welpen hat die Kamera einer Jagdgemeinschaft an zwei Tagen der vergangenen Woche an einem Vormittag und einem frühen Abend abgelichtet. Die Wolfsjungen sind zweifelsfrei Nachwuchs des laufenden Jahres und dürften – naturgemäß im August – jetzt die Wolfsschule besuchen. Denn die Eltern lehren sie nun das Jagen.

Bisher waren alle Experten davon ausgegangen, dass der Wolf die Gegend hier lediglich durchwandert oder temporär bejagt hat. Denn mehrere nachgewiesene Rudel leben um Cottbus. In der Lieberoser Heide, bei Bärenklau, in Teichland, Hornow, Großräschen, Grünhaus, in der Ruhlander Heide, in Zschorno und Müllrose ist der Wolf amtlich dokumentiert.

Im Mai war in Gulben nur etwa hundert Meter von einem Spielplatz ein Stück Damwild gerissen worden. Der Kehlbiss und auch das Vertilgen des erlegten Tieres vom Hinterteil beginnend waren als typisch für den Wolf eingeschätzt  worden. Material für gentechnische Untersuchungen, die Aufschluss über die Herkunft des Raubtieres geben können, hatte der Rissgutachter entnommen. Über die Ergebnisse ist vor Ort noch nichts bekannt geworden, bestätigen die heimischen Jäger. Von der für die Wolfsnachweise zuständigen Behörde, dem Landesamt für Umwelt in Cottbus, ist am Montag noch keine Auskunft zu erhalten gewesen.

Die Jäger, die nunmehr den Nachweis über die sesshafte Wolfsfamilie auf dem Terrain der Gemeinde Kolkwitz nahe des Flugplatzes Cottbus liefern, zeigen sich davon selbst völlig überrascht. Einzeltiere hatte die Fotofalle zuvor schon öfter dokumentiert. Nachwuchs nicht.

Die Weidmänner schwanken zwischen Freude und größter Sorge – äußern sich bewusst nicht namentlich. Denn in der Lausitz sind die Fronten zwischen Naturschützern und Weidmännern verhärtet. Jäger und Nutztierhalter fordern die Schutzjagd auf den Wolf, weil das Raubtier keine natürliche Feinde hat und der Zivilisation immer näher kommt. Sie halten es längst für geboten, den strengen Naturschutz-Status zu beenden und die Population gezielt zu reduzieren. Zudem steht für die Jägerschaft die Frage, ob die Lausitzer Wölfe wirklich echte Wölfe sind oder Hybride  – also Kreuzungen von Hund und Wolf.  Damit erklären sich auch geplagte Weidetierhalter  das eher untypische Verhalten der Raubtiere. Dazu gehört das Reißen von Kälbern, die eigentlich nicht auf dem Speiseplan des Wolfes stehen. Naturschützer bestreiten, dass der Wolfsbestand schon so groß ist, dass das wieder heimische Wildtier gefährlich werden könnte. Die Jäger sind für sie längst zum Feindbild geworden.

Den Jagdpächtern des Gebietes, in dem nun von einem weiteren Lausitzer Rudel auszugehen ist,  stößt das bitter auf. Sie bestätigen mit ihren Erfahrungen in Wald und Flur: Die Wölfe zeigen wenig Scheu und trauten sich bis an Ortsgrundstücke heran. Die Wildtiere durchstreifen nun auch die Kolkwitzer Gegend – Tag und Nacht.