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Cottbus früher & heute
Drei Wohnhäuser in der Louisenstraße

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
COTTBUS. Schon mehrfach ist die Louisenstraße – die heutige Virchowstraße – in der Serie „Cottbus früher & heute“ aufgetaucht. Diesmal schauen richtet sich der Blick auf drei Gebäude der Südseite. Es sind die Häuser Nummer 14, 15 und 16. Von Dora Liersch

Letzteres – auf den Bildern rechts zu sehen – ist das älteste und breiteste dieser drei Bauten. Der Cottbuser Architekt Paul Sack (1879 bis 1949) war Eigentümer dieses Grundstückes und gleichzeitig Bauherr des Hauses.

Im Mai 1905 wurde der Bauantrag eingereicht und Anfang 1906 sollte der Bau fertig sein. Die Bauleitung und die Bauausführung lagen in den Händen des Architektur- und Baubüros von August Patzelt. Interessant ist die architektonische Lösung des relativ breiten Gebäudes mit seinen neun Achsen. Die mittelste Achse bildet den Hauseingang, darüber sitzt ein zweigeschossiger Erker, der in der dritten Etage mit einem Balkon seinen Abschluss findet. Darüber betont ein Zwerchgiebel mit figürlichem Schmuck (Meerjungfrauen) diese Mittelachse des Hauses.

Oberhalb und seitlich der Haustür, die noch aus der Bauzeit stammt, zieren halbplastische weibliche Akte die Hauswand. Abwechslungsreich sind ebenfalls die Balkone der ersten bis dritten Etage, die sich über den Erdgeschossfenstern der ersten/zweiten Achse, sowie der achten/neunten Achse befinden. Damit wird eine gesteigerte Aufmerksamkeit für dieses Haus erreicht. Sparsame Stuckelemente sind dem Barock, der ausgehenden Kaiserzeit und dem Jugendstil entlehnt. Diese Mischung von Baustilen an einem Gebäude nennt man Eklektizismus.

Im Innern des Hauses, obwohl es in den 1990er-Jahren umfassend modernisiert wurde, sind die Treppenanlage, Terrazzofußböden und Wohnungstüren noch bauzeitlich. Inzwischen ist auch die graue Fassade renoviert worden. Von dem satten dunklen Rot als Grundfarbe heben sich die Balkone mit ihren Brüstungen, die Stuckelemente und die senkrechten Putzbänder in einem hellen gelblichen Farbton deutlich ab.

Das Gebäude war ein reines Mietshaus – natürlich für gehobene Ansprüche, schließlich gab es von der Hofseite zusätzlich eine Treppenhausanlage für das Dienstpersonal. Paul Sack verkaufte das Haus später. Im Jahr 1921 war es im Besitz des Reserve-Lokomotivführers Martin Borloch, der es auch noch 1940 besaß.

Das linke Nachbargebäude ist die Virchowstraße 15. Es ist das jüngste dieser drei Häuser. Die Baugenehmigung gab es im Sommer 1911. Der Kohlehändler Wilhelm Haag, der eigentlich Stopfmeister war und in der Petersilienstraße wohnte, lies das Mietshaus errichten. Der Architekt war Walter Plath, der sich erst 1911 mit seinem Architekturbüro in Cottbus selbstständig gernacht hatte. Bauausführende Firmen waren Hermann Pabel & Co sowie Otto Nickel.

Dieses Haus ist sieben Achsen breit und symmetrisch gegliedert. Mittig befindet sich die rundbogige Eingangstür, seitlich gerahmt durch Pilaster mit plastischen Früchtegebinden. Über dem Türsturz befindet sich eine Volutenkartusche mit einem vollplastischen Kopf. Das Gurtgesims zum ersten Obergeschoss wird als Überdachung für den Kopf beziehungsweise die Maske geschweift weitergeführt. In der zweiten und sechsten Achse gibt jeweils in den drei Obergeschossen Erker mit eigenen Dachabschlüssen. Zwei Putzbänder mit Stuckelementen im ersten und dritten Obergeschoss betonen die sonst schlichte Architektur dieses Hauses.

Im Jahre 1921 ist das Haus im Besitz des Telegrafensekretärs Max Fischwasser. Er wurde zum Telegrafen-Inspektor befördert und war laut Cottbuser Adressbuch von 1940 immer noch Hauseigentümer.

Links folgt das Haus Nummer 14. Die Bauerlaubnis wurde im Frühjahr 1911 erteilt worden. Bauherrin war die Rentierwitwe Auguste Kockrow, der Architekt Walter Plath und die bauausführenden Firmen waren Otto Nickel und Hermann Pabel & Co. Auch dieses Haus ist sieben Achsen breit. Mittig des Hauses befindet sich der Hauseingang mit einer Rundbogentür. Der Eingang ist portalartig gefasst und wird zu beiden Seiten von Pilastern mit Kastanienlaub gerahmt. Ein mit stilisierten Akanthusblättern und einem Frauenkopf verzierter Rundbogen verbindet die Pilaster. Das erste und zweite Stockwerk sind gestalterisch durch Mauerblenden zusammengefasst und zwischen den Fenstern befinden sich gerahmte Medaillons mit pflanzlichem Zierwerk. Das obere Stockwerk ist als Fachwerk ausgeführt und trägt mittig einen Dreiecksgiebel.

Auch dieses Haus wirkt harmonisch mit seinen beiden Erkervorbauten über die erste bis dritte Etage, die mit kleinen Segmentgiebeln abschließen. Dieses sandfarbene Haus ist mit seinen floralen Mustern eine besondere Zierde, zumal auch im Hausflur die Decke mit Kastanienblättern ausgemalt ist.

Das Haus blieb im Familienbesitz. Im Jahr 1940 war der Eigentümer Hermann Kockrow.

Welche Baumart zur Zeit der alten Postkartenaufnahme auf der Südseite der Louisenstraße stand, lässt sich schwer sagen. Heute stehen vor den Häusern Amberbäume, die besonders zur Herbstzeit mit ihren grünen, gelben und roten Blättern noch einmal eine besondere Farbenpracht entwickeln. Damit lenken sie allerdings von den stattlichen Hausfassaden ab.