Von René Wappler

Kinder zählen das Schwimmbad Lagune, die eigenen vier Wände und das Kino zu ihren Lieblingsorten. Lehrer hingegen halten sich gern in ihrem Garten auf. Das ergibt eine Umfrage der Erich-Kästner-Grundschule. Die Jungen und Mädchen haben einen Stadtführer von Kindern für Kinder zusammengestellt. Ihn präsentierten sie in dieser Woche im Cottbuser Stadthaus.

Drei Jahre lang hat sich die jetzige sechste Klasse mit dem Stadtentdecker-Projekt befasst. Die ursprüngliche Idee dafür stammt von der Brandenburgischen Architektenkammer. Demnach verfolgt das Projekt das Ziel, Stadtplanern „den Blick zu öffnen für die Sicht der Kinder und Jugendlichen, die die Stadt als nächste Generation bewohnen werden“.

Der Cottbuser Architekt Christoph Schulze vom Büro Mayerwittig betreute die Schüler in den vergangenen drei Jahren. „Wir haben viel erlebt und viel gearbeitet“, sagt er. „Die Idee eines Stadtführers von Kindern für Kinder war allerdings nicht von Anfang an da, sondern sie entwickelte sich aus dem Projekt heraus.“ So seien im Ergebnis „90 starke Seiten“ entstanden, die Cottbus aus einem neuen Blickwinkel beleuchten.

Kleine Theaterstücke aufgeführt

Einen Auszug daraus stellten die Schüler auf der Bühne in Form kurzer Sketche vor. Sie spielten eine Stadtführung nach, erzählten von der Arbeit der Feuerwehr und schwärmten vom Angeln an der Mühleninsel.

Die ehrenamtliche Kinderbeauftragte der Stadt Cottbus, Marianne Materna, sagte, sie blicke „voller Hochachtung und Respekt“ auf die Leistungen der Schüler. „Vorhin fragte ich einen Jungen, ob ihm das Projekt der Stadtentdecker gefallen hat“, erklärte sie. „Seine Antwort lautete: Manchmal war es ein bisschen stressig, aber wenn wir alle gemeinsam an einer Sache arbeiten, kann was Großes entstehen.“ Eine Stadt lässt sich nach den Worten von Marianne Materna mit Lernfreude und Neugier entdecken. „Die Welt mit den Augen von Kindern zu sehen, ist eine sehr wichtige Sache.“ Nun werde das Projekt an der Regine-Hildebrandt-Schule fortgesetzt.

Neben dem Stadtführer produzierten die Schüler ein zehnminütiges Video auf Englisch, das interessante Orte von Cottbus beleuchtet. Die Pädagogen wollen es künftig im Unterricht einsetzen.

Zukunft des Stadtführers offen

Was nun mit dem Stadtführer von Kindern für Kinder geschieht, steht derzeit noch nicht fest, wie Architekt Christoph Schulze anmerkt. Er würde sich nach eigenem Bekunden sehr darüber freuen, wenn sich das fertige Werk in einer angemessenen Auflage veröffentlichen ließe. Allerdings fehle es dafür bislang am nötigen Geld. „Vielleicht ändert sich das ja noch“, sagt Christoph Schulze.