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| 02:39 Uhr

Drebkau fühlt sich im Stich gelassen

Wenige Pollen in der Luft genügen, um schwere Allergien auszulösen.
Wenige Pollen in der Luft genügen, um schwere Allergien auszulösen. FOTO: dpa
Drebkau. Drebkau ist die am stärksten ambrosiabelastete Stadt Deutschlands. Die allergieauslösende Staude breitet sich auf Äckern und an Straßenrändern immer weiter aus. Zu einer wirksamen Bekämpfung der Ambrosia fehlen der hoch verschuldeten Stadt das Personal und die finanziellen Mittel. Konkrete Hilfe ist nicht in Sicht. Nicole Nocon

Die Drebkauer fühlen sich vom Land mit ihrem Ambrosia-Problem alleingelassen. Laut einer aktuellen Studie der Freien Universität (FU) Berlin ist Drebkau der Ort in Deutschland mit der größten Gefährdung durch die Pflanze, deren Pollen schwere Allergien auslösen können. Auf aktive Hilfe durch den Bund oder das Land hat die Kommune bisher aber vergeblich gewartet. Erst Ende Juni hatte die Stadt beim "1. Drebkauer Ambrosia-Tag" einen eindringlichen Appell an die Landesregierung gerichtet, Drebkau in ihrem Kampf gegen die allergienauslösende Pflanze zu unterstützen.

Die Hoffnung der Drebkauer, dass die unaufhaltsame Ausbreitung der Ambrosie zu einem Umdenken der Landesregierung führen würde, wurde jetzt erneut enttäuscht. In ihrer Antwort auf die Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Monika Schulze-Höpfner zur Ambrosia-Problematik räumt Potsdam zwar ein, dass in Drebkau eine weitere Verdichtung der Vorkommen zu verzeichnen ist und es dort auch zur weiteren Ausbreitung vor allem auf Landwirtschaftsflächen und entlang von Verkehrswegen kommt. Abgesehen von Mitteln für Arbeits-Fördermaßnahmen, die Projekte zur Erfassung und Bekämpfung von Ambrosia unterstützen sollen, stellt das Land der betroffenen Kommune keine konkreten Hilfen in Aussicht. Der Drebkauer Bürgermeister Dietmar Horke (parteilos) schließt sich der Reaktion von Monika Schulze-Höpfner an, die aus den Antworten auf ihre Anfrage schließt, "dass das Ambrosia-Problem in Potsdam noch nicht angekommen ist." Horke beklagt: "Leider ist mit der Erforschung, Erfassung und Information die Ambrosie nicht zu beseitigen. Noch kein Workshop hat eine Pflanze zum Stillstand oder Verschwinden bewegt." Die Bereitstellung begrenzter Mittel für einfache Maßnahmen (MAE) und den Einsatz chemischer Mittel sei in der stark betroffenen Region nicht ausreichend und könne eigentlich nur den "größten Schmerz lindern".

In der kommenden Woche wird in Berlin ein Kongress zum Thema Ambrosia stattfinden. "Am 11. September werden die Teilnehmer einen Ausflug nach Drebkau machen, um befallene Flächen zu besichtigen. Mir ist nicht bekannt, dass Vertreter der Landesregierung zur Ambrosia-Problematik in Drebkau waren. Ich würde mir wünschen, dass Regierung und Landtag zu uns kämen, um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen, gerade jetzt, wo die allergene Belastung der hier lebenden Menschen am größten ist", sagt Horke.

Tatsächlich hat die Zahl der durch Ambrosia ausgelösten Allergien in der Region stark zugenommen. So behandelt zum Beispiel der Cottbuser Lungenarzt Ulf Gereke Patienten, bei denen die Ambrosia-Pollen Heuschnupfen beziehungsweise asthmatische Beschwerden auslösen. "Die ersten dieser Fälle hatten wir vor sechs oder sieben Jahren in unserer Praxis. Seither kommen kontinuierlich mehr Patienten zu uns, die allergisch auf die Ambrosia reagieren. Schon fünf bis zehn Pollen pro Quadratmeter Luft reichen aus, um allergische Reaktionen hervorzurufen. Der Spätsommer, wenn das Kraut blüht, ist die akute Zeit", sagt Mediziner Gereke.

Zum Thema:
Die Ambrosia artemisiifolia gilt als besonders allergieauslösend. Ihre winzigen Pollen sind besonders aggressiv und können Asthma auslösen. Beheimatet ist die Pflanze in Nordamerika. Durch den globalen Warenverkehr hat sie sich jedoch weit verbreitet und kommt jetzt in vielen Teilen der Welt vor, auch in Europa. Die einjährige Unkrautpflanze vermehrt sich durch Samen, die im Boden bis über 40 Jahre keimfähig bleiben können. Man findet Ambrosia innerstädtisch oft an Vogelfütterungsplätzen, in Neubaugebieten, auf Randstreifen von Straßen und außerorts daneben auf Brachflächen, Stilllegungsflächen, Böschungen von Straßen und Wegen und auf manchen Feldern. Häufig wird sie mit anderen Pflanzen verwechselt. Die Hitliste der Verwechselungen wird von dem Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris) angeführt, der im Gegensatz zur Beifuß-Ambrosie einen unbehaarten Stängel und unterseits deutlich weiß-graue Blätter besitzt. Weitere häufige Verwechselungen erfolgen mit dem Gänsefuß (Chenopodium album) und dem Zurückgebogenen Amarant (Amaranthus retroflexus), die sich aber durch ihre ungefiederten Blätter deutlich unterscheiden. Mehr Infos unter www.ambrosiainfo.de