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| 06:41 Uhr

Invasive Pflanzen
Ambrosia wird im Findlingslabyrinth erforscht

 Eine Methode, Ambrosia zu entfernen, ist das Ausreißen noch vor der Blüte.
Eine Methode, Ambrosia zu entfernen, ist das Ausreißen noch vor der Blüte. FOTO: Rüdiger Hofmann
Steinitz. Koordinator Matthias Hoffmann will im Drebkauer Ortsteil Steinitz die invasive Art mittels heimischer Pflanzen zurückdrängen. Das Experiment soll mehrere Jahre laufen, Ausgang offen. Von Torsten Richter-Zippack

Das geplante Findlingslabyrinth am Radweg zwischen Steinitz und Domsdorf dient neuerdings als Testfläche. Experte Matthias Hoffmann will überprüfen, ob eine besonders invasive, fremde Pflanzenart, das Beifußblättrige Traubenkraut, besser unter der Bezeichnung Ambrosia bekannt, durch die Konkurrenz mittels einheimischer Gewächse reduziert werden kann. Das Projekt, das im Spätherbst 2018 gestartet ist, soll mehrere Jahre laufen. Matthias Hoffmann ist seit dem vergangenen Jahr Brandenburgs Ambrosia-Beauftragter.

Die Entscheidung für die Testfläche ausgerechnet innerhalb tausender Findlinge ist nicht zufällig gefallen. „Die Gemeinde Drebkau ist zum einen die wohl am stärksten von der Ambrosia betroffene Kommune Brandenburgs. Darum lag der Gedanke nahe, dort eine geeignete kommunale Fläche zu suchen. Zum anderen ist das Findlingsareal seit einigen Jahren unberührt und wird gegenwärtig nicht anderwärtig genutzt. Und die unerwünschte Ambrosia ist auch dort reichlich vorhanden“, begründet der Fachmann.

Überrascht habe Hoffmann, dass sich inmitten der größeren und kleineren Steine auch ohne Nutzung des Areals noch jede Menge der invasiven Pflanzenart dort befinden. Mit ersten Ergebnissen bezüglich des Experiments sei frühestens zum Ende dieses Jahres zu rechnen. Denn die Ambrosia blüht und fruktifiziert erst im Hochsommer.

 Matthias Hoiffmann ist Brandenburgs Ambrosia-Beauftragter. Er kümmert sich auch um die Testfläche in Steinitz.
Matthias Hoiffmann ist Brandenburgs Ambrosia-Beauftragter. Er kümmert sich auch um die Testfläche in Steinitz. FOTO: privat

Die Entscheidung, eine Testfläche in Steinitz zu etablieren, sei im Rahmen des interministeriellen Arbeitskreises „Ambrosia“ getroffen worden. In diesem Gremium sind Vertreter aller involvierten Ressorts, ebenso der betroffenen Kommunen, vertreten. Die Experten sollen die Situation einschätzen und Maßnahmen festlegen. Im vergangenen November wurde in Zusammenarbeit zwischen der Koordinierungsstelle und dem Landesamt für Umwelt ein Vorhaben zur Bekämpfung der Ambrosia auf einer stark belasteten Fläche durch Begrünung beschlossen. Letztendlich fiel die Wahl auf das Findlingslabyrinth.

Die Gemeinde Drebkau gilt deshalb so stark von der Ambrosia vereinnahmt, da dort in den 1970er-Jahren mit diesen Pflanzen belasteten Sonnenblumensaatgut aus Ungarn eingeschleppt wurde, erklärt Matthias Hoffmann, der Diplom-Agraringenieur ist und sich seit vielen Jahren mit vom Menschen eingeschleppten, nicht einheimischen Pflanzenarten befasst. Wissenschaftler sprechen dabei von Neophyten. Heute ist Hoffmann beim Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für Ernährung und Landwirtschaft (LELF) tätig.

Nach Angaben der Drebkauer Stadtverwaltung gibt es inzwischen keinen Ortsteil mehr, der nicht von der Plage betroffen ist. Besonders reichlich wächst die Ambrosia bei Siewisch und Domsdorf. „Es existiert kaum noch ein Straßenrand, wo diese Pflanzen nicht vorkommen“, resümiert ?? aus dem Drebkauer Rathaus.

Inzwischen gilt laut dem LELF die gesamte Region zwischen Forst im Osten und Calau im Westen als Schwerpunktgebiet. Dort kommt die Ambrosia an vielen Straßenrändern und auf zahlreichen Ackerflächen mehr oder weniger stark vor. Darüber hinaus gibt es in Brandenburg eine weitere Häufung rings um Berlin und Potsdam. Dabei handelt es sich laut Matthias Hoffmann allerdings um begrenzte Vorkommen, deren Ursprung sich meist zurückverfolgen lässt.

Bislang breitet sich der ursprünglich aus Nordamerika stammende Neophyt noch immer aus, jedoch nicht explosionsartig. „Diesen Trend umzukehren, ist eine Sisyphusarbeit, die langwierig und schwierig ist“, weiß Hoffmann. Mehr noch: „Ganz ausrotten können wir die Ambrosia im Schwerpunktgebiet wohl nicht mehr, aber auf ein erträgliches Maß reduzieren.“ Nicht zuletzt gelte es, die Weiterverbreitung zu verhindern. Dazu müssen die beschlossenen Maßnahmen eine konsequente Umsetzung erfahren.