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| 02:33 Uhr

Dralefant Esmeralda hilft Kindern psychisch kranker Eltern

Doris Klinke-Schulze mit Esmeralda.
Doris Klinke-Schulze mit Esmeralda. FOTO: Elsner
Cottbus. Deutschlandweit zwei bis drei Millionen Kinder haben mindestens einen Elternteil, der unter einer psychischen Erkrankung leidet. Jährlich machen in der Bundesrepublik 175 000 Kinder die Erfahrung, dass sich die Mutter oder der Vater in eine stationäre psychiatrische Behandlung begeben muss. Ulrike Elsner

"Auch in der Familienberatungsstelle der Jugendhilfe Cottbus melden sich immer mehr Betroffene", berichtet Diplom-Psychologin Doris Klinke-Schulze. Ihre Erfahrung besagt: "Die Kinder psychisch kranker Eltern sind selbst gefährdet, eine entsprechende Störung zu entwickeln."

Seit 15 Jahren macht die von Doris Klinke-Schulze geleitete Gruppenarbeit diese Kinder stark, indem sie ihre Fragen beantwortet, die Erkrankung der Eltern kindgerecht erklärt und ihnen das Wissen vermittelt, wie sie mit den "schwierigen Tagen" von Mama und Papa umgehen können.

In den vergangenen Jahren war "Bommi der Bär" Symbolfigur des in der Cottbuser Beratungsstelle entwickelten Programms. Inzwischen hat sich die Gruppentherapie weiterentwickelt. Grundlage dafür ist das Handbuch "Esmeralda - Wie geht es Dir?" von Isabel Böge und Anette Williamson. Die nächste Gruppenarbeit mit zehn Terminen jeweils am Donnerstagnachmittag ist für Februar bis Mai 2017 geplant. Vorgespräche, die in der Regel mit Eltern und Kindern geführt werden, sollen im Herbst beginnen.

Erfahrungen fließen ein

"Natürlich fließen in unsere Vorbereitungen viele Details aus den gelungenen Gruppenarbeiten der letzten Jahre ein", versichert die Mitarbeiterin der Erziehungs- und Familienberatung. Ziel der Einrichtung sei es, mit dem Programm möglichst viele Kinder zu erreichen. Aus diesem Grund geht die Psychologin auch frühzeitig mit dem Angebot an die Öffentlichkeit. "Vielleicht werden Nachbarn oder Freunde der betroffenen Eltern darauf aufmerksam und geben ihnen den Tipp, dass sie bei uns anrufen können", sagt Doris Klinke-Schulze.

Hauptakteur neben der Therapeutin ist der Dralefant Esmeralda. Eine eigens für das Programm angefertigte Künstlerpuppe vereint den für einen Elefanten typischen Rüssel und seine riesigen Ohren mit Tatzen und Schwanz eines Drachen. "Die Kinder haben Esmeralda sehr ins Herz geschlossen", berichtet Doris Klinke-Schulze.

Geschichten und Übungen

Anhand von Geschichten über Esmeralda, deren Mutter psychisch krank ist, und Pipo, dem kleinen Berater, werden mögliche Themen und Schwierigkeiten im Leben eines Kindes mit einem psychisch erkrankten Elternteil altersgerecht erklärt.

Die einzelnen Geschichten werden durch praktische Übungen ergänzt, in denen die Kinder auf spielerische Art eigene Handlungsstrategien im Umgang mit der Erkrankung der Eltern erlernen können.

"Manche Kinder übernehmen schon sehr früh viel Verantwortung in der Familie oder geben sich gar selbst die Schuld an der Situation", weiß die Psychologin. Nicht selten geraten sie dabei in eine Überforderung, die dazu führen kann, dass sie selbst psychische Probleme bekommen.

Dem soll das ebenso spielerisch wie erlebnispädagogisch angelegte Gruppenangebot "Esmeralda - Wie geht es Dir?" vorbeugen. Dafür sorgt die Freude am gemeinsamen Spiel genauso wie die Vermittlung von Wissen zur psychischen Erkrankung der Eltern, der Austausch mit Gleichaltrigen und die erlernte Fähigkeit, konstruktiv mit schwierigen Tagen umzugehen.

Zum Thema:
"Esmeralda - Wie geht es Dir?" ist eine Gruppentherapie für Kinder psychisch kranker Eltern. Sie richtet sich an Kinder von sechs bis zwölf Jahren und findet von Februar bis Mai 2017 an zehn Donnerstagnachmittagen im Familienhaus Am Spreeufer 14/15 in Cottbus statt. Parallele oder sich anschließende Elternarbeit wird angeboten. Die Gruppengröße ist auf vier bis acht Kinder begrenzt. Anmeldungen werden unter Telefon 0355 5296731 entgegengenommen.