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| 14:25 Uhr

Cottbus früher & heute
Von Lausitzer Bierstuben über Bäckerei bis Bestattungsanstalt

Die Lausitzer Straße, Ecke Taubenstraße auf einer alten Postkarte.
Die Lausitzer Straße, Ecke Taubenstraße auf einer alten Postkarte. FOTO: Hans Krause
Cottbus. Stadthistorikerin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Lausitzer Straße 1 bis 3 anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

An das Eckhaus an dieser Straßenkreuzung wird sich kaum noch jemand erinnern können, obwohl es den Bombenangriff am 15. Februar 1945 überstand, wenn auch mit Schäden, die die Druckwellen der gerade in dieser Gegend reichlich abgeworfenen Bomben verursacht hatten. Wir befinden uns an der heutigen Straßenecke Tauben-, Adolph-Kolping-Straße. Dieses Eckgrundstück wechselte mehrmals die Numerierung und auch die Zugehörigkeit zur Straße, mal zur Taubenstraße, da war es die Nummer 27 und mal zur Tiegelstraße, wie die Kolpingstraße,. Wilhelm-Külz-Straße, oder Lausitzer Straße vor 1893 hieß.

Der Spinner Johann Haschock stellte im Jahre 1875 den Antrag, auf diesem Grundstück ein neues Wohnhaus und zwei Ställe errichten zu dürfen, die Bauten sollten 1877 fertig sein. Die alte Ansichtspostkarte zeigt diese Bebauung. Fünf Achsen breit entlang der Taubenstraße, drei Achsen entlang der Tiegelstraße einschließlich des Hauseinganges, sowie eine einachsige abgeschnittene Hausecke. Dazu zweieinhalb Etagen hoch. Das Gebäude mit schlichtem Putz, die untere Etage verziert. Die Fenster der ersten Etage mit besonderer Putzumrahmung geschmückt. Es war ein typisches Eckhaus aus jener Zeit. Der Hauseigentümer wohnte selber im Haus, hatte aber auch Wohnraum vermietet. In der untersten Etage hatte sich ein Restaurateur eingemietet. Das war Friedrich Schlodder. Welchen Namen die Gaststätte zuerst hatte, ist nicht überliefert. Friedrich Schlodder erwirbt nach dem Tode von Johann Haschock das Grundstück und als er Privatier werden kann, verpachtet er die Gaststätte unter seinem Namen an einen Restaurateur. So heißt es 1904 „Fr. Schlodder’s Restaurant, Inh. Arthur Wolff, Bier- & Garten-Local. Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg übernimmt Arthur Wolff die Gaststätte Neustädter Straße 14. Die Gasträume in der Lausitzer Straße 1 bleiben aber nicht leer. Margarete Schlodder ist die neue Inhaberin, und sie nennt ihr Restaurant „Lausitzer Bierstuben“. Ein Restaurateurwechsel findet zum Ende der 1920er-Jahre statt, wohl ist Frau Schlodder Eigentümerin des Hauses, aber die Gaststätte betreibt Heinrich Paul und er nennt das Restaurant „Augustinerklause“, obwohl es kein Kloster in der Nähe gab, und zu dieser Zeit noch gar keine Kirche gegenüber stand. Im Adressbuch von 1940 ist Margarete Schlodder noch Eigentümerin der Lausitzer Straße 1, aber sie wohnt nicht mehr im Hause. Die „Augustinerklause“ hatte bereits um 1932 der Restaurarteur Arnold Pollack übernommen. Nach 1945 wurde die Gaststätte nicht mehr eröffnet und das Haus wurde abgerissen. Das Grundstück wurde nicht mehr bebaut.

Auf dem Nachbargrundstück, Lausitzer Straße 2 hatte der Bäckermeister Alois Pache im Jahre 1875 ein Wohn- und Backhaus, sowie einen Stall und ein Waschhaus neu erbaut. Das Gebäude sieht dem Nachbarhaus im Baustil sehr ähnlich. Es ist sechs Achsen breit mit zwei Eingangstüren. Später wird ein Schaufenster zur Straßenseite ausgebrochen. Vom Bäckermeister Alois Pache, dem Firmengründer von 1875, geht der Betrieb auf den Bäckermeister Max Pache über, und unter diesem Namen war die Bäckerei viele Jahrzehnte bekannt. Heute ist das Haus ordentlich saniert und der Bäckermeister Andreas Heinrich ist mit seinem Backwarenangebot unter der Adresse Adolph- Kolping-Straße 2 sehr beliebt.

Auf der alten Ansichtskarte ist auch noch ein kleines älteres Haus zu sehen. Das war die Nummer 3. Das Haus hatte der Tischlermeister Gustav Haase erbauen lassen, etwa zur selben Zeit wie die Nachbargebäude. Zum 1. April 1881 eröffnet er ein Bestattungsgeschäft, das heißt, er stellt selber als Tischlermeister Särge her, übernimmt auch alle Aufgaben für Beisetzungen. Bereits 1886 muss er sein Wohnhaus umbauen, braucht er ein Magazingebäude. Haase-Nachfolger wird der Tischlermeister Karl Bremer. Er lässt auch den Verkaufsraum umbauen und mit großen Schaufenstern versehen. Über den Fenstern steht als Werbung für das Beerdigungsinstitut: „G.Haase Nachf. Inh. K. Bremer“. Auch die ersten Jahre nach 1945 stehen noch Särge hinter den Schaufenstern, dann konzentrieren sich die Bestattungsangelegenheiten auf wenige Firmen. Bremer ist nicht mehr mit dabei. Der Laden bleibt leer, wird nicht mehr vermietet, das Haus wird abgerissen, die Fläche neu bebaut.

Die Lausitzer Straße heute
Die Lausitzer Straße heute FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch