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Döbbricks Kirchendiener nimmt nach 40 Jahren Abschied

Jede Menge Erinnerungen hat Richard Matusch beim Blick auf die Geschichtstafel der Döbbricker Kirche.
Jede Menge Erinnerungen hat Richard Matusch beim Blick auf die Geschichtstafel der Döbbricker Kirche. FOTO: Georg Zielonkowski/ski1
Cottbus. Nicht nur, weil er in direkter Nachbarschaft der Evangelischen Kirche von Döbbrick sein Zuhause hat, ist Richard Matusch von Geburt an ganz eng mit dem Gotteshaus verbunden. Taufe, Konfirmation, Trauung und die Jubiläumshochzeiten fanden unter dem Dach der 1911 eingeweihten Kirche statt. Doch gingen die Kontakte zur Kirche beim heute 90-jährigen weit darüber hinaus. Georg Zielonkowski/ski1

"Ich erinnere mich natürlich noch immer das Jahr 1940, in dem ich von Pastor Saretz konfirmiert wurde. Nach meiner Rückkehr aus der Gefangenschaft 1949 gehörten wir noch sieben Jahre lang verwaltungstechnisch zur Cottbuser Klosterkirch-Gemeinde, erst danach wurden die Dörfer aus dem Norden und Osten von Cottbus zusammengefasst und bildeten einen eigenen Sprengel. In 1956 wurde ich dann in den Döbbricker Gemeindekirchenrat gewählt", so der Rückblick des Seniors. Nahezu jedes Ereignis, jede Besonderheit rund um die Döbbricker Kirche kann er exakt mit den entsprechenden Jahreszahlen dekorieren. So weiß er genau, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem Gemeindekirchenrat gemeinsam mit Nachbar Paul Laschke die Dienste des Kirchendieners ausübte. Ab 1974 war er dann alleiniger Küster in der Döbbricker Kirche. Kürzlich am Silvesterabend verrichtete er letztmalig diesen Dienst. Noch einmal heizte er vier Stunden vor dem Beginn des Abschlussgottesdienstes die Kirche an, wieder bediente er pünktlich den Schalter für die Inbetriebnahme der Kirchenglocken, die Beleuchtung war einzuschalten und letztmalig trug er nach dem Gottesdienst in der Sakristei verschiedene Zahlen ins Kirchenbuch ein. "Die anwesenden Leute sind stets für diese Statistik zu zählen und die Kollekte samt des vorgesehenen Verwendungszwecks einzutragen", skizzierte der stets akkurat und zuverlässig arbeitende Helfer die sonntäglichen Aufgaben seines Dienstes.

Doch nicht nur im Rahmen dieses Amtes, dass alle zwei Wochen sonntags auszuüben war, war Richard Matusch ein unverzichtbarer Helfer bei allen baulichen Angelegenheiten. Der wohl wichtigste und zugleich umfangreichste Umbau des im Barocken Jugendstil errichteten Gotteshauses fand 1974 statt. Er selbst hatte sich unter anderem um die Rekonstruierung der Turmuhr bemüht und so die neuen Zeiger selbst angefertigt.

Eine größere bauliche Inventur hat die Döbbricker Kirche für alle sichtbar im letzten Herbst erlebt. "Manches habe ich dabei für unnötig gehalten, denn ich glaube, dass zum Beispiel die 105 Jahre alten Dachsteine gut und gern noch weitere hundert Jahre gehalten hätten", schränkt der stets auch auf einen sinnvollen Umgang mit den Finanzmitteln bedachte Senior ein. Von seinem Fenster aus hat er die Bau- und Malerarbeiten des Vorjahres täglich beobachtet. Und dabei zunächst Bedenken wegen der Farbauswahl gehabt. "Aber als die Farbe dann richtig ausgetrocknet war, sah das Ganze schon viel besser aus. Mir gefällt das neue äußere Bild unserer Kirche jetzt wirklich gut", gibt er sich zufrieden.

Weniger erfreut ist er freilich über den immer schwächer werdenden sonntäglichen Kirchbesuch der Döbbricker: "Aber die jungen Leute sind vielleicht durch die heutige moderne Zeit von den vielen Einflüssen zu sehr abgelenkt und vernachlässigen das Wesentliche - schade ist das!"

Gut leben kann Richard Matusch dagegen mit einer Besonderheit, die mit seinem Nachnamen zu tun hat. Obwohl sich dieser, wie die bei vielen anderen Mattuschs in Döbbrick und Skadow in der Mitte mit zwei "t" schreiben müsste. "Aber als ein Standesbeamter bei Ausfüllen der Papiere diesen Schreibfehler gemacht hatte und wir das zu spät bemerkt hatten, blieb es dann bei dieser eigentlich falschen Schreibweise. Aber auf diesem Weg bin ich ein einmaliger Matusch geworden", zeigt er sich amüsiert.