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| 15:53 Uhr

Woklapnica
Dissen will auf Bundesebene punkten

 Mehr als 50 sorbisch-wendische Namensschilder wurden an die Hofbesitzer ausgegeben.
Mehr als 50 sorbisch-wendische Namensschilder wurden an die Hofbesitzer ausgegeben. FOTO: Marion Hirche
Dissen. Woklapnica gilt als Auftakt für die Vorbereitungen zur Teilnahme am Wettstreit „Unser Dorf hat Zukunft“.

Kein Stuhl bleibt im Saal des „Wendischen Hofs“ in Dissen leer: Bürgermeister Fred Kaiser hat am Samstag zur alljährlichen Woklapnica eingeladen. Die große Resonanz wundert nicht: Dissen gewann 2018 den Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ und wird das Land Brandenburg jetzt beim Bundeswettbewerb vertreten.

„Wir hatten uns bereits 1990 erstmals in diesem Wettbewerb beworben“, erzählt Kaiser. Seitdem sei Dissen dreimal Kreissieger geworden und habe jedes Mal dazugelernt. Im September 2018 gelang der große Wurf mit dem Sieg im Landeswettbewerb. „Das war nur durch die große Unterstützung aller im Dorf möglich“, sagt Kaiser. Beim Dorf­rundgang der Jury waren ganz viele Einwohner aktiv dabei, was den Juroren gefallen habe. „Der Dorf­rundgang muss Eindruck hinterlassen. Das haben wir geschafft“, sagt der Bürgermeister.

Punkten konnte Dissen auch mit seinen Alleinstellungsmerkmalen, zu denen die Gestaltungssatzung, die Leitbilddiskussion Dissen 2030 sowie die intensive Pflege der sorbisch/wendischen Traditionen gehören. „In Dissen wird unser Brauchtum vorbildlich gepflegt, es gibt hier so viele Vereine wie nirgendwo anders, die sich mit dem Sorbisch/Wendischen befassen“, bestätigt Marcus Koinzer, stellvertretender Geschäftsführer der Domowina. Ganz besonders lobenswert ist aus seiner Sicht, dass es immer wieder auch gelingt, auch junge Menschen zu gewinnen.

Mit einer Aktion trumpfte die Domowina auch bei der Woklapnica auf: Mehr als 50 Schilder mit den Hofnamen in wendischer Sprache wurden an die aktuellen Inhaber ausgegeben. „Wir wohnen seit 25 Jahren auf dem Hof, haben viel saniert und immer versucht, die Tradition zu bewahren“, erzählt Heike Noack, die in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses in Dissen zuhause ist. „Unsere beiden Kinder haben Wendisch gelernt und wollen hier bleiben. Deshalb ist es uns eine Ehre, dass wir dieses Schild mit dem wendischen Hofnamen Maznikojc bekommen“, sagt sie. Auch Zuzügler Jürgen Remus, der in die Dorfstraße 1 wohnt, freut sich über sein Hofnamenschild „Musyc“.

Nico „Paul“ Kossack bedankte sich als neuer Vorsitzender des Sportvereins Grün-Weiß Dissen bei seinem Vorgänger Nico Jarick. Steffen Marrack von der Freiwilligen Feuerwehr berichtet über die bewilligten Fördermittel für die Gestaltung des Vierseitenhofes im Dorfkern zum Feuerwehrhof, Anne Jahn vom Kräutergarten lobt das wachsende Miteinander mit der frühmittelalterlichen Freilichtanlage „Stary lud“ und dem Heimatmuseum.

Bürgermeister Fred Kaiser kündigt an, dass Dissen um den Sieg im Bundeswettbewerb kämpfen wird und sich Ratgeber im Land suchen will. Zu den ersten prominenten Unterstützern gehört Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD), die an der Woklapnica teilnimmt. „Wir würden Dissen am liebsten eingemeinden“, sagt der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU).

(jul)