(jum) Seit 17 Jahren steht Sonja Ruben in der Beratungsstelle der Volkssolidarität regelmäßig mit älteren Cottbusern in Kontakt. Hier bekommt sie auch mit, dass sich mehr und mehr von ihnen in finanziellen Nöten befinden. „Solange die Leute verheiratet sind, funktioniert es noch“, erzählt sie. Häufiger seien hingegen Menschen von Armut betroffen, die länger alleinstehend sind. „Mit nur einer Rente und dazu noch Miete ist es schon schwierig, klarzukommen“, weiß Ruben. Sogar vor der Obdachlosigkeit habe die Beratungsstelle in Not geratene Menschen schon bewahrt. Überwiegend seien es Frauen, erzählt sie, die sich bei ihr melden.

Auch aus diesem Grund setzt sich der Wohlfahrtsverband Volkssolidarität im Rahmen der Frauenwoche mit dem Thema Armut im Alter auseinander. Als Gäste einer Diskussion am Mittwoch berichten Xaver Ketterl, Referent der Bundesgeschäftsführerin der Volkssolidarität, Kerstin Kircheis (SPD), Vorsitzende des Mieterbundes Cottbus, sowie Kai Noack vom Albert-Schweitzer-Familienwerk, welche Erfahrungen sie auf ihrem Gebiet mit dem Thema Altersarmut gemacht haben. Das überwiegend weibliche Publikum beteiligt sich mit Fragen und Meinungen an der Diskussion. Vor allem die Ungleichheiten zwischen Ost und West sind ein Thema.

Als offiziell armutsgefährdet gelten in Deutschland Menschen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Durchschnittseinkommens verdienen, erklärt Xaver Ketterl zu Beginn. Für Rentner richtet sich die Armutsgrenze hingegen an der Grundsicherung aus, also an einem niedrigeren Satz. „Warum da verschiedene Maßstäbe gesetzt werden, ist mir schleierhaft“, meint Ketterl. Schließlich hätten ältere Menschen besonders mit den Folgen der Armut zu kämpfen. So müssten sie zusätzlich Kosten für Gesundheit und Pflege aufwenden und hätten außerdem weniger Möglichkeiten, Geld zu verdienen. „Im Alter gilt meist: einmal arm, immer arm“, erklärt Ketterl. Noch seien Senioren weniger von Armut betroffen als andere Gruppen – dies könne sich in einer älter werdenden Gesellschaft mit sinkendem Rentenniveau aber bald ändern. Frauen seien zudem besonders von Altersarmut gefährdet, da sie ihre berufliche Karriere häufiger für familiäre Aufgaben unterbrechen und darüber hinaus im Durchschnitt schlechter für ihre Arbeit bezahlt werden.

„Das ist ein Thema, was uns ein bisschen Sorge bereitet“, sagt auch Monika Meißner, die als Beiratsvorsitzende der Volkssolidarität die Diskussion moderiert. Zwischen 2031 und 2036, zitiert sie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, würden etwa 36 Prozent der Ostdeutschen von Armut gefährdet sein. Um dies noch zu verhindern, müsse gehandelt werden. „Die Debatte läuft, aber sie läuft nicht gut genug“, so Meißner.