ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:28 Uhr

Diskussionen um Stadtpromenade

Der Cottbuser Architekt Frank Zimmermann plant diese Form der Würfelbebauung mit transparenten Ladenfassaden und Gründach.
Der Cottbuser Architekt Frank Zimmermann plant diese Form der Würfelbebauung mit transparenten Ladenfassaden und Gründach. FOTO: Frank Zimmermann
Cottbus. Bis zum Samstag können sich Besucher die drei Architektenentwürfe zur Stadtpromenade im Blechen Carré anschauen. Bereits jetzt gibt es mehr als 800 mündliche und hundert schriftliche Anregungen zu den Plänen. Andrea Hilscher

Sie sind dicht umlagert, die drei Entwürfe zur Gestaltung der künftigen Stadtpromenade, und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des Investors und des Architekturprofessors Heinz Nagler haben alle Hände voll zu tun, um im Blechen Carré Bürgerfragen zu beantworten und Anregungen aufzunehmen. Baudezernentin Marietta Tzschoppe (SPD): "Es ist eine sehr sachliche Diskussion, die Menschen setzen sich intensiv mit den Vorschlägen auseinander."

Es gebe viele Cottbuser, die an dem Innenstadt-Standort kein weiteres Einkaufszentrum wollen, dafür neues Stadtgrün und eventuell das "Sternchen" zurück. "Aber es gibt auch viele, die neue Einkaufsmöglichkeiten begrüßen und die Entwürfe ganz toll finden", so Tzschoppe.

Im jüngsten Bauausschuss gab es jedoch auch kritische Stimmen. Dr. Ulrich Schur (Die Linke) fragte nach Details der Planungsanforderungen. "Denn wenn ich mir die drei Entwürfe anschaue, komme ich für das neue Einkaufszentrum zu Verkaufsflächen, die je nach Modell zwischen 4900, 6000 und nicht angegebenen Quadratmetern liegen." Auch die Fragen der Erschließung und der Parkplätze ließen sich aus den gezeigten Modellen nicht wirklich ablesen. "Und genau das waren ja die Knackpunkte, über die wir schon früher immer diskutiert haben." Er erinnert an die damals geplante Belieferung über die Roßstraße. "Das war so eng, da wäre kein Lkw durchgekommen."

Marietta Tzschoppe widersprach: "Wir haben den Architekten in der Aufgabenstellung ganz klare Vorgaben zu den Verkaufsflächen, Anbindung und Parkmöglichkeiten gemacht." Die Verkaufsfläche war mit 5900 Quadratmetern angegeben. Wenn aber die Architekten in größerem Maße als gedacht eine Wohnbebauung vorsehen, müsste sich auch die Zahl der Parkplätze entsprechend ändern. "Das sind alles Fragen, über die wir reden müssen", so die Dezernentin.

Bereits im Vorfeld hatte Altstadtvereinschef Carsten Hajek sich zum geplanten neuen Zentrum geäußert. Aus seiner Sicht muss die neue Verkaufsfläche für die Stadtpromenade deutlich unter 3000 Quadratmetern liegen, auch angesichts der freien Flächen in der benachbarten Spree Galerie. Derzeit sehen die Pläne eine Gesamtverkaufsfläche im ersten und zweiten Bauabschnitt von maximal 20 000 Quadratmetern vor.

Noch bis zum Samstag sammelt eine Arbeitsgruppe, in der Architekten, Stadtplaner, Stadtverordnete und BTU-Professoren sitzen, alle Vorschläge. Marietta Tzschoppe: "Am 24. trifft sich unsere Arbeitsgruppe und werten diese Ideen aus, am 28. September wollen wir, pünktlich zu den Fraktionssitzungen, eine Vorlage an die Stadtverordneten übergeben."

Mario Kaun (Die Linke) sprach die Stimmung an, die vor allem in den Sozialen Netzwerken formuliert wird. "Die Leute wollen gar keinen zweiten Bauabschnitt." Die Bürgermeisterin bekräftigte, dass bei allen Planungen auch die Bedenken der Menschen berücksichtigt werden, die sich weniger Verkaufs- und dafür mehr Grünfläche in der City wünschen. "Aber es muss jedem klar sein", so Tzschoppe, "dass der Grundstückseigentümer auf seiner Fläche Geld verdienen will. Das ist sein gutes Recht."

Eines zumindest hat die Verwaltung jetzt schon entschieden: Die geplante Sanierung des Postparkplatzes, der nach Abschluss der Bauarbeiten am Mischwasserkanal umgestaltet werden sollte, liegt vorerst auf Eis: In den unterschiedlichen Architektenentwürfen gibt es verschiedene Vorschläge für eine bauliche Nutzung des Parkplatzes, um eine engere Verbindung zwischen Spree-Galerie und Blechen Carré zu schaffen und die Innenstadt besser zu strukturieren.

In den Stadtverordnetenversammlungen am 30. September und 28. Oktober soll die Vorlage der Arbeitsgruppe diskutiert und möglichst im Oktober beschlossen werden.

Zum Thema:
Stadt und Investor sind zum Kompromiss gezwungen: Genau vor einem Jahr hoben die Stadtverordneten den Bebauungsplan für die Stadtpromenade auf, ohne den der Grundstücksbesitzer nicht bauen darf. Andererseits ist die Stadt auf seinen guten Willen angewiesen, da er das Baugrundstück ohne Weiteres brachliegen lassen kann.