ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:49 Uhr

Diskussion
„Wenn man so einem Wolf plötzlich gegenübersteht …“

Auf dem Ziegenhof „Zwölf Eichen“ in Gulben gab es am Donnerstagmorgen eine Diskussion zum Thema „Wolf“. Daran nahm auch der Bundestagsabgeordnete Dr. Klaus-Peter Schulze (re.) teil.
Auf dem Ziegenhof „Zwölf Eichen“ in Gulben gab es am Donnerstagmorgen eine Diskussion zum Thema „Wolf“. Daran nahm auch der Bundestagsabgeordnete Dr. Klaus-Peter Schulze (re.) teil. FOTO: Marion Hirche
Gulben. Anwohner machen sich bei Wolfsdiskussion auf dem Ziegenhof „Zwölf Eichen“ in Gulben Luft. Von Marion Hirche

Am Donnerstagmorgen trafen sich 24 besorgte Bürger im „Meck Cafe“ auf dem Ziegenhof „Zwölf Eichen“ in Gulben. Sie alle einte die Angst vor dem Wolf, der in der Großgemeinde Kolkwitz den Menschen sehr nah gekommen ist und in Sichtweite von vielen Weidetieren vermehrt auftritt. „Ich gehe seit 23 Jahren jeden Morgen mit meinen Hunden am und im Wald spazieren. Als die ersten Wölfe auftauchten, fand ich deren Rückkehr noch gut. Diese Meinung hat sich seit letztem Jahr geändert: Am 24. August stand morgens um 6 Uhr ein Wolf direkt vor mir. Wenn man so einem Wolf plötzlich gegenübersteht, bekommt man richtig Angst“, schilderte der Gulbener Landschaftsarchitekt Dietmar Blank seine Erlebnisse. Und er berichtete  weiter: „Am Gulbener Sportplatz tummeln sich die Wölfe, 50 Meter vom Spielplatz entfernt wurden die acht Grauen gesehen und ihre Welpen ziehen sie am Flugplatz auf.“

Jäger Axel Vogt aus Gulbener untersetzte diese Worte: „Auf unseren Wildkameras gibt es hier kein Rehwild mehr, aber es gibt kein Bild mehr ohne Wölfe.“ Sybille Gutschker vom Pferdehof „Forest Hill“ in Kolkwitz kommentierte: „Jeden Tag frage ich mich, ob ich mit meinen Kindern, die auf den Pferdehof kommen, überhaupt noch rausgehen kann in die Natur und bin immer froh, wenn unseren Schafen nichts passiert ist. Die Castlemilk Moorit sind die einzige Herde in Deutschland und sind auch in ihrer Heimat Schottland vom Aussterben bedroht.“

 Angst um seine 100 Tiere und damit um seine Existenz bekundete Ziegenhofinhaber Joachim Schüller: „Nur Dank der Elektrozäune sind wir, glaube ich, bisher von Wolfsattacken verschont geblieben. Aber ich bin davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis hier was passiert, die ungebetenen Vierbeiner schleichen jederzeit an unserem Gehege rum.“ Lutz Brücher, Kolkwitzer Unternehmer, machte seinem Unmut Luft: „Ich kann das Theater um den Wolf nicht nachvollziehen, muss wirklich erst was passieren, bis gehandelt wird?“ Astrid Schramm, Gulbener Einwohnerin, mahnte den Verlust der Artenvielfalt an: „Es gibt keine Dachse, Fasane, Rehe nicht mehr. Damit verliert auch unsere Tourismuslandschaft an Attraktivität“.

Gemeinderatsvorsitzender Hans-Georg Zubiks konnte zu der brisanten Diskussion den Bundestagsabgeordneten Dr. Klaus-Peter Schulze begrüßen. Als Mitglied des Umweltausschusses hat er viele Informationen und Erfahrungen aus erster Hand. In seiner Rede solidarisierte er sich mit den Sorgen der Kolkwitzer und begründete das: „Der Schutzstatus für Tiere wird zwar durch die EU geregelt, aber gerade beim Wolf gibt es zahlreiche Ausnahmeregelungen. Da haben die baltischen Staaten ihr uraltes Recht auf Wolfsabschuss behalten. In Schweden und Frankreich sind jetzt Obergrenzen für Wolfstiere festgelegt worden und darüber hinaus sind die Vierbeiner jagdbar. Der besondere Schutzstatus ist auch nicht mehr gerechtfertigt: Wölfe fressen alles, Wölfe sind nachweislich in der Lage, große Strecken bei der Nahrungssuche zurückzulegen, Wölfe leben überall und sie haben keine natürlichen Feinde. Das sind Gründe, die Zahl von geforderten 1000 fortpflanzungsfähigen Tieren zum Erhalt der Art aufzuweichen. Wir haben diesbezüglich mit Sachsen und Niedersachsen die Initiative im Bundestag ergriffen und fordern Lösungen.“ Allerdings gebe es laut Schulze hier noch viel zu tun. „Die Grünen glauben ja, dass man das Problem mit Zäunen lösen kann, aber das ist einfach Quatsch. Wir fordern eine Obergrenze bei der Tieranzahl, fordern wolfsfreie Zonen in Deutschland und fordern die Wolfsbeseitigung zur Abwendung von Gefahren für den Menschen. Bei Schäden muss es eine 100-prozentige Entschädigung geben“, so der CDU-Politiker.

Die anwesenden Jäger bei der Diskussion meinten, dass es diesbezüglich schon fünf nach Zwölf ist, denn sie wären kaum in der Lage, so viele Wölfe abzuschießen. 2010 gab es in Deutschland sieben Wolfsrudel, 2017 wurden schon 60 Wolfsfamilien gezählt.

Auch die Gemeinde Kolkwitz will sich wehren. „Wir werden im November einen Beschluss fassen, den wir der Landesregierung übergeben wollen. Darin fordern wir Handwerkszeug gegen die Wolfsgefahren“, erklärte der Kolkwitzer Bürgermeister Karsten Schreiber. Der Bundestagsabgeordnete bat darum, diesen Parlamentsbeschluss ebenso zu bekommen und ihn auch an die Bundestagsfraktionen zu senden. Die ebenfalls eingeladene Wolfsbeauftragte des Landes Brandenburg Valeska de Pellegrini sagte ihre Teilnahme an der Diskussion in Gulben ab.