Die RUNDSCHAU hat nachgefragt, wie es jetzt weitergeht.

Bei der Stadtverwaltung war Peter Schirrgott gemeinsam mit der BTU für die Bewerbung verantwortlich. Schirrgott: "Wir haben erst vor ein paar Tagen mit dem Oberbürgermeister überlegt, wie es jetzt weitergehen kann. Die Unternehmer erwarten von uns, dass wir jetzt weitermachen."

Auch ohne die Millionen von Euro, die bei einem Erfolg im Bitkom-Wettbewerb in die Stadt geflossen wären, ist die Digitalisierung aller Lebensbereiche nicht aufzuhalten. Schirrgott: "Wir wollen und werden weiter an den einzelnen Projekten arbeiten. Die Umsetzung wird allerdings ohne das Wettbewerbs-Geld schwieriger." Er sieht ohnehin die Rolle der Stadt vor allem als Moderator. Um diesen Gesprächsfaden aus der Bewerbungsphase wieder aufzunehmen, soll es noch im Frühsommer eine neue Gesprächsrunde mit interessierten Unternehmen und Institutionen geben. Bereits im Frühjahr hatte so eine Veranstaltung viele Anregungen und Ideen hervorgebracht. Aus dieser Runde sollen dann Arbeitsgruppen hervorgehen, die sich um einzelne Teilprojekte kümmern, Als Beispiel nennt Schirrgott die Installation eines Vorfahrtsystems für die Rettungskräfte. Die Idee: Für Feuerwehr und Polizei soll es keine roten Ampeln mehr geben, die die Retter ausbremsen. Ein solches Projekt könne dann beispielsweise in so einer Arbeitsgruppe umgesetzt werden.

Die Stadt Cottbus gehört zwar ebenso wenig wie die zweite ostdeutsche Bewerberin, die Stadt Jena, zu den auserwählten fünf Finalisten um das Millionen-Investment für ein Modellprojekt "Digitale Stadt", soll aber dennoch profitieren. Nicht finanziell, aber in Bezug auf Wissen und Netzwerke. Das bestätigt Christian Kulick, Bereichsleiter Smart City und Smart Regions beim Bundesverband der digitalen Wirtschaft, Bitkom, und verantwortlicher Projektleiter des Wettbewerb "Digitale Stadt". "Wir haben von Anfang an vorgesehen, mit allen Beteiligten weiter zusammenzuarbeiten, unabhängig davon, wer das Rennen macht", sagt Kulick und fügt an: "Am Dienstag wird der Anfang gemacht mit einem Workshop zum Thema Zusammenarbeit von Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche und kommunalen Verwaltungen. Dabei dreht sich alles um die Fragen, was können IKT-Anbieter, was brauchen die Städte und Kommunen, und wie lässt sich das optimal zusammenbringen." 15 Städte haben ihre Teilnahme zugesagt, darunter Cottbus, Jena, Ludwigsburg, Konstanz, Berlin und München.

Zudem hat Holger Kelch geplant, mit dem ehemaligen Mitbewerber Jena künftig partnerschaftlich im Bereich der Digitalisierung zusammenzuarbeiten. Peter Schirrgott: "In dieser Woche wollen wir uns in Jena zusammensetzen und uns darüber austauschen, wie auch ohne den Wettbewerb das Projektmanagement aussehen kann und wie dort an der Digitalisierung gearbeitet wird."

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