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Diese Drachhausenerin braucht jetzt "48-Stunden-Tage"

Antje Lehnitzke sitzt an ihrer Nähmaschine, der Rock muss noch für die diesjährige Fastnacht fertig werden.
Antje Lehnitzke sitzt an ihrer Nähmaschine, der Rock muss noch für die diesjährige Fastnacht fertig werden. FOTO: Marion Hirche/jul1
Drachhausen. Antje Lehnitzke braucht in den nächsten Wochen "48-Stunden-Tage". Neben der Arbeit im Geschäft ihrer Eltern kümmert sie sich bis März um das gute Aussehen vieler Frauen. M. Hirche/jul1

Sie fungiert als Anziehfrau, verleiht Trachten für die jetzt anstehenden Fastnachtsfeierlichkeiten in den Dörfern der Region. Seit 15 Jahren fertigt die heute 39-Jährige Trachtenteile selbst an. Sie näht die Röcke, stickt die Schultertücher und Rockbänder, steckt die Hauben. "In meinem Beruf als Raumausstatter muss ich viel nähen. Das war die Grundlage für mein Hobby." Die junge Frau ist bei Elisabeth und Herbert Jacobik in Burg in die "Schule" gegangen, hat hier fast alles gelernt, was man braucht, um die sorbisch/wendische Tracht herzustellen. "Nur die Polka-Jacke kann ich noch nicht, das kommt ab Mai dran", ist von Antje Lehnitzke zu erfahren. Jetzt werden an den Trachten aber die letzten Nadelstiche gemacht, denn jede Trägerin braucht diese jetzt.

Antje Lehnitzke ist mit Trachten groß geworden. Ihre Oma war Trachtenträgerin. Ihre Mutter hat die Kleidung zu Fastnachten und Erntefesten getragen. Auch als Enkelin profitierte sie vom Fundus der Großmutter. In der Jugendzeit hat sie regelmäßig an Fastnachten und am Erntefest teilgenommen. Auch jetzt noch ist sie mit ihrem Mann bei der Männerfastnacht in Drachhausen dabei. Vor einiger Zeit hat sie die Betreuung der Trachtensammlung in Heinersbrück im Auftrag der Gemeinde übernommen: "Das Museum ist ja geschlossen worden und mir tat diese Sammlung einfach leid, zumal viele Frauen dort ihre Tracht ausgeliehen haben." Seitdem hat sie schon zu vielen Anlässen die wendische Fest-, Kirchgangs- oder Arbeitskleidung ausgeliehen: "Mancher wollte in Tracht zur Hochzeit zur Verwandtschaft jenseits der Elbe fahren, Arbeitskollegen aus Berlin wollten die Kahnpartie regional gekleidet erleben." Mehr als 1000 Teile für Kinder und Erwachsene hat Antje Lehnitzke im Bestand. An den Wochenenden zieht sie jetzt Fastnachtsteilnehmerinnen in verschiedenen Dörfern an. "2016 hatte ich 65 Einsätze von Radewiese bis Kunersdorf als Anziehfrau", verrät die zweifache Mutter. Sie selbst kennt sich im sorbisch/wendischen Brauchtum gut aus. Sie ist Mitglied im Bund sorbischer Handwerker. Auch die Sprache ist ihr nicht unbekannt: "Ich lerne mit den Kindern mit, mein Sohn Tobias geht ins Niedersorbische Gymnasium, auch meine Tochter Sophia lernt die Sprache. Die Kleine hat in der Kita das Hahnrupfen mitgemacht, natürlich in Tracht."

Am Sonnabend beginnt das Fastnachtsgeschehen in der Niederlausitz. Die Burger Jugend startet um 14 Uhr am Festplatz den Fastnachtszug. Für Antje Lehnitzke beginnen die "48-Stunden-Tage".