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Diensttaugliche Oldies

Thomas Pöschke in 1,60 Meter Höhe. Den Korb für den Hubsteiger hat er neu angefertigt. Seine Schlepper sind bei dem Kiekebuscher noch immer im Dienst.
Thomas Pöschke in 1,60 Meter Höhe. Den Korb für den Hubsteiger hat er neu angefertigt. Seine Schlepper sind bei dem Kiekebuscher noch immer im Dienst. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Thomas Pöschke besitzt zwei alte Schlepper. Für den Kiekebuscher sind die kleinen Kraftpakete ganz normale Alltagsgefährte. Dann geht es schon mal mit 28 km/h Höchstgeschwindigkeit zum Einkauf. Peggy Kompalla

DFZ 632/1H und DFZ 632/FK - hinter diesen nüchternen Buchstaben- und Zahlenkombinationen verbergen sich kleine Kraftpakete. Die Schlepper wurden einst für den Dienst in Ziegeleien konzipiert und haben längst ihre beste Zeit hinter sich. Doch beim Kiekebuscher Thomas Pöschke leben sie wieder auf. Er pflegt die Gefährte mit Baujahr 1974 und 1985. In seinem Garten haben sie ein eigenes Dach bekommen. Doch dort stehen sie nicht nur zum Angucken herum. Sie müssen immer noch arbeiten. Und das machen sie vortrefflich.

Der grüne DFZ bewies erst am Wochenende beim Nutzfahrzeugtreffen am Flugplatzmuseum, was er drauf. Bei der Erinnerung lächelt Thomas Pöschke. Eine alte Robur-Feuerwehr verweigerte plötzlich den Dienst und versperrte die einzige Einfahrt zum Gelände. Also fuhr Thomas Pöschke seinen Schlepper vor. "Ich kann elf Tonnen anhängen", erzählt er. So zuckelte der Winzling das dicke Feuerwehrauto aus dem Weg. Das gab ein großes Hallo. Für solche Momente liebt er seine Schlepper. Sie überraschen die Menschen und zaubern Lächeln auf ihre Gesichter. Das macht Thomas Pöschke glücklich.

Seit zwei Jahren ist er mit dem grünen DFZ auch im Straßenverkehr unterwegs. Den Schlepper hat er mit ordentlichen Papieren und Tüv in Zwickau gekauft. "In der ganzen Zeit bin ich noch nicht einmal von der Polizei angehalten worden", erzählt er. Im Gegenteil. "An einer Tankstelle kam mal ein Polizist zu mir und sagte: Mach mal an. Ich will mal hören." Und der Schlepper knattert einfach vorzüglich (zur Hörprobe kommen Sie über den QR-Code am Ende des Textes). Allerdings ist der DFZ auf Dauer so laut, dass Thomas Pöschke einen Hörschutz tragen muss. Das mindert das Fahrgefühl nicht im Geringsten. "Das ist ein unsynchronisiertes Getriebe", erzählt er und schiebt nach: "Der lässt sich nicht hetzen."

Das Gefährt bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 28 km/h. "Obwohl ich so langsam bin, halten die Leute auf der Hauptstraße an und lassen mich aus der Nebenstraße fahren." Seine Ausfahrten sind immer ein Ereignis. Dabei erledigt Thomas Pöschke nicht nur seine Wocheneinkäufe bei Kaufland mit dem Schlepper, sondern tuckelt auch schon mal nach Eisenhüttenstadt. Für die 60 Kilometer über Nebenstraßen brauchte er zweieinhalb Stunden. "Nur so weiß ich doch auch, welche Arbeit sie wirklich leisten", erzählt er. Außerdem könne er so auch einige Anbauten nachvollziehen, die zu DDR-Zeiten ganz unsensibel an die Schlepper gezimmert wurden - wie etwa der Windschutz.

Doch die kommen alle nach und nach weg. Thomas Pöschke mag es original. Richtig original. "Der hatte ein VW-Lenkrad drin", erzählt er kopfschüttelnd und zeigt auf den grünen DFZ. Da musste die ganze Lenksäule raus. Seine Finger streichen über unscheinbare Hubbel am Kotflügel. "Das sind Popnieten", erklärt er. "Die gab es damals gar nicht." Da müssen Zylinderkopf-Schlitzschrauben rein. Selbst wenn sie später hinter Abdeckungen verschwinden.

Der gelernte Werkzeugmacher, Schlosser und Schweißer liebt die Mechanik und das Einfache der Technik. "Es geht kaum etwas kaputt", sagt er fast vorwurfsvoll. In das Innenleben seiner Schlepper hat er sich längst eingefummelt. Als Ersatzteillager dient ihm ein roter Schlepper mit Baujahr 1974. Selbst wenn einzelne Teile nicht mehr verwendbar sind, dienen sie ihm oft genug als Vorlage um neue, möglichst originalgetreue, nachzubauen. "Denn in echt ist das immer noch was anderes als auf Papier."

Nach dem grünen straßentauglichen Schlepper legte sich der Kiekebuscher im vergangenen Jahr noch einen blauen DFZ 632/1H zu. Der hatte bislang in Dresden seine Dienste als Gabelstapler verrichtet. Für die Hubeinrichtung hat Thomas Pöschke einen Korb gebaut - mit Sitzbank. Damit geht es bis auf 1,60 Meter rauf. Seine Familie kann der Schlepperfreund mit der alten Technik eigentlich nicht begeistern. Aber als er seinen Vater mit dem neu hergerichteten Hubsteiger in die Kronen seiner geliebten Obstbäume hievte, stand auch auf dessen Gesicht ein zufriedenes Lächeln. Die alten Geräte verzaubern letztendlich jeden.