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Die Zeiten, die sich nicht ändern

Die Ansteckung mit HIV durch Bluttransfusionen konnte auf ein Minimum beschränkt werden.
Die Ansteckung mit HIV durch Bluttransfusionen konnte auf ein Minimum beschränkt werden. FOTO: Gina Sanders/fotolia
Cottbus. Seit in den 80er Jahren mehrere Menschen durch konterminierte Blutprodukte mit HIV infiziert wurden, sind in Deutschland grundsätzlich alle homosexuellen Männer von der Blutspende ausgeschlossen, obwohl der Bedarf an Spenden weiter ansteigt. Seit mehreren Jahren beklagt das Deutsche Rote Kreuz die sinkende Zahl der jährlichen Blutspenden. Jenny Theiler

Laut Sprecherin Kerstin Schweiger, wurden im Jahr 2016 rund 50 000 Vollblutspenden weniger als noch im Vorjahr geleistet. Dennoch wird zum Schutz der Empfänger auf die potenziellen Blutspenden einer ganzen sozialen Gruppe verzichtet, weil sie nach den bestehenden Richtlinien zu den Risikogruppen gehört. Diese Festlegung ist durch das Paul-Ehrlich-Institut und die Bundesärztekammer im Transfusionsgesetz geregelt. Der homosexuelle Spendewillige scheitert bei der wahrheitsgemäßen Antwort auf Frage Nummer 16 im Blutspender-Fragebogen des DRK - "Hatten Sie schon einmal Sexualverkehr mit einem anderen Mann?" Der Fragebogen wurde im September vergangenen Jahres aktualisiert. Nach Aussage des Institutsleiters des Blutspendezentrums Cottbus Prof. Dr. Rainer Moog gab es in der Vorgängerversion einen Zusatz zu Frage 16, der nach geschütztem und ungeschütztem Sexualverkehr fragte. Da nach den Richtlinien des Paul-Ehrlich-Instituts der Lebensstil homosexueller Männer aber prinzipiell ein erhöhtes HIV-Risko mit sich bringe, wurde in der aktualisierten Form die Frage wieder allgemeiner formuliert.

Jeder Neuspender wird auf HIV, Hepatitis und Syphilis getestet. Trotzdem gestattet ein negatives Testergebnis dem Homosexuellen keine Blutspende. Der herkömmliche serologische Test, der die Antigene von HIV nachweisen kann, ist erst nach sechs Wochen einer möglichen Infektion anwendbar. Frische Infektionen können also vor der Blutspende nicht nachgewiesen werden. Gegenüber den 80er Jahren hat sich die Medizin aber mittlerweile im Bereich der Aids- und HIV-Forschung deutlich weiterentwickelt. "Es gibt jetzt eine molekularbiologische Variante, um auf HIV zu testen. Dadurch können die Viren bereits nach nur neun bis elf Tagen nach der Ansteckung nachgewiesen werden", erklärt Prof. Dr. Moog. Was nach einer verblüffenden Lösung für das Spenderproblem klingt, ist ein sehr aufwendiges und natürlich teueres Verfahren. Die Kosten würden den Aufwand bei jedem homosexuellen Neuspender nicht decken können.

Die Gesetze zur Regelung des Transfusionswesens sind weltweit unterschiedlich. In Frankreich und den USA dürfen homosexuelle Männer Blut spenden, wenn sie nachweislich in einer festen Partnerschaft leben. Die Karenzzeit beträgt mindestens zwölf Monate. Neben dem Bluttest entscheidet letztlich das Kreuz auf dem Fragebogen über die Spendertauglichkeit. Wer wissentlich falsche Angaben macht, um als Spender zugelassen zu werden, muss mit einem dauerhaften Spenderausschluss und einer möglichen Geldstrafe von bis zu 5000 Euro rechen.