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Die wirklich allerletzte Gelegenheit?

Bereits Ende Januar sorgte die angekündigte Gesetzesreform der Bundesjustizministerin für die Vermutung, der damals aktuelle Winterschlussverkauf könnte der Letzte seiner Art sein.

Für den Sommer 2003 war nämlich die Änderung des deutschen Wettbewerbsrechts (UWG) avisiert. Doch die alte Weisheit scheint noch immer gültig zu sein: „So schnell schießen die Preußen nicht!“ Will heißen, dass das neue Wettbewerbsrecht wahrscheinlich erst im Januar 2004 in Kraft tritt.

Vorerst nichts Neues
Also bleibt vorerst alles beim Alten wie inzwischen seit fast 100 Jahren. Zweimal im Jahr saisonaler Schlussverkauf, wie ihn 1911 der Deutsche Textilverband erstmals empfahl. Auch den Verbraucherschützern fällt zu dem Thema offenbar nichts Neues mehr ein: Die Verbraucherzentralen Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen stellen kurzerhand ihre allerdings sehr detaillierte Empfehlungen vom 4. Juli 2002 ins Netz (www.verbraucherzentrale.de). Aus Mecklenburg-Vorpommern kommt neben dem Rat, den Kaufbeleg über die Zeit der gesetzlichen Gewährleistungsfrist (zwei Jahre für Käufe, neu seit dem 1. Januar 2002) aufzubewahren und nicht unbedingt auf den freiwilligen Umtausch als fehlerhaft deklarierter Ware aus Kulanz zu bauen, auch noch der ausdrückliche Hinweis auf ein aktuelles (mit 1,24 Euro/Minute allerdings kostenpflichtiges) Beratungstelefon zu Käuferrechten unter 0190-771290.

Frische Tipps
Ganz frisch dagegen nimmt sich das ZDF in seiner heute-Sendung des Themas an: „SSV - ein Auslaufmodell?“ betitelt das Mittagsmagazin vom 24. Juli seine Wirtschaftsrubrik (nachzulesen unter www.heute.t-online.de/ZDFheute).

Experten-Meinungen
Aufschlussreich dabei besonders die Wortmeldungen der Experten: Hubertus Pellengar von Einzelhandelsverband HDE prophezeit „Dauerschlussverkauf“ und sieht das Lockwort einheitlich begrenzter Rabattaktionen seine große Anziehungskraft verlieren.
Auch Heinz Waldmüller, Autor mehrerer Schnäppchenführer, teilt die Bedenken: Der Schlussverkauf ist wie ein Leuchtturm, der zeigt, dass es noch mal richtig runter geht mit den Preisen. Für die kleinen Einzelhändler sei diese Jahrzehnte alte Tradition unverzichtbar.
Ausgerechnet Manfred Dimper vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) urteilt: „Das ganze Geschäft wird ohne die Regulierung ehrlicher werden.“ Der gesetzlich verordnete Zeitpunkt für die Rabattschlacht sei ohnehin nicht mehr zu halten. „Man kann doch längst niemandem mehr raten: Wartet, bis der Schlussverkauf beginnt.“

Schnäppchen im Juni
Jeder habe wohl bemerkt, dass in den meisten Geschäften schon spätestens Mitte Juni begonnen wurde, die Sommerware billiger abzustoßen. So blieben zum offiziellen SSV oft nur noch „Ladenhüter“ oder speziell dafür „billigst“ produzierte Waren zurück. Die Gefahr wachse, dass der Dumpingpreis zu Lasten der Qualität geht.
Also heißt die einzig ehrliche Devise: Augen auf beim Schnäppchen-Kauf! Auch schon deshalb, weil bereits vorher reduzierte Ware noch einmal verbilligt werden muss! (bm)

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