Strohhut, weißes Hemd, die grüne Gärtner-Latzhose. Hatte es Claudius Wecke, der Parkleiter in Branitz, vor der Vernissage im Cottbuser Rathaus nicht mehr geschafft, von der Arbeitskleidung in die Abendgarderobe zu hüpfen? Schmunzelnd schüttelt er viele Hände und poltert dann mit einer Schubkarre voller Gartengeräte in den Applaus, den sein Bruder, der Solotrompeter, für die Eurovisionsfanfare bekommt. Der Spaten wird aufgestellt, das Regenfass gegen die Schubkarre gelehnt, eine verblasste Tonkatze als Stopper vor alles geschoben und mit Schaufel und Miniharke nach dem Rhythmus gesucht. Keine Frage, die Brüder finden ihn schnell. Und die Zuhörerfüße wippen mit.

Das Duo "Aufgeweckte Gartenklänge" ist ein zartes Pflänzchen. Ein familiäres Ereignis, was noch ansteht, hat die Wecke-Brüder Conrad, Claudius und Clemens auf die Idee gebracht, mit Gartengerätschaften Musik zu spielen. Die ganze Familie ist - was Blasinstrumente betrifft - unheimlich vorbelastet: Mutter spielt Posaune, Vater Trompete. "Wir haben alle im Posaunenchor Horka, wo wir herstammen, gespielt", sagt Claudius Wecke.

Sein Bruder Conrad Wecke machte sogar seinen Beruf daraus. Seinen ersten Trompetenunterricht bekam er in seiner Geburtsstadt Görlitz von Holger Gruhne. Viele Jahre war er Trompeter und Flügelhornist bei den "Oberlausitzer Blasmusikanten". 1991 sicherte er sich im Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" in der Solowertung den Titel "1. Preisträger". Musikprofessoren wie Günther Wilpert, Peter Lohse und Peter-Michael Krämer brachten ihn weiter voran. Seit 2001 ist er Solotrompeter der Chemnitzer "Robert Schumann Philharmonie". Und nun kommt ihm sein Bruder, der Parkleiter, mit dem Gartenschlauch.

"Das macht unheimlich Spaß", sagt Claudius Wecke nach einem Lachanfall. Das Trompetenmundstück passt gut in den Gartenschlauch, die Töne werden flink aufeinander abgestimmt, nur die Schweißperlen verraten, dass es ein bisschen anstrengender ist, als mit der B-Trompete. "Girl from Ipanema" - eine Bossa Nova von Antonio Carlos Jobim, "Sing Sing Sing" nach einer Coverversion von Benny Goodman, der barocke Marsch eines Unbekannten aus dem Jahr 1756 und ein Menuett aus der gleichen Zeit. Als Claudius Wecke nach "Funky-Funky" gibt es noch den Jazzstandard "Cantaloupe Island". Weitere Auftritte der "Aufgeweckten Gartenklänge" sind nicht ausgeschlossen. Die Gießkanne wird schon getestet. Und wenn eine Rockband es mit dem Rasenmäher probieren will - die Wecke-Brüder geben sicher gern ihre Erfahrungen weiter.