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| 02:33 Uhr

Die Wahrheit über Hopfen und Malz

Bier verbindet: Bei der Verkostung verschiedener Biersorten des Labieratoriums prosteten fremde Menschen einander zu.
Bier verbindet: Bei der Verkostung verschiedener Biersorten des Labieratoriums prosteten fremde Menschen einander zu. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Die Sommertour-Gäste der RUNDSCHAU erhielten spannende Einblicke in die Kunst des Bierbrauens. Es ging ins Labieratorium. Jenny Theiler

Kaum ein Bierfreund würde den fast schon heiligen Wert des deutschen Reinheitsgebotes infrage stellen. Die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour konnten sich am Freitag hierzu ein eigenes Urteil bilden. Die Cottbuser Brauerei "Labieratorium" gewährte einen spannenden Einblick in die vielseitige Kunst des Bierbrauens und versetzte so manchen Bierkenner in Staunen.

In angenehmer Schulausflugsatmosphäre führte André Roßeck, Außendienstmitarbeiter des Labieratoriums, eine Gruppe von 15 RUNDSCHAU-Lesern durch die Brauerei in der Karl-Liebknecht-Straße und vermittelte nicht nur Wissen, sondern auch das Bewusstsein für Genuss.

"Wir sind nicht nur die jüngste Brauerei in Brandenburg, sondern auch die engste", bemerkte André Roßeck, als er die neugierigen Besucher in den ehemaligen Supermarkt führte, der jetzt von einer Brauanlage und verschiedenen Bottichen ausgefüllt wird.

Der Rundgang begann mit einer Einführung in die verschiedenen Malzarten. Während sich deutsche Großbrauereien auf drei Malzsorten beschränken, kommen im Labieratorium 20 verschiedene Malze zum Einsatz, die für besondere Aromen sorgen. Die Besucher durften die Zutaten anfassen, riechen und sogar kosten. "Wer noch gute Zähne hat, darf die gemälzte Gerste gern probieren", scherzte André Roßeck. Der Humor des ehemaligen Reiseleiters kam bei den Besuchern gut an. Unkompliziert und unterhaltsam erklärte er die einzelnen Brauschritte und entlockte so manchem Skeptiker ein Schmunzeln. "Die Hefe frisst den Zucker, scheidet den Alkohol aus und pupst CO", erklärt André Roßeck den entscheidenden Prozess, der das Bier erst zu dem macht, was es ist.

Die individuellen Rezepturen der Biere widersprechen zwar per Definition dem deutschen Reinheitsgebot, machen aber die Cottbuser Braukunst zu etwas Besonderem. Anja Braun und Olaf Wirths, die Besitzer der neuen Brauerei, sind als Bier-Someliers ständig auf der Suche nach neuen ausgefallenen Rezepturen. Das verborgene Potenzial des Hopfens darf hierbei nicht außer Acht gelassen werden. Ursprünglich wurde die Hanfpflanze verwendet, um Bier länger haltbar zu machen. Es ist jedoch nicht nur die bekannte Bitterkeit, die den Hopfen prägt. Mit seinen kräftigen Aromen ist die Kletterpflanze in der Lage, eine umfangreiche Bandbreite von Geschmacksrichtungen zu entfachen, was sich im "Orange Pale Ale" als angenehme Zitrusnote widerspiegelt.

Dass Bier lange Zeit als nährstoffhaltiges Lebensmittel galt, ist mittlerweile in Vergessenheit geraten. André Roßeck erzählte von Mönchen, die einen Gerstensaft brauten, um die Fastenzeit zu überstehen. Durch das heutige Pasteurisieren gehen diese Nährstoffe allerdings verloren. "Am Ende bekommt der Kunde kein Lebensmittel mehr, sondern nur noch ein totgekochtes Industrieprodukt", ärgert sich Olaf Wirths über die auf Masse ausgerichtete Brautechnik. Im Labieratorium wird auf Pasteurisieren verzichtet. "Das Bier wird bei uns vor der Abfüllung zwar entkeimt, aber nicht mehr aufgekocht", erklärt André Roßeck. Dadurch verliert das Bier zwar an Haltbarkeit, gewinnt aber an Seele und Geschmack, was sich auch bei der Verkostung am Ende des Rundgangs bemerkbar machte.

Das neue Bier kommt gut an"Ich habe heute viel Neues erfahren, obwohl ich schon vorher einiges über Bier gewusst habe", so der Cottbuser Manfred Nakoinz. Das Kellerbier "Cottbuser Blond" empfindet der Rentner er als sehr angenehm im Geschmack.

"Ein äußerst informativer Blick hinter die Kulissen eines sehr sympathischen Unternehmens", sagt Matthias Heimann. Der Tourist probiert das "Cottbuser Hell". Es sei zwar kein typisches Helles, aber dennoch sehr aromatisch.

Herbert Menzel erinnert sich schmunzelnd an die frühere Cottbuser Brauerei und lobt vor allem die Produktvielfalt des Labieratoriums. "Das war ein Problem, das die Brauerei früher hatte: Es gab nur zwei Sorten Bier". Der Gubener trinkt sehr gern bitteres Bier. Deswegen sagt ihm das kalt gehopfte "Cottbuser Blond" zu.