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| 02:33 Uhr

Die Dresdener Straße
Die verschwundene Promenade

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Immer wieder erstaunlich ist, wie weitsichtig die Stadtväter vor über 100 Jahren die Entwicklung der Stadt vorausplanten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Dresdener Straße zwischen der damaligen Großenhainer Straße und der Ottilien- und Eilenburger Straße, die schon damals zu einem Boulevard ausgebaut wurde. dli9

Bürgersteige, zwei voneinander getrennte Straßenbereiche in Ein- und Ausfahrtsstrecken geteilt und mittig eine breite Fußgängerpromenade mit Roteichen als Allee gepflanzt - wie Unter den Linden in Berlin oder Las Ramblas in Barcelona.

Die alte straßenbegleitende Vorstadtbebauung wurde stückweise von attraktiven Miets- und Geschäftshäusern ersetzt. Nachdem im Jahr 1908 die Unterführung der Dresdener Straße unter der Eisenbahntrasse fertiggestellt war, konnte auch die Straßenbahn zunächst bis zum Südfriedhof weiter ausgebaut werden. Das Straßenbahngleis wurde auf den westlichen Straßenbereich gelegt. Die alte Ansichtskarte zeigt diese Situation.

Viel hat sich inzwischen verändert. Die grüne, im Herbst rot eingefärbte Eichenallee existiert bis auf wenige Bäume nicht mehr. Die Bebauung ist beim Bombenangriff im Februar 1945 dezimiert worden. Die Fußgängerpromenade ist zur doppelgleisigen Straßenbahntrasse ausgebaut worden.

Interessant sind die erhalten gebliebenen Häuser aber allemal. Auf der linken Bildseite ist der Giebel des Hauses Dresdener Straße 123 - heute Straße der Jugend 72 - zu sehen. Wie durch ein Wunder ist dieses Haus 1945 zwar beschädigt, aber eben nicht von einer Bombe zerstört worden. Es wurde in den Jahren 1902/1903 für Marie Lehmann erbaut. Der Architekt mit bauausführender Firma war August Patzelt. Viele Jahre führte als Mieter Karl Steinbrecher sein Lebensmittelgeschäft im Erdgeschoss. In Erinnerung dürfte aber als Lebensmittelhändler nach 1945 vor allem Richard Fest geblieben sein. Inzwischen befindet sich in dem Haus die Tschentke GbR Orthopädieschuhtechnik.

Es lohnt sich ein genauer Blick auf die liebevoll restaurierte Hausfassade. Sie gehört noch zu den wenigen, so qualitätsvoll wiederhergestellten Fassaden aus der Zeit des Jugendstils in Cottbus. Dargestellt ist die biblische Geschichte mit Adam und Eva im Paradies. Mit dabei ist auch die Schlange, die Eva einen Apfel reicht. Dazu gibt es viele florale, tierische und mystische Motive.

Auf der rechten Postkartenseite fällt eine starke Veränderung auf. Das einstige Wohnhaus steht nicht mehr. Es war die alte Dresdener Straße 51. Sie ist im Februar 1945 total zerstört und die Ruinenreste abgerissen worden. Das siebenachsige Haus mit Erdgeschoss und drei Etagen war um 1891 für den Maurer Friedrich Kaiser von der Bau- und Zimmereifirma Otto Ringel erbaut worden. Zum Beginn des vorigen Jahrhunderts besaß der Handelsmann Albert Ladewig das Haus, das 1940 noch Eigentum seiner Witwe Wilhelmine Ladewig war.

Viele Jahre gab es noch in einem erhaltenen kleinen Seitengebäude die Schuhmacherei Cottbus - Süd. Heute steht das Verlagsgebäude der Lausitzer Rundschau auf diesem Grundstück mit der Hausnummer 54. Das linke Nachbargebäude der LR war für Fleischermeister Hermann Hansen um 1908/09 von der Baufirma Moritz Hausten errichtet worden. Fleischermeister machten noch bis vor kurzem in dem Haus ihre Geschäfte. Erinnert sei nur an Fleischermeister Hartmut Jende.

Das ebenfalls links daneben befindliche Haus, die Dresdener Straße/Straße der Jugend 49, war zehn Jahre zuvor für den Bautechniker Fritz Richter erbaut worden. Er verzog später nach Sagan. Führte in den Anfangsjahren einst ein Pantoffelmacher im Haus seine Geschäfte, so blieben den meisten Cottbusern zwei andere Geschäfte in besonderer Erinnerung: Die Fischhandlung von Willi Schmidt, die nach 1945 als Fisch-Kärger bekannt war und die Bäckerei von Hans Otte.

Das dritte Haus in diesem Verbund, die Dresdener Straße/Straße der Jugend 48, hatte der Bauunternehmer Moritz Hausten für sich selbst in den Jahren 1905/06 errichtet. Das Haus kam später in andere Hände. So genannte Ladenlokale gab es nicht in diesem Hause und doch wird es noch manchem Cottbuser in Erinnerung sein, praktizierten doch viele Jahre die Zahnärzte Dr. Alfred und Dr. Irmgard Saretz in dem Haus. Im Hinterhof befand sich unter anderem die Geschäftsstelle der Elektro-Innung Niederlausitz.